FTD.de » Unternehmen » Industrie » Autoindustrie » Wie China den Automarkt aufrollt

5 Bewertungen  Schrift: AAA

  09.11.2009, 11:11    

Europa-Offensive: Wie China den Automarkt aufrollt

Dossier Das Reich der Mitte hat die USA bereits als größten Absatzmarkt der Welt überholt. Jetzt bereiten die Asiaten ihre nächste Offensive vor: In der Krise kaufen sie europäische Marken, um mit deren Hilfe zu wachsen. FTD.de zeigt, welche Konzerne wo investieren.

von Christiane Kühl und Margret Hucko
Die Premiere der ersten chinesischen Limousine auf dem deutschen Markt endet mit einem großen Knall - im Crashzentrum des ADAC und mit katastrophalem Ergebnis für die Dummys. Der Asia-Import, ein Mittelklasseauto mit dem Namen Brilliance, fällt 2007 beim Sicherheitstest gnadenlos durch.
Zwei Jahre später wagen die chinesischen Autohersteller erneut eine Offensive in Europa. Hersteller wie Geely oder BAIC bieten für traditionsreiche Automarken, um westliches Ingenieurswissen günstig einzukaufen. Die Branchenkrise macht es möglich. So gilt der chinesische Hersteller Geely als aussichtsreicher Bewerber für die Ford-Tochter Volvo. Das Gebot sei "eine wohlüberlegte strategische Entscheidung, die mit unseren langfristigen Entwicklungszielen übereinstimmt", weist ein Sprecher die Spekulationen zurück, es handele sich bei der Offerte bloß um einen PR-Gag.
Dass der Hersteller bei seinen Einkaufsplänen tatsächlich einer Strategie folgt, beweist die im Frühjahr eingefädelte Übernahme von Drivetrain Systems International (DSI). Mit dem australischen Automatikgetriebehersteller und der technischen Expertise von Volvo würde Geely über eine gute Basis verfügen, urteilen Experten. Auch am extravaganten Premiumhersteller Saab wird ein chinesisches Unternehmen beteiligt sein. BAIC, das zuvor bei Opel mitbot, schießt dem schwedischen Sportwagenbauer Koenigsegg Kapital für die Übernahme zu.
Dass das Engagement der Asiaten ausschließlich ein Krisenphänomen ist, glaubt Stefan Bratzel vom Center of Automotive nicht. Zwar wüssten die Chinesen die Wirtschaftslage zu nutzen. Doch unabhängig davon werde sich dies dynamisch fortsetzen. "Auf deren Heimatmarkt China findet derzeit eine Konsolidierung statt", so der Professor: "Aus über 100 zersplitterten Automobilherstellern sollen größere Player werden. Das hat sich die chinesische Regierung zum Ziel gesetzt." Selbst Premiumhersteller wie Audi nehmen die Konkurrenz ernst: "Da haben wir ein Auge drauf", sagt ein Ingenieur aus Ingolstadt. Die FTD stellt die wichtigsten Akteure vor.
Das chinesische Automodell Byd S8   Das chinesische Automodell Byd S8
Bis 2025 will der Autobauer aus Shenzhen der größte Hersteller der Welt sein. Ein ehrgeiziges Ziel, aber die Wachstumsraten sind beeindruckend: Im ersten Halbjahr verkaufte BYD 176.795 Autos, 176 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Bekannt ist BYD im Westen vor allem durch die Ambitionen im Elektrosektor. 1995 gegründet, ist BYD eigentlich ein Batteriehersteller, kaufte 2003 aber eine Autofirma. Inzwischen ist das Unternehmen börsennotiert und kooperiert bei der Batterietechnik mit VW . Seit 2008 hält der US-Investor Warren Buffett  zehn Prozent.
Das chinesische Automodell Geely Ge   Das chinesische Automodell Geely Ge
Das Privatunternehmen bezeichnet sich selbst als "am schnellsten gewachsener Autohersteller Chinas" der vergangenen zehn Jahre. Zwar wurde Geelys Tempo 2009 von BYD übertroffen. Doch Geely steht nun vor einem Coup: die Übernahme von Volvo. Geely-Gründer Li Shufu will 2015 rund 1,3 Millionen Autos bauen und zwei Drittel des Umsatzes im Ausland machen. Weitere Werke in Südafrika und Mexiko sind geplant. In den ersten drei Quartalen verkaufte der Hersteller 217.334 Autos, 42 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Im September kündigte Goldman Sachs  an, 17,6 Prozent an Geely zu erwerben.
Das chinesische Automodell SAIC Roewe   Das chinesische Automodell SAIC Roewe
Der Staatskonzern ist der größte Autobauer des Landes. Er produziert Autos in Joint Ventures mit VW  und GM, eigene Marken und Weiterentwicklungen der aus der MG-Rover-Konkursmasse hervorgegangenen Marke Roewe. In den ersten drei Quartalen verkaufte SAIC 1,94 Millionen Autos und verdiente damit 391 Mio. Euro.
BAIC-Modelle in Peking   BAIC-Modelle in Peking
1983 startete der Staatskonzern Chinas erstes Auto-Joint-Venture: die Beijing Jeep Corporation mit den später von Chrysler geschluckten American Motors. Heute betreibt BAIC Joint Ventures mit Hyundai  und Daimler . In den ersten drei Quartalen stieg die Produktion der beiden Joint Ventures um mehr als 50 Prozent auf 847.000, getragen vor allem vom starken Absatz der Marke Hyundai. Beim Aufbau eigener Marken hinkt der Konzern hinterher. Vor ein paar Monaten stieg BAIC verspätet in das Bietergefecht um Opel ein. Jetzt greift der Konzern nach Saab, gemeinsam mit Koenigsegg.
Der Chery QQme   Der Chery QQme
Cherys Markenzeichen in China ist der QQ, ein quietschbunter Kleinwagen, den vor allem junge Leute kaufen. Der Absatz läuft gut, doch im Ausland brachte er Chery Ärger ein. Zu ähnlich ist er dem Daewoo Matiz. Mit dem südkoreanischen Konzern verhandelte Chery einst über eine Partnerschaft. Dann wurde Daewoo  von GM übernommen, aber Chery produzierte trotzdem munter Modelle auf Basis des Daewoo-Designs. GM klagte, aber das Verfahren wurde auf Druck der Pekinger Regierung eingestellt. Chery ist einer jener lokalen Hersteller, die ihren Weg bisher allein beschreiten, ohne Joint-Venture-Partner. Heute ist Chery die Nummer sieben im Land, dicht gefolgt von BYD. Chery begann als einer der Ersten, Autos zu exportieren - vorwiegend in Einzelteilen.
Das chinesische Automodell Brilliance FSV   Das chinesische Automodell Brilliance FSV
Der Hersteller hat eine harte Phase hinter sich. Der Absatz der eigenen Marke Zhonghua schwächelte zuletzt und drückte Brilliance im ersten Halbjahr in die Verlustzone. Die frühen Versuche des Autobauers, auch auf dem westlichen Markt Fuß zu fassen, waren bislang weitgehend erfolglos, auch wegen des gescheiterten ADAC-Crashtests. Das Joint Venture mit BMW , das die 3er- und 5er-Serie produziert, läuft hingegen - trotz Krise - besser: Die Verkäufe legten in den ersten drei Quartalen um 28,3 Prozent auf 32.762 Wagen zu. Chinesischen Medien zufolge wollen die beiden Partner ihre Kapazitäten jetzt ausbauen.
  • Aus der FTD vom 09.11.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland
FTD-Versicherungsmonitor

