Man könnte glauben, der Leibhaftige selbst hätte an Rüsselsheims Pforten geklopft. Bei den Opelanern löste die plötzliche Zuneigungsbekundung von General Motors für die deutsche Tochter blankes Entsetzen und Fäusteschütteln aus. Und auch Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg will Hilfe mit deutschem Steuergeld verweigern, sollte Opel am Ende des absurden Hickhacks doch bei den Amerikanern bleiben.
Zugegeben, die Bundesregierung fühlt sich von GM zu Recht düpiert, wenn sie erst monatelang mit verschiedenen Bietern über die Opel-Rettung verhandelt und daraus Wahlkampfmunition zu schlagen versucht - um dann kurz vor der Wahl als handlungsunfähig bloßgestellt zu werden.
Trotzdem wäre es angemessen, die neueste Wende im Opel-Drama etwas nüchterner zu betrachten. Dabei ist es hilfreich, sich noch einmal in Erinnerung zu rufen, warum die Politik sich ursprünglich überhaupt für den Autobauer starkgemacht hat.
So groß jetzt die Aufregung darüber ist, dass General Motors Opel womöglich behalten will, so groß war sie, als der Mutterkonzern an der Tochter festzuhalten und sie mit in die Insolvenz zu reißen drohte. Bedenken, der Staat dürfe nicht mit Steuerzahlergeld ein einzelnes Unternehmen retten, wurden mit Verweis auf einen Sonderfall abgeschmettert: Opel sei durch die Abhängigkeit von GM vollkommen unverschuldet in Lebensgefahr geraten und müsse aus den Fängen der bankrotten Mutter befreit werden.
Vor diesem Hintergrund müsste die deutsche Regierung eigentlich erleichtert sein, dass der amerikanische Staat GM nun saniert hat, also alles so bleiben könnte, wie es war - und am Ende auch der bereits gewährte Staatskredit von 1,5 Mrd. Euro zurückfließt.
Den Regierungsparteien geht es hier aber nicht in erster Linie darum, möglichst sparsam mit Steuergeldern umzugehen, auch wenn sie das sollten. Für sie ist entscheidend, als Retter möglichst vieler Opel-Werke und -Arbeitsplätze zu erscheinen. Aber selbst unter diesem Gesichtspunkt schadet das Interesse von GM nicht unbedingt.
Auch die Konzepte der Bieter
Magna und
RHJI weisen Mängel auf - insbesondere die Tatsache, dass eine operative Allianz mit ihnen unmöglich ist. GM ist für Opel dagegen ein Partner, der den Rüsselsheimern Zugang zu ausländischen Märkten bietet. Wenn zudem andere europäische Regierungen mit Opel-Standorten Geld in den Autobauer stecken, verbessert sich dessen Finanzlage weiter.
Sicher ist es denkbar, dass GM bei Opel mehr Jobs streichen und mehr Werke schließen würde, als es Magna jetzt verspricht. Aber auch die Politik sollte nicht nur kurzfristig auf Arbeitsplätze schielen, sondern vor allem darauf achten, welcher Partner Opel auf längere Sicht eine tragfähige Lösung bieten kann. Hier ist GM mit Sicherheit kein schlechterer Partner als Magna. Die deutsche Politik sollte die Amerikaner daher mindestens als gleichwertigen Interessenten akzeptieren.