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18.09.2008, 22:06
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Auftragsflaute bei Kfz-Produktion:
Karmann kapituliert beim Autobau
Dossier
Der Autozulieferer macht eine radikale Schrumpfkur: Karmann schließt seine Kernsparte Automobil-Auftragsfertigung und streicht bis zu 1700 weitere Stellen. Für die betroffenen Anlagen hegt das Unternehmen einen simplen Plan.
von Oliver Wihofszki (Stuttgart) und Kristina Spiller (Hamburg)
"Die Zukunft von Karmann findet ohne den Fahrzeugbau statt", sagte Firmenchef Peter Harbig am Donnerstag. Das Traditionsunternehmen aus Osnabrück bekommt keine neuen Aufträge für die Sparte, die derzeit noch für
Daimler das Mercedes CLK Cabrio fertigt. Mitte 2009 läuft dieser letzte Auftrag aus. Dann werden bis zu 1700 Mitarbeiter ihren Job verlieren. Gespräche mit Betriebsrat und Gewerkschaft über einen Sozialplan und Abfindungszahlungen beginnen in diesen Tagen. Zudem wird ein Käufer für die verlustreiche Werkzeugbausparte mit 700 Mitarbeitern gesucht.
Für das Familienunternehmen, das für
VW über Jahrzehnte das Käfer Cabrio baute und mit dem sportlichen Karmann Ghia berühmt wurde, endet eine Ära. "Immerhin sind es über 100 Jahre Fahrzeugbau, die dann schlussendlich hinter uns liegen werden", sagte Wilhelm Dietrich Karmann, Miteigner und Finanzchef der Firma und ein Enkel des Firmengründers, der Karmann 1901 als Kutschenbaubetrieb gründete.
Bilderserie
Bilderserie: Karmann - von der Überholspur auf den Seitenstreifen
Karmann leidet wie die Rivalen Valmet aus Finnland oder
Pininfarina aus Italien unter einem strukturellen Wandel der Autobranche. Autofirmen geben immer weniger Aufträge zum Bau von Kleinserien oder Nischenmodellen an Fremdfertiger wie Karmann ab, weil sie die Modelle mittlerweile in ihren eigenen Fabriken ohne große Umrüstungen und Zusatzkosten selbst bauen können.
Krise der Autoindustrie schlägt durchErschwerend kommt die Krise der Autoindustrie dazu. Denn auch weil die eigenen Werke wegen schleppender Verkaufszahlen bei steigender Produktivität nicht ausgelastet sind, holen Autofirmen vor Jahren ausgelagerte Fertigungsaufträge zurück.
Das legendäre Karmann Ghia Cabriolet, Baujahr 1971
So verlor beispielsweise Karmann den Folgeauftrag zum Bau des Audi A4 Cabrio.
Audi gehört zum Volkswagen-Konzern, der vom Großaktionär
Porsche dominiert wird. Porsche sei gegen den Weiterbau des Audi-Cabrios bei Karmann gewesen, solange die eigenen VW-Werke nicht ausgelastet sind, heißt es in der Branche.
Unter den angeschlagenen Auftragsfertigern kann derzeit einzig Magna Steyr neue Aufträge feiern. Die Österreicher haben eine flexible Produktion und mit Magna International aus Kanada einen finanzstarken Mutterkonzern. Magna gewann zuletzt Aufträge für einen Geländewagen der
BMW -Marke Mini und für den neuen Sportwagen von
Peugeot . Kürzlich konnte Magna dem finnischen Rivalen Valmet den Porsche-Auftrag abjagen und wird ab 2012 die Modelle Boxster und Cayman bauen.
Teil 2: Sanierung der Fahrzeugbausparte hoffnungslos
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Aus der FTD vom 19.09.2008
© 2008 Financial Times Deutschland,
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