09.11.2009, 20:51
Ambitionierte Expansionspläne: Citroën-Chef greift Schwestermarke Peugeot an
Interview
Ein Spross der Familie Peugeot macht der Automarke Peugeot eine Kampfansage. Frédéric Banzet, innerhalb des PSA-Konzerns neuer Chef der Marke Citroën, hat das Ziel ausgegeben, dass die Marke bis 2012 einen der drei Spitzenplätze im europäischen Automarkt erobert.
von Lutz Meier Paris
Das würde bedeuten, dass sich die Gewichte beim zweitgrößten europäischen Autohersteller verschieben und Citroën die Schwestermarke überholt. Derzeit nimmt Citroën trotz vieler Erfolge nur Rang sieben ein. "Das ist eine Ambition, keine Prognose", sagte Banzet der FTD. "Natürlich sagen mir einige, das sei total verrückt, aber ich meine das schon ernst", betonte er.
Der Generaldirektor von Citroen, Frederic Banzet
Banzet, der im Sommer zum Markenchef bei Citroën ernannt wurde, entstammt mütterlicherseits der Peugeot-Familie, die den
Konzern mit seinen zwei Marken faktisch kontrolliert. Er ist somit auch Großaktionär in der Firma, in der er Manager ist. Die Peugeots hatten 1974 Citroën gekauft und lange darauf geachtet, die Marke klein zu halten. Sie verlor nach der Übernahme Marktanteile.
Erst in den vergangenen Jahren hat sich die Entwicklung umgedreht, und Citroën entwickelt sich besser als die Schwestermarke. Würde Citroën Peugeot überholen, wäre dies ein Kulturbruch in einem Konzern, in dem die Familie mit harter Hand für klare Verhältnisse sorgt. "Man kann es nicht aus der Geschichte streichen: Peugeot hat Citroën gekauft, nicht umgekehrt", sagte Banzet. Dies sei ein "psychologischer Faktor". Andererseits: Würde Citroën stärker als Peugeot, werde das "in der Familie niemanden mehr schockieren". Der Manager ergänzte, dass das konzerninterne Größenverhältnis "nicht meine erste Sorge ist".
Kfz-Absatz in Europa
Wichtiger ist es, auch nach dem Auslaufen der Abwrackprämien in mehreren Ländern die Verkäufe auf den gesättigten Märkten zu steigern. Die Marke Citroën war einer der Hauptprofiteure der Abwrackprämie - besonders in Deutschland, wo die Automarke ihre Verkäufe im Vorjahresvergleich um die Hälfte steigern konnte und erstmals über drei Prozent Marktanteil kam.
"Natürlich haben durch die Abwrackprämie viele Kunden ihren Bedarf erst einmal gedeckt", sagte Banzet. Auch habe die Prämie die Preisgetriebenheit der Autokäufer noch einmal erhöht, was die Hersteller nun bei Werkstatt- und Serviceleistungen merken. "Die Krise hat das Kundenverhalten völlig verändert", stellte Banzet fest. Das aber wertete er für die Marke überwiegend positiv: Die Prämie habe zahlreiche neue Kunden gebracht, die sonst niemals zu Citroën gekommen wären und die man nun halten könne.
Teil 2: Mehr Händler in Deutschland
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Aus der FTD vom 10.11.2009
© 2009 Financial Times Deutschland