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  FTD-Serie: Maschinenbau - Erfinderisch durch die Krise

Ob Hybridantriebe für Schwertransporter, saubere Schiffsmotoren oder Maschinen, die mit thermischer Solarkraft arbeiten: Der deutsche Maschinenbau gilt weltweit als besonders innovativ. Die FTD-Reihe zeigt, mit welchen Innovationen die Branche neues Wachstum schaffen will und sich auf die Zukunft einstellt.

Merken   Drucken   30.10.2008, 06:00 Schriftgröße: AAA

LKW-Spoiler: Weniger Widerstand dank Windkanal

Eine verbesserte Aerodynamik bei Lastwagen führt zu geringerem Spritverbrauch und Schadstoffausstoß. Tüftler entwickeln daher an jeder Ecke eines LKW, um den hohen Spritpreisen zu entkommen. von Florian Riesterer
Spoiler kennt man aus dem Rennsport, doch auch für Lastwagen sind sie interessant. Hier verhelfen sie jedoch nicht zu einer besseren Kurvenlage, sondern sollen den Luftwiderstand verringern. Denn im Bereich Aerodynamik sind große Einsparungen im Kraftstoffverbrauch möglich. Bei steigenden Ölpreisen ist dies für Spediteure von enormer Bedeutung, wollen sie konkurrenzfähig bleiben. Deshalb tüfteln Entwickler an allen Ecken, um Lastwagen sparsamer im Verbrauch zu machen.
"Ein 40-Tonnen-Lastzug muss bei einer Geschwindigkeit von 80 Kilometern pro Stunde die Hälfte seiner Motorleistung für die Überwindung des Luftwiderstands aufbringen", sagt Jürgen Kühlmann, Geschäftsführer von Kuda-Aero-Spoiler. Das Unternehmen beliefert Transportunternehmen mit Spoilern, die die Luft um das Fahrzeug leiten.
"Mit der Montage von Dach- und Seitenspoilern am Fahrerhaus sind bei schweren Lastern Kraftstoffeinsparungen von acht bis zehn Prozent möglich", sagt Kühlmann. "Vorraussetzung für einen geringeren Spritverbrauch ist allerdings, dass der Fahrer den dank Spoiler eingesparten Luftwiderstand nicht mit höherem Tempo ausgleicht."
Der Anhänger bleibt ein Problem
Problematisch bleiben die Luftverwirbelungen am Anhänger. Ist der Abstand zwischen Zugmaschine und Hänger zu groß, bringt ein Dachspoiler am Fahrerhaus kaum Nutzen. Hier könnten Containerspoiler Abhilfe schaffen, die auf dem Anhänger montiert werden. "In Testfahrten haben wir nachgewiesen, dass Windabweiser am Anhänger den Kraftstoffverbrauch deutlich senken", sagt Franziskus Schmitt, Geschäftsführer von Megaform, einem Hersteller von Luftleitsystemen.
"Der Logistikanbieter Hoyer, seit 2006 mit Anhängerspoilern unterwegs, konnte auf diese Weise den Spritverbrauch um sechs bis acht Prozent reduzieren", sagt Schmitt weiter. Neben Luftleitsystemen ist vor allem die Form der Lastwagen entscheidend für einen geringeren Kraftstoffverbrauch. Abgerundete Kanten an Dach, Front und Stoßstangen verringern Luftverwirbelungen und senken damit den Luftwiderstand. Noch spritsparender wäre ein hinten stromlinienförmig zulaufendes Fahrzeug.
"Doch ein schmaleres Heck nimmt zuviel Platz weg und geht auf Kosten der Nutzlast", sagt Hans Fisch, Konstruktionsleiter bei Schwarzmüller, wo Anhänger für Zugmaