Auch für einen großen Autohändler ist es nicht selbstverständlich, im Bundeskanzleramt vorgelassen zu werden. Entsprechend gewürdigt fühlt sich Kurt Kröger, Inhaber der Dello-Gruppe aus Hamburg. Er und seine beiden Kollegen Peter Dahlmann und Jürgen Behren-Gerresheim hatten gerade einen Termin bei Jens Weidmann, Angela Merkels Abteilungsleiter für Wirtschaft.
Jetzt sitzen sie in einem Besprechungsraum im Bundestag und sind zufrieden. "Wir nehmen aus der ersten Adresse Deutschlands die Zuversicht mit, dass Opel im Fokus der Kanzlerin steht", sagt Kröger.
Merkel hat sich zwar nicht selbst Zeit genommen für die Händler, aber dass sie ihren Chefökonomen Weidmann geschickt hat, ist auch schon ein Erfolg für die drei. Schließlich sind sie keine Opel-Vorstände, sondern Opel-Händler.
Das könnte sich aber ändern. Sollte nämlich der Mutterkonzern
General Motors in die Insolvenz rutschen oder ganz abgewickelt werden, wollen die deutschen Verkäufer ihre Marke retten. Eine neue Gesellschaft wollen sie gründen, auch die Mitarbeiter in den Opel-Werken sollen sich beteiligen. Auf staatliche Bürgschaften können sie aber nicht verzichten - auch deshalb der Besuch im Kanzleramt.
Kröger und seinen Kollegen ist aber klar, dass dieser Rettungsplan nicht auf Deutschland beschränkt werden kann: "Den Produktionsverbund in ganz Europa kann man nicht auseinanderreißen." GM habe ja nicht nur die Opel-Werke, sondern auch noch Saab.
Einen wichtigen Punkt lässt der ältere Herr mit dem Einstecktuch völlig offen: Wie wollen die Händler und Opel-Arbeiter den Kaufpreis von wahrscheinlich mehreren Milliarden Euro aufbringen? "Ich bin kein Fachmann für Unternehmensbewertung", sagt Kröger. Er will auch nicht sagen, was Merkels Abteilungsleiter von dem Plan hält.
In ihrer Not ziehen sich die drei Händler am guten Start des Mittelklassewagens Insignia hoch. Sonderschichten werden dafür gefahren. Das allerdings ist beim Start eines neuen Modells völlig normal.