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Merken   Drucken   12.01.2010, 21:29 Schriftgröße: AAA

Duell der GM-Töchter: Chevrolet wird zur Gefahr für Opel

Chevrolet, die weltweite Billigmarke des US-Autobauers General Motors, wird für ihre deutsche Konzernschwester Opel zunehmend gefährlich. Der Billiganbieter will den Absatz in Europa verdoppeln. von Matthias Ruch  Detroit
Europachef Wayne Brannon kündigte auf der Automesse in Detroit an, den Absatz in Europa mit einer neuen und deutlich erweiterten Modellpalette in den kommenden Jahren auf eine Million zu verdoppeln. Besondere Rücksicht auf Opel könne er dabei nicht nehmen, stellte er klar: "Wir werden die Konkurrenz zu Opel nicht schüren, aber auch nicht aktiv verhindern", erklärte Brannon. "Wir können Opel nicht bewusst schonen, sondern werden eine freundliche Rivalität pflegen."
Motorshow in Detroit Highlights von Audi und Ford
Bereis im Zuge der Verhandlungen über einen möglichen Verkauf von Opel zählte der künftige Wettbewerb zwischen den GM-Töchtern im vergangenen Herbst zu den heiklen Streitpunkten. Beide buhlen um Kunden in West- und Osteuropa und konnten in den vergangenen Jahren auch in Russland bedeutende Marktanteile gewinnen.
"Opel hat in Europa zuletzt leider etwas Marktanteile verloren. Aber nicht an Chevrolet", führte Brannons Sprecher aus. Er musste die Erklärungen des Managers auf der Automesse in Detroit präsentieren, da Brannon den Termin kurzfristig absagen musste. Chevy hätte seinerseits Kunden von anderen Marken abgeworben - aber kaum welche von Opel, sagte der Sprecher.
Tatsächlich zielten die beiden Marken bislang auf unterschiedliche Käufergruppen. Mit Autos, die bislang weitestgehend vom koreanischen Partner Daewoo entwickelt und gebaut und in Europa lediglich unter der Marke Chevrolet verkauft wurden, hatte die US-Marke ihre Offensive Anfang 2005 gestartet. "In den letzten fünf Jahren war der Preis der entscheidende Treiber für unser Wachstum", heißt es in Brannons Rückblick auf die ersten Jahre in Europa. "Das soll künftig aber anders werden. Chevrolet soll stehen für großartiges Design, eine einzigartige Marke und für einen exzellenten Gegenwert fürs Geld."
Entwickelt in den USA, gebaut in Korea
Kursinformationen und Charts
  Ford 10,56 USD  [-0.1 -0,94%
  Toyota Motor 3005 JPY  [-35 -1,15%
Um diesen Imagewandel zu erreichen, wird die neue Modellgeneration nun eigens von Chevrolet entwickelt. Gebaut werden aber auch die neuen Modelle größtenteils weiterhin in Korea. "Unsere größten Rivalen in Europa waren bislang Skoda, Seat, Fiat, Citroën und Kia", heißt es in Brannons Präsentation. "Mit dem neuen Chevy Cruze können wir künftig aber auch Ford, Toyota und vielleicht sogar VW angreifen." Neben Ford  und Toyota  dürfte dann auch Opel zu den direkten Konkurrenten zählen - auch wenn Brannon die deutsche Schwester nicht ausdrücklich nannte. Im Jahr 2011 wird Chevy dann sogar einen neuen Siebensitzer in den Handel bringen, der bei Größe und Preis weitgehend dem deutschen Opel Zafira entspricht: den Chevrolet Orlando.
Anders als in Westeuropa genießt Opel in Russland, aber auch in osteuropäischen Ländern wie Polen, ein deutlich höheres Ansehen. "In Russland ist die Gefahr, dass Chevy und Opel einander in die Quere kommen, nicht so groß wie anderswo", sagte der Chevrolet-Sprecher. "Chevy ist dort mit einem Marktanteil von acht Prozent die größte ausländische Marke. Und Opel steht für deutsche Ingenieurskunst und zählt zum Premiumsegment."
Um in Westeuropa das eigene Image aufzupolieren und die Modellpalette weiter auszubauen, will Chevrolet dort ab dem Frühjahr 2011 auch den legendären amerikanischen Sportwagen Camaro anbieten. "Wir wollen den Camaro über unser ganz normales Händlernetz verkaufen", kündigte Brannon an. Die Mehrheit der Chevrolet-Händler in Deutschland hat zugleich auch Opel-Fahrzeuge im Angebot - und bietet damit den direkten Vergleich zwischen den Schwestermarken unter einem Dach. Zwischen Opel Corsa und Chevy Aveo könnte künftig auch noch ein sogenanntes US-Musclecar stehen. Bislang können Kunden in Europa den Camaro ebenso wie den Mustang von Ford nur über Importeure aus den USA bestellen. Beide Autos strotzen vor Kraft und sind Retro-Modelle ihrer legendären Vorgänger aus den 60er-Jahren. "Ein Teil unserer Kunden verbindet die Marke Chevrolet mit der großen Freiheit und dem Wilden Westen", sagte der Sprecher. "Da passt der Camaro gut ins Bild."
Um neben den Rennfahrern auch die umweltbewusste Klientel bedienen zu können, will GM das Elektroauto Chevy Volt ab November 2011 auch in Europa anbieten. Einen Preis für den Volt, der parallel mit einem Elektro- und einem Benzinmotor ausgestattet ist, hat der Konzern bisher noch nicht genannt. Branchenkenner rechnen mit rund 40.000 Euro.
06:17:08 Kursinformationen und Charts
Name aktuell  absolut  
Ford 10,56 USD   -0,94%  -0.1
Toyota Motor 3005 JPY   -1,15%  -35
  • Aus der FTD vom 13.01.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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