Die Führung des Autobauers Opel hat erstmals offiziell eingeräumt, mit den Arbeitnehmern über eine Schließung des Werks in Bochum zu verhandeln. Nach dem Auslauf der aktuellen Fertigung des Modells Zafira 2016 sei keine weitere zusätzliche "Produktionsallokation" an dem Standort vorgesehen, teilte Opel mit. Vorstand, Betriebsrat und IG Metall würden Gespräche über einen Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen bis 2016 beginnen. Verhandelt werde auch über die Auslastung aller deutschen Standorte. Neben Bochum sind das Rüsselsheim, Eisenach und Kaiserslautern.
Über 3200 Jobs auf dem Spiel
Damit konkretisiert sich das Schicksal der mehr als 3200 Mitarbeiter in Bochum. Der Standort war immer wieder als Schließungskandidat gehandelt worden. Zuletzt war spekuliert worden, das Montagewerk könne schon übernächstes Jahr geschlossen werden. Diese Gefahr zumindest wäre durch eine Garantie bis 2016 gebannt.
Arbeitnehmerkreise halten Bochums Schicksal mit dem neuen Plan noch nicht für besiegelt. "Das ist eine Überinterpretation", sagte ein Vertreter der Beschäftigten. Es entstehe zwar ein Schwebezustand, aber vier Jahre seien in der Autoindustrie eine lange Zeit. Schließlich sei nach wie vor nicht klar, wie die Zusammenarbeit mit dem neuen Partner PSA Peugeot Citroën künftig aussehen soll. Der Opel-Mutterkonzern General Motors hatte dieses Jahr eine Allianz mit dem französischen Unternehmen vereinbart.
Nächster Tiefschlag
Die Bochumer Opel-Mitarbeiter hatten bereits Mitte Mai einen Tiefschlag einstecken müssen: Opel entschied, die Fertigung des Modells Astra ab 2015 aus dem Rüsselsheimer Stammwerk abzuziehen und ins polnische Gleiwitz sowie ins britische Ellesmere Port zu verlagern. Als Ersatz könnte der Zafira-Produktion von Bochum nach Rüsselsheim wandern.
In den Gesprächen zwischen Management und Arbeitnehmern könnte es darum gehen, dass Opel den Gewerkschaften Zugeständnisse in anderen Bereichen anbietet. Der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen wäre hierbei nur ein Element. Die Umsetzung des Tarifabschlusses 2012 soll ein weiterer Punkt sein.
Die Opel-Mitarbeiter hatten in der Vergangenheit mehrmals finanzielle Zugeständnisse gemacht, um den Sparkurs des Herstellers zu stützen. Opel ist vor allem auf dem europäischen Markt präsent, wo in Ländern wie Spanien oder Italien der Automarkt einbricht. Das Management will dem Opel-Aufsichtsrat am 28. Juni einen Sanierungsplan vorlegen.