Es liegt wohl an seiner Art, dass Akio Toyoda oft unterschätzt wird. Als der Toyota-Chef jüngst das Jahresabschlussfest des japanischen Automobilherstellerverbandes JAMA besuchte, gab er sich extrem bescheiden. Dabei hätte er das nicht nötig gehabt. Zumal er den Autokonzern aus einer seit 2008 dauernden Krise geführt hat.
Toyota greift nun auch wieder nach der Krone des weltgrößten Autobauers. Im Vorjahr noch von General Motors und Volkswagen überrundet, hätten die Japaner jetzt "einen guten Vorsprung", sagte ein Analyst von Intelligence Automotive Asia. "Das wird schwer für die beiden anderen, das in der zweiten Jahreshälfte zu toppen."
Auf solche Erfolge hat der 56-jährige Toyoda lange warten müssen. Als der Enkel des Firmengründers an die Spitze rückte, waren die Erwartungen gering. Noch dazu musste er sich kurz nach seinem Amtsantritt im Juni 2009 vor dem US-Parlament für die Autorückrufe in den USA wegen angeblich fehlerhafter Bremsen verantworten. Damals machte er eine schlechte Figur. Er sprach leise, wirkte blass und unsicher.
Dabei hätte Toyoda, der einen Abschluss des Babson College im US-Staat Massachusetts hat, um seine Wirkung wissen müssen. Dass er jedoch ambitionierte Pläne hegt und Durchsetzungsvermögen besitzt, ließ der Manager bereits vor zwei Jahren bei einem Termin in der Europazentrale erkennen. Damals waren die Wunden von der Rückrufaktion in den USA noch frisch. Doch Toyoda hatte dazugelernt, sah nicht mehr nach unten, sondern den Leuten in die Augen. Als jemand fragte, ob Toyota wegen der Erfolge der vergangenen Jahre nicht etwas arrogant geworden sei, sagte er: "Es tut mir leid, dass es Menschen gibt, die das denken."
Jetzt stimmen auch die Zahlen wieder. Im Geschäftsquartal von April bis Juni steigerte Toyota die Umsätze um 60 Prozent. Mit einem Nettoprofit von 290 Mrd. Yen (knapp 3 Mrd. Euro) übertraf Toyota die Schätzungen von Analysten um mehr als zehn Prozent. Im Vorjahresquartal war der Gewinn wegen des Erdbebens und der Reaktorkatastrophe noch um 99 Prozent abgestürzt. Es läuft rund für Toyoda: Für das Gesamtjahr peilt er einen operativen Gewinn von 1000 Mrd. Yen an.
Der Manager gibt dabei den Antreiber. An seine Mitarbeiter appellierte er: "Ich zähle auf jeden von euch, um Autos zu bauen, die besser sind als je zuvor." Mehr als seine Vorgänger greift Toyoda dabei aktiv in die Autoentwicklung ein.
Noch im Frühjahr glaubten Branchenexperten an Wunschdenken, als Toyoda für 2012 weltweite Verkäufe in Rekordhöhe und eine steigende Autoproduktion in Japan ausrief. Denn alle heimischen Autobauer leiden unter dem starken Yen. Jetzt wurden die damals anvisierten Toyota-Verkaufszahlen von 9,58 Millionen Autos auf die Rekordzahl von 9,76 Millionen korrigiert.
Das Selbstbewusstsein wurzelt vor allem in den hohen Absatzzahlen in den USA und Südostasien. Beflügelt davon will die Toyota-Gruppe, zu der Daihatsu und Hino gehören, in diesem Jahr als erster Hersteller der Welt die Zehn-Millionen-Marke bei der Produktion knacken.
Dazu braucht Toyoda auch Erfolge in der japanischen Heimat. Noch bis Herbst helfen dem Konzern Subventionen der Regierung für Öko-Autos. Obwohl dann sinkende Absatzzahlen erwartet werden, hält der Firmenchef eisern am Produktionsziel von drei Millionen in Japan fest, obwohl der Gesamtmarkt nur vier bis fünf Millionen umfasst. Unbeirrt eröffnete Toyoda kürzlich ein weiteres Werk in der vom Erdbeben betroffenen Region Tohoku.
Um die ehrgeizigen Ziele zu erreichen, setzt der Konzern auch auf Kooperationen. Ende Juni traf Toyoda BMW-Chef Norbert Reithofer in München. Zusammen wollen die beiden Hersteller Sportwagen und Brennstoffzellen bauen. Die gemeinsame Basis ist offenbar da: "In den Gesprächen mit Reithofer ging es nicht ums Essen und nicht um Golf, sondern um Autos", bloggte Toyoda auf Japanisch und schloss mit: "We love cars!"
Dass es jetzt wieder eine große Rückrufaktion für Toyota-Autos gibt, dürfte da erheblich stören.