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Merken   Drucken   25.10.2012, 13:23 Schriftgröße: AAA

Autohersteller in der Krise: Hier hakt es bei Daimler

Die deutschen Premiumhersteller haben einen dreijährigen Boom hinter sich. Jetzt erwischt die Absatzkrise Daimler und zwingt den Schwaben bei Märkten, Sparten und Modellen ein gewaltiges Tempo auf. Hier liegen Daimlers Probleme und Hoffnungswerte.
© Bild: 2012 Reuters/JACKY NAEGELEN
Die deutschen Premiumhersteller haben einen dreijährigen Boom hinter sich. Jetzt erwischt die Absatzkrise Daimler und zwingt den Schwaben bei Märkten, Sparten und Modellen ein gewaltiges Tempo auf. Hier liegen Daimlers Probleme und Hoffnungswerte.
von Heimo Fischer und Nina Jauker

Vertriebsprobleme in China, veraltete Modelle, Absatzrückgang: Daimler kämpft mit Rückschlägen. Der Premiumhersteller muss sich gewaltig anstrengen, will er die Lücke zu den Konkurrenten Audi und BMW wieder schließen. Allerdings haben die Schwaben ihre Probleme erkannt – und steuern gegen.

Autosparte

Die Autosparte von Daimler  ist für den Konzern von herausragender Bedeutung. Die Personenwagen der Marken Mercedes, Smart, Maybach und AMG erbringen fast zwei Drittel des operativen Gewinns von Daimler. Die Umsatzrendite von Mercedes ist jedoch niedriger als die von BMW  und Audi. Hier verschärft der Konzern sein Programm zur Effizienzsteigerung und Kostensenkung. Entlassungen sind zwar nicht vorgesehen, doch Autohersteller können durch effizientere Produktion sehr viel Geld sparen.

Bei Mercedes Benz Cars kämpft Daimler trotz eines leichten Absatzwachstums auf wichtigen Märkten mit Einbrüchen. In Westeuropa sanken die Verkäufe um vier Prozent auf 143.183 Autos, in Deutschland sogar um sieben Prozent. In den Hauptmärkten konnte Mercedes-Benz Cars lediglich in den USA (plus 35 Prozent) zulegen. Vor allem dadurch ergab sich unter dem Strich ein leichtes Absatzplus von zwei Prozent auf 345.418 verkaufte Autos.

Autosparte - Problem Modellpalette

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Problem in der Pkw-Sparte: Daimer hat im Vergleich mit der Konkurrenz veraltete Modelle. Teils weil Entwicklungen verschlafen wurden, teils weil Daimler im Modellzyklus gerade hinten liegt. Zum Beispiel haben die Schwaben gerade keinen der angesagten kleinen Geländewagen wie den BMW X1 zu bieten.

Die Ziele für 2012 sind in allen Fahrzeugsparten des Konzerns nicht zu halten. Die Kampfansage, schon 2013 mit zehn Prozent Umsatzrendite an BMW und Audi heranzurücken, ist vage verschoben auf "einen späteren Zeitpunkt". Im Rennen mit Audi und BMW ist Daimler nur dritte Wahl. Den bis Ende September abgesetzten 964.926 Mercedes-Pkw stehen gut eine Million Audi und sogar gut 1,1 Millionen BMW gegenüber.

Vor allem hinsichtlich der großen Modelle, die die höchsten Gewinnspannen bieten, wird das kommende Jahr entscheidend für Dieter Zetsche: Eine überarbeitete E-Klasse soll Kunden zurückholen. Außerdem wird eine neue S-Klasse eingeführt.

Autosparte - Problem Produktionseffizienz

Zweitens kämpft Daimler bei den Pkws mit einer Produktion, die nicht so kostengünstig und effizient ist wie die der Konkurrenz. Bei der Ebit-Marge, dem Verhältnis zwischen Umsatz und operativem Gewinn, kommt der VW-Klassenprimus Audi nach neun Monaten auf 11,2 Prozent. Bei der BMW-Autosparte fehlen die Zahlen noch, aber zur Jahreshälfte waren es 11,6 Prozent Rendite. Bei Daimler damals: 8,5 Prozent. Per September 7,8 Prozent, im aktuellen Quartal gar nur 6,4 Prozent. Daimlers Baukastensystem ist noch nicht auf genügend Modelle ausgedehnt, so dass der Konzern noch nicht so viele Gleichteile verwenden kann. Entsprechend hat Daimler hier auf der Kostenseite große Nachteile und eine geringere Rendite. Diese Probleme begann Zetsche bereits anzugehen, bislang gibt es erste bescheidene Erfolge.

