FTD.de » Unternehmen » Industrie » Autoindustrie » Jetzt muss die Opel-Retterin Merkel ran
Merken   Drucken   23.08.2009, 10:42 Schriftgröße: AAA

Kommentar: Jetzt muss die Opel-Retterin Merkel ran

Das Sommertheater um den Autobauer zeigt die Tragödie der deutschen Politik im Wahlkampf. Keiner traut sich. Merkel klopft Sprüche statt auf den Tisch, Steinmeier gibt wie immer den Braven, Guttenberg vermeidet sein Lieblingswort "Planinsolvenz". Und General Motors führt sie alle vor.
von Thomas Schmoll

Die Bundesregierung bekommt dieser Tage die Grenzen ihrer Macht aufgezeigt. Sie darf Steuergelder in Milliardenhöhe locker machen, um den angeschlagenen Autobauer Opel am Leben zu halten. Dafür erwartet sie von General Motors , dem bisherigen Alleineigentümer von Opel, völlig zurecht ein gehöriges Mitspracherecht bei der Entscheidung, wer das europäische Unternehmen mit Sitz in Rüsselsheim kaufen darf: der österreichisch-kanadische Zulieferer Magna  oder der Finanzinvestor RHJ  aus Belgien, immerhin ein Land mit einem Opel-Standort, nämlich Antwerpen.

Die Deutschen wollen Magna. Doch - Staatshilfe hin, Staatshilfe her - die Amerikaner ignorieren den Wunsch von Angela Merkel (CDU), Frank-Walter Steinmeier  (SPD) und wie sie alle heißen. Der GM-Verwaltungsrat verzichtete in seiner jüngsten Sitzung auf eine Festlegung. Alle, die mit einem Votum für Magna gerechnet oder darauf gehofft hatten, wurden enttäuscht.

Die wütenden Reaktionen ließen nicht auf sich warten. Der hessische Ministerpräsident Roland Koch  (CDU) ist "ausgesprochen verärgert", sein Amtskollege in Rheinland-Pfalz, Kurt Beck  (SPD), findet das Verhalten des verstaatlichten amerikanischen Autokonzerns "völlig inakzeptabel" und der nordrhein-westflische Regierungschef Jürgen Rüttgers  (CDU) beschuldigt das GM-Führungspersonal, führungsschwach zu sein.

Die Bundeskanzlerin im Rüsselsheimer Opel-Werk. "Merkel muss ...   Die Bundeskanzlerin im Rüsselsheimer Opel-Werk. "Merkel muss ein Machtwort sprechen"

Die Kritik ist verständlich und mag berechtigt sein, zumal das GM-Management Schuld daran ist, dass der Gesamtkonzern und damit Opel gegen die Wand gefahren sind. Völlig unverständlich aber ist, dass all die deutschen Politiker mit dem Finger allein auf den Bösewicht namens General Motors zeigen. Kein einziger nimmt Merkel in die Pflicht, ein Machtwort zu sprechen - und zwar so laut, dass es Barack Obama  hört.

Dabei hat die Kanzlerin kürzlich via RTL verkündet, bei Bedarf ihr ganzes politisches Gewicht für Magna einzusetzen, was prompt dahingehend interpretiert wurde, Merkel habe die Angelegenheit zur "Chefsache" erklärt: "Ich werde mich natürlich, wenn es nötig ist, auch einschalten." Nun darf gefragt werden: Was muss noch passieren, dass der Kanzlerin ihr Einsatz als nötig erscheint? Sie muss jetzt handeln, wenn sie denn Magna wirklich durchsetzen will, also schleunigst den US-Präsidenten anrufen und fragen, was Sache sei. Denn schließlich befindet sich GM in der Hand des Staates, den Obama regiert.

Teil 2: Diesen Termin darf GM nicht ignorieren

  • FTD.de, 23.08.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
Immobilien-Kompass
Immobilien-Kompass Deutschlands beste Wohnlagen

Preise, Mieten und Prognosen für Deutschlands Metropolen und Regionen mit detaillierten Übersichtskarten

Jetzt eigene Wohnlage prüfen

 
Anstatt FTD.de lese ich künftig ... Zum Ergebnis
Alle Umfragen
In eigener Sache
  • An Kiosks in der ganzen Republik hieß es am letzten Erscheinungstag der FTD: Zeitung vergriffen! Der Hype um die Schlussausgabe trieb merkwürdige Blüten. Der Verlag druckte 30.000 Exemplare nach. Wer keines abbekam - bestellen ist möglich. mehr

  •  
  • blättern
Zwischen Leben und Arbeiten
Work-Life-Balance

Die FTD hat zusammen mit dem GfK Verein die umfassendste bundesweite Studie zum Thema Work-Life-Balance veröffentlicht. Die Ergebnisse und mehr zum Thema finden Sie hier. Die Studie können Sie hier kaufen. mehr

Folgen Sie der FTD auf Twitter
Werden Sie Fan der FTD auf Facebook
  • Sie waren ein Herzstück der Zeitung und pointiert, scharf, teils brillant: Ihre Kolumnen, Leitartikel und Kommentare haben die FTD entscheidend geprägt. Zum letzten Mal: Unsere Kolumnisten sagen, was Sache ist. mehr

  •  
  • blättern
© 1999 - 2013 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Impressum | Datenschutz | Nutzungsbasierte Online Werbung | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

Geldanlage | Altersvorsorge | Versicherung | Steuern | Arbeitsmarkt | Energiewende | Ökostrom | Auto | Quiz | IQ-Test | Allgemeinwissen | Solitär | Markensammler