Die FTD baut ihre Versicherungsberichterstattung aus. Von Montag bis Freitag erscheint täglich der FTD-Versicherungsmonitor. Er hat alle wichtigen Namen und Nachrichten auf dem Radar und bündelt aus verschiedenen Quellen die wichtigsten Informationen. So erhalten Sie einen exzellenten Überblick über die Assekuranz, analytisch kommentiert von FTD-Versicherungskorrespondent Herbert Fromme.

Kostenlos abonnieren
Sie erhalten den FTD-Versicherungsmonitor per Mail um die Mittagszeit. Kostenlos abonnieren können Sie den Newsletter hier

  • Versicherungskolumne: Ein Missverständnis

    Die Manager der Assekuranz freuen sich über die neuen Mehrheitsverhältnisse im Bundestag. Aber sie werden sich über die schwarz-gelbe Regierung noch ziemlich wundern. mehr

  •  
  • blättern
  20.11. Wirtschaft Allianz von VW und Porsche besiegelt
Wirtschaft: Allianz von VW und Porsche besiegelt (00:00:45)

Der Aufsichtsrat von Volkswagen hat am Freitag den Verträgen für den geplanten Zusammenschluss mit Porsche zugestimmt. mehr

FTD-Blogs
Weitere FTD-Blogs
 



markets
  Dax 5663,15  [-39.03 -0,68%
  Dow Jones 10318,16  [-14.28 -0,14%
  Nasdaq 2146,04  [-10.78 -0,50%
  Euro Stoxx 50 2833,06  [-27.23 -0,95%

Aktien Fonds Zertifikate Tops + Flops Portfolio Watchlist

Meine FTD.de
Wie finden Sie die Entscheidung zu den EU-Topjobs?

 

Wie finden Sie die Entscheidung zu den EU-Topjobs?

Zum Ergebnis Alle Umfragen

Businesstalk

Diese Begriffe sollte man als angehender CEO besser kennen. mehr

Businesstalk
FTD-Serie

Hier finden Sie alle Texte, Videos und Bilder zur Serie "Die Spleens der Alphatiere" mehr

Businesstalk
Sudoku

Lösen Sie das Zahlenkniffel mehr

leicht mittel schwer

Sudoku - Lösen Sie das Zahlenkniffel
Sonderbeilagen

Trends und Themen gebündelt mehr

Manufacturing Excellence
Manufacturing Excellence
  •  
  • blättern
Who's who?

Die umfassende FTD-Personendatenbank mehr Testen Sie ihr Wissen!

Who is who?: Martin Winterkorn
Welches Amt übt Martin Winterkorn aus?
FTD-Mobil

Aktuelle Nachrichten und Börsenkurse rund um die Uhr. mehr FTD-Mobil

Newsletter

Egal ob Eilmeldung oder Wochenrückblick - bei uns erhalten Sie die Nachrichten, die Sie wünschen, per Mail.

Newsletter abonnieren!
FTD-Wirtschaftswunder

Alles über Konjunktur und Economics mehr

FTD-Chefökonom Thomas Fricke
FTD-Abo-Shop

Jetzt online attraktive Preisvorteile und Prämien sichern.Eine zusammengerollte Ausgabe der FTD
Einfach hier klicken!

 
Home | Unternehmen | Finanzen | Börse | Politik | Management+Karriere | IT+Medien | Wissen | Sport | Auto | Lifestyle | zum Seitenanfang

© 1999 - 2009 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

Weitere Online-Angebote des Verlagshauses G+J AG + Co KG:
Börse-Online Capital GraumarktInfo.de Immobilien-Kompass Impulse Impulse Gründerzeit meinABO.de stern.de
G+J Glossar
Partner-Angebote