Ein von Opel für Ende Juni angekündigter Sanierungsplan wird bei wichtigen Zukunftsthemen noch Lücken aufweisen. So sollen bestimmte Fragen der Zusammenarbeit mit dem Allianzpartner PSA Peugeot Citroën sowie mögliche Fabrikschließungen nicht Gegenstand des Konzepts sein, verlautete am Montag aus Konzernkreisen.
Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke will dem Aufsichtsrat des Unternehmens am 28. Juni zwar einen detaillierten Geschäftsplan vorlegen. Er soll unter anderem Investitionen in Modelle, eine neue Markenstrategie und eine Motorenoffensive vorsehen. Auch Angaben über die künftige Fertigung sind geplant.
Über das langfristige Schicksal einzelner Opel-Werke soll allerdings noch nicht entschieden werden. Angaben über Werksschließungen wären viel zu heikel. Stracke muss sich ohnehin an die Standortgarantien halten, die keine Fabrikschließungen bis 2014 zulassen. Daran werde das Management des Autobauers auch nicht rütteln, hieß es.
Ein kompletter Sanierungsplan müsste außerdem die Allianz mit Peugeot berücksichtigen. Fixiert ist noch nichts. Einige Details sind jedoch durchgesickert. Danach ist geplant, die Entwicklung des Familienvans Zafira nach Frankreich zu verlegen, ebenso wie die Entwicklung der Transporter. Das Modell Combo entsteht bereits heute in Kooperation mit Fiat. Der Zafira ist in seiner aktuellen Version zu teuer geraten. Gegenüber Modellen wie dem Citroën C 4 Picasso hat er deshalb an Konkurrenzfähigkeit verloren. PSA ist ein Spezialist auf dem Gebiet. Das Unternehmen gehört in Europa zu den Marktführern bei variablen Familienautos.
Den größten Absatz erreicht Opel mit den Modellen Astra und Corsa. Wer für diese Fahrzeuge die Federführung erhält, scheint derzeit noch nicht klar zu sein und könnte sich zu einem Konfliktfeld entwickeln. Stracke kündigte an, die Zusammenarbeit mit PSA im vierten Quartal zu regeln. Ein Opel-Sprecher bestätigte ebenfalls, bestimmte Teile der Kooperation mit Peugeot würden erst nach dem Sommeranfang angegangen. Dazu zählten Themen wie Logistik, Einkauf, Entwicklung und die daraus resultierenden Konsequenzen für die Produktion.
Ein weiteres Kooperationsfeld für die Allianz könnte Konzernkreisen zufolge die Motorenentwicklung sein. PSA verkauft bereits jetzt Dieselmotoren an Wettbewerber. Opel besitzt auf diesem Gebiet Nachholbedarf und könnte wiederum Benziner für PSA liefern. Bislang hat Opel nur die Hoheit über die Plattform des Spitzenmodells Insignia beansprucht, die bei PSA zum Citroën C 5 passen würde.
Stracke stellte am Montag während einer Betriebsversammlung erste Punkte des Ende Juni erwarteten Geschäftsplans vor. Er äußerte sich jedoch weder zu Werksschließungen noch zu einem möglichen Stellenabbau. Dennoch versuchte er, große Hoffnungen bezüglich des Plans zu wecken. "Er ist keineswegs ein Sparplan, sondern eine umfassende Strategie, mit der wir schnell wieder in die Gewinnzone fahren werden, ganz egal, ob mit oder ohne Rückenwind des Marktes", so Stracke. Bis 2016 werde Opel damit Margen, Marktanteile und Umsatz deutlich steigern.
Er präsentierte ein zehn Punkte umfassendes Konzept, wonach die Materialkosten gesenkt werden sollen und die bislang weitgehend auf Europa beschränkte GM -Tochter neue Exportmärkte erschließen soll. Zudem werde aktuell geprüft, ob Modelle der Konzernschwester Chevrolet in Europa gebaut werden könnten.
Mehrere Punkte des Plans waren bereits bekannt. Neu ist hingegen, dass alle Werke des Autobauers künftig im Dreischichtbetrieb fahren sollen, um die Kosten zu verringern. Den Anfang sollen dabei die beiden künftigen Astra-Werke machen. Bislang wird das Modell in drei Fabriken mit jeweils zwei Schichten gefertigt. Welches Werk den Astra verlieren soll, sagte Stracke nicht. Unternehmenskreise gehen davon aus, dass sich Rüsselsheim künftig auf andere Modelle konzentrieren wird.
Damit würde sich die Astra-Produktion auf das Werk im britischen Ellesmere Port sowie das im polnischen Gliwice erstrecken. "Angesichts der erwarteten Nachfrage sind wirtschaftlich nur zwei Astra-Werke sinnvoll", kündigte Stracke an. Opel verhandelt derzeit mit den Arbeitnehmern in den europäischen Werken über mögliche Einsparungen.
Opels Absatzmarkt erstreckt sich vor allem auf Europa - eine Region, die besonders im Süden seit Monaten stark von der Staatsschuldenkrise betroffen ist, was auf den Autoabsatz drückt. Auf den Wachstumsmärkten in Asien ist die Marke hingegen bislang kaum vertreten. Dafür sind jedoch hohe Anlaufinvestitionen erforderlich, die der US-Mutterkonzern General Motors nicht ohne Weiteres leisten will. Opel macht seit Jahren Verluste und hängt damit am Tropf von GM. Der Druck zu sparen ist deshalb enorm.