Mehr zu: Bieterkampf, General Motors, Magna, Opel, RHJI
"Deutschland hat Interesse an Magna bekundet, aber es gibt möglicherweise andere Finanzierungsquellen", sagte eine mit den Überlegungen vertraute Person. Der neue Plan sieht vor, dass GM für Opel und die britische Schwestermarke Vauxhall rund 3 Mrd. Euro von den Regierungen der USA, Großbritanniens, Spaniens und anderer europäischer Staaten erhält.
Damit zeichnet sich eine Kehrtwende im Ringen um die Rettung von Opel ab. Monatelang erschien nur eine durch die Bundesregierung getragene Lösung als machbar. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte dabei früh auf Magna gesetzt. Bei Opel und Vauxhall arbeiten 55.000 Beschäftigte in fünf europäischen Ländern, die meisten davon aber in Deutschland.
Eine Entscheidung ist den Informationen zufolge noch nicht gefallen. Das GM-Board habe aber Interesse daran bekundet, eine "extreme Lösung" für die politisch aufgeladene deutsche Rettungsaktion zu prüfen. GM-Unterhändler John Smith wird diese Woche voraussichtlich Gespräche mit Regierungsvertretern in Berlin führen.
Koalitionspolitiker gingen am Montag auf Konfrontationskurs zu GM, um ihr Konzept zu retten. Angesichts des stockenden Verkaufs von Opel äußerte Unionsfraktionschef Volker Kauder Zweifel an den Fähigkeiten des GM-Managements. "Wer derartig zaudert, dem traue ich auch nicht zu, dass er richtig gute Autos auf den Markt bringt", sagte der enge Vertraute Merkels. Das Zögern von GM zeige, dass die amerikanische Autoindustrie nicht unverschuldet in die Krise geraten sei. "Die Bundesregierung und die Bundesländer haben sich für Magna als Investor starkgemacht, weil sie glauben, dass dann für Opel die Zukunftsaussichten besser sind als mit jedem anderen Investor."
Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) warnte vor zu viel Rücksicht auf das transatlantische Verhältnis in dem Konflikt. Man sollte die Argumentation nicht überstrapazieren, sagte er der FTD. "Das transatlantische Verhältnis lässt durchaus substanzielle Diskussionen und die Äußerung von Erwartungen zu." Der Minister reagierte damit auf Aussagen von Fred Irwin, dem Präsidenten der US-Handelskammer in Deutschland. Dieser hatte zuvor vor einem Streit beider Länder gewarnt.
Die US-Regierung machte am Montag deutlich, dass sie zwar für Gespräche mit der deutschen Regierung zur Verfügung steht, sich aber nicht in die Entscheidung einmischen will. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hatte am Wochenende bei seiner US-Kollegin Hillary Clinton für die deutsche Position geworben.
Die Opel-Belegschaft in Deutschland drohte unterdessen mit Protesten. Wenn General Motors bis Ende der Woche keine Entscheidung treffe, werde die Belegschaft aktiv, sagte Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz . "Dann wird es sicherlich auch spektakuläre Maßnahmen von uns geben." Gewerkschaftskreisen zufolge wird am Dienstag über die Schritte entschieden. "Wir müssen den Druck auf Detroit erhöhen", hieß es. Denkbar sei eine Demonstration vor der US-Botschaft oder vor einem anderen in den USA bekannten Monument der Hauptstadt.