Autosparte - Hoffnung Allianzen

Bei den Kompaktwagen der A- und B-Klasse will man sich in der Allianz mit Renault  und Nissan  die Entwicklungskosten aufteilen und von der Technologie der anderen Konzerne profitieren. Ein weiterer Vorteil: Man setzt auf gemeinsame technische Standards und kann damit größere Mengen einkaufen.

Diese Allianz soll auf den Kleinwagen Smart ausgedehnt werden. Obwohl er nicht viel Gewinn bringt, ist der Smart wichtig. Sein geringerer Kohlendioxidausstoß senkt den Flottenverbrauch von Daimler. Ohne Smart drohen dem Konzern teure Strafzahlungen.

Autosparte - Hoffnung Vertrieb in China

Der Dreikampf zwischen Audi, BMW und Daimler wird auf dem Zukunftsmarkt China entschieden. Dort ist das Wachstum der Konkurrenten größer, im Vergleich zu Audi liegt Daimer bei der Hälfte der Absatzzahlen. Der Mercedes-Absatz war im jüngsten Quartal um 20 Prozent eingebrochen. Die S- und E-Klasse verkauft sich auf dem chinesischen Markt zwar sehr gut. Doch Daimler kämpfte dort bislang mit Vertriebsproblemen, weil die Vertriebsstrukturen überhastet aufgebaut wurden. In China gebaute Modelle werden direkt von Daimler vertrieben. Die großen Modelle werden importiert, um deren Vertrieb kümmert sich ein großer freier Mercedes-Händler. Daimler musste zuletzt hohe Rabatte gewähren. Nun soll schnellstens die Vertriebsstruktur vereinheitlicht werden, Daimler erhöhte seinen Anteil an dem chinesischen Händler von 50 auf 75 Prozent.

Nutzfahrzeugsparte

Die Lkw-Branche kämpft weltweit mit großen Problemen, weil sich die Konjunkturschwäche stark auf sie auswirkt. Die Nachfrage aus Südeuropa fehlt, in Europa ließ die Nachfrage generell nach und auch aus Brasilien ist nicht viel zu erwarten, weil die Kunden sich dort kurz vor Einführung einer neuen Abgasregelung bereits mit Fahrzeugen versorgt hatten. In den USA läuft das Geschäft dagegen gut.

Nutzfahrzeugsparte - Hoffnung Produktpalette

Bei den Lkws sieht die Lage besser aus, weil Daimler im Modellzyklus vorne liegt. Vor kurzem kam der neue Schwerlaster Actros auf den Markt, ebenso einige kleinere Lkw-Modelle. Hier wurde bei den Motoren und anderer Technik viel vereinheitlicht. Ein eigenes Sparprogramm läuft auch hier seit einiger Zeit.

Nutzfahrzeugsparte - Hoffnung China

Vor großen Baustellen steht Daimler in China und Indien. Nach China kam die Truck-Sparte von Daimler sehr spät und kämpfte zu Beginn mit bürokratischen und Kommunikationsproblemen bei einem Joint Venture mit dem lokalen Partner Foton. Seit diesem Jahr läuft die Kooperation, in die Daimler 450 Mio. Euro investiert hat. Sie baut zusammen mit dem chinesischen Partner den günstigeren Schwerlastwagen Auman, da in dem Schwellenland mit den hochwertigen europäischen Trucks kein Erfolg erzielt werden kann. Ein schwieriges Unterfangen für ein Unternehmen, dass auf Sicherheit und Hochwertigkeit setzt. Doch der Lkw-Markt in China ist ein Hoffnungswert für Daimler.

Nutzfahrzeugsparte - Hoffnung Indien

Der zweite wichtige Zukunftsmarkt bei Nutzfahrzeugen ist Indien. Der Versuch, mit einem lokalen Partner ein Joint Venture zu gründen, scheiterte in der Krise, weil den Indern das Geld ausging. Daimler baute mit Investitionen von 700 Mio. Euro die eigene Marke Bharat Benz (Bharat bedeutet "Indien" in mehreren indischen Sprachen) auf und stampfte im südindischen Chennai ein Werk aus dem Boden. Kürzlich rollten dort die ersten schweren und mittelschweren Laster vom Band. Mit seinen Produkten muss sich Daimler nun am Markt gegen allerdings starke Konkurrenz etwa von Tata behaupten.

Transportersparte - Problem klamme öffentliche Haushalte

Daimler Busse verzeichnet zwar einen hohen Umsatz, gilt im Konzern aber als eher unbedeutend. Hier ist die Lage sehr ernst. Die Sparte leidet extrem unter der Tatsache, dass die öffentlichen Haushalte in der Schuldenkrise kein Geld für Investitionen haben. Auch hier läuft ein Sparprogramm, bis hin zu Werksschließungen in den USA.

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  • FTD.de, 25.10.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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