Kopf des Tages:Joschka Fischer - Grünes Maskottchen
Er war Taxifahrer, Parteichef, Vizekanzler. Als Unternehmensberater soll der frühere Grünen-Politiker Joschka Fischer jetzt ausgerechnet das Ökoimage von BMW pflegen. Die Weggefährten von einst stören sich nicht daran.
von Peter Ehrlich
Was braucht er schon mehr als den eigenen Namen? "Joschka Fischer & Co." - unter dieser Bezeichnung firmiert der ehemalige Grünen-Außenminister demnächst in Berlin. Noch arbeitet Joschka Fischer vom Souterrain seiner Villa in Dahlem aus. Laut "Bild am Sonntag" eröffnet er aber im Herbst zusammen mit seinem langjährigen Mitarbeiter Dietmar Huber eine eigene Unternehmensberatung.
Wenn es die Berufsbezeichnung "Stratege" gäbe, stünde sie bei Fischer schon lange auf der Visitenkarte. Strategien hat er bereits als Außenminister gern entworfen. Mal gingen die Strategien auf, etwa als er die Grünen an die Macht brachte. Mal verliefen sie, wie der eine oder andere Nahostplan, im Wüstensand. Auch bei Fischers neuestem Auftrag steht das Wort im Mittelpunkt. Bei einer Diskussion auf dem BMW-Stand bei der Frankfurter Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) vergangene Woche betonte er die Bedeutung der Autoindustrie als "strategischer Faktor".
Nur einige der Anwesenden wie BMW-Chef Norbert Reithofer wussten da schon, dass Fischer bereits einen schönen Beratervertrag der bayerischen Autobauer in der Tasche hatte. In der Konzernzentrale hatten einige Leute den Eindruck, dass BMW viel grüner ist als der Ruf der Edelkarossen. So wird der 61-Jährige, man ahnt es, für den Autokonzern eine "Nachhaltigkeitsstrategie" entwerfen.
Joschka Fischer
Offiziell soll Fischer "Ideen und Denkanstöße" liefern. Er soll aber auch den Blick darauf lenken, dass BMW schneller als andere den sogenannten Flottenverbrauch gesenkt hat und die Wagen im Durchschnitt nur noch 156 Gramm CO2 pro Kilometer in die Luft blasen. Damit steht BMW auf einer Stufe mit dem Konkurrenten Renault, der freilich deutlich mehr Kleinwagen im Angebot hat. Statt für die Formel 1 engagiert sich BMW inzwischen für Elektroautos, die natürlich mit Ökostrom geladen werden.
Fischers Strategiepapier soll auch nach innen Wirkung entfalten. Mangelhafte Kenntnis der eigenen Ökobilanz offenbarte sich etwa, als Greenpeace die verbesserten Abgaswerte bestätigte, doch die Verkäufer diese Steilvorlage ignorierten.
BMW ist nicht Fischers einziger Kunde aus der Wirtschaft, aber der erste, dem es auch um die Verbindung Fischer und "grün" geht. Andere wie der Stromkonzern RWE nutzen eher die außenpolitischen Verbindungen des Ex-Ministers. Für den Essener Versorger hilft er dem Pipelineprojekt Nabucco.
Fischers Abschied aus der Politik war endgültig. Anders als sein früherer Chef Gerhard Schröder, der inzwischen ebenfalls von lukrativen Beratungen lebt, verzichtet er auf politische Auftritte im Wahlkampf. Manchen alten Freunden bereitet zwar das Engagement für Nabucco und damit auch US-Interessen Probleme, nicht aber der Job für BMW. Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin lobte gar auf der IAA den Konzern, der wiederum gern darauf hinweist, dass die Parteigeschäftsstelle zwei kleine BMW nutzt.
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