Kopf des Tages:Toyotas Inaba - Buße tun und Kontra geben
Vor einem Jahr holte Toyota Yoshimi Inaba aus dem Ruhestand. Der Veteran sollte das US-Geschäft sanieren. Nun hat Inaba ganz andere Probleme: Er muss sich vor dem Kongress für die Sicherheitspannen rechtfertigen. von Felix Wadewitz
Auf der Detroit Motor Show im Januar konnte Yoshimi Inaba noch lachen. Auf einer Gala nahm der Nordamerikachef von Toyota gleich vier Preise für Kundentreue entgegen, besser schnitt kein anderer Autobauer ab. Die Rückrufaktionen des Vorjahrs schienen zu diesem Zeitpunkt nur eine ärgerliche Episode zu sein: "Wir haben unsere Lektion gelernt", sagte Inaba und präsentierte dann fröhlich die Hybrid-Pläne.
Yoshimi Inaba muss zur Buße antreten
Der Spaß ist vorbei. Aus der ärgerlichen Episode ist ein nicht enden wollender Albtraum geworden. Fast täglich kommen neue Sicherheitsmängel in den Toyota-Modellen ans Licht, muss der Konzern seine Rückrufaktion ausweiten.
Am Mittwoch muss Inaba zur Buße antreten. Der US-Kongress hat den Manager vorgeladen. Was offiziell eine Art Untersuchungsausschuss sein soll, ist für viele eine Profilierungsplattform für Politiker. Im Herbst sind Parlamentswahlen, und das Fernsehen überträgt die Anhörung live - kaum ein Abgeordneter wird sich einen wählerwirksamen Rundumschlag verkneifen können.
Erinnerungen an den November 2008 werden wach: Damals wurden die Bosse der drei großen US-Hersteller aus Detroit von den Politikern heruntergeputzt, weil sie in protzigen Firmenjets nach Washington geflogen waren, um die Steuerzahler um Milliarden zu bitten. Heute aber gehören dem Staat große Teile an General Motors und Chrysler. Die Politiker verhören damit einen Konkurrenten von Konzernen, deren Geschicke sie selbst mitbestimmen. Das ist in etwa so, als würde Niedersachsens Ministerpräsident einen VW-Konkurrenten öffentlich auseinandernehmen, um die Absatzzahlen von Volkswagen zu steigern.
Inaba kennt die Amerikaner und ihre Sitten seit Langem, wird oft als "menschliche Brücke zwischen den Kulturen" gepriesen. Der 63 Jahre alte Toyota-Veteran mit einer Vorliebe für Coca-Cola light und amerikanische Musik ging schon als Student in die USA. "Ich habe mehr gefeiert als studiert", erinnerte sich Inaba in einem Interview. Zwischenzeitlich arbeitete Inaba auch in Deutschland, vornehmlich aber in den USA. "Er war der erste japanische Boss, der mich je umarmt hat", sagt ein Toyota-Händler.
Zuletzt war Inaba eigentlich schon halb im Ruhestand. Doch als die Verkaufszahlen in den USA schwächelten, schickte die Toyota-Spitze Inaba vergangenes Jahr wieder nach Amerika. Er sollte die Sparte profitabel machen - jetzt hat er aber mit ganz anderen Problemen zu kämpfen.
Inaba wird sich in der Anhörung für die Fehler von Toyota entschuldigen, glauben Beobachter, und allzu populistische Vorwürfe in fließendem Englisch ganz cool kontern. Und er wird die wahlkämpfenden Politiker sanft darauf hinweisen, dass Toyota 172.000 Menschen in den USA Arbeit gibt. Die Japaner sind in vielen Wahlkreisen ein wichtiger Arbeitgeber, selbst in Michigan ganz in der Nähe der US-Konkurrenten.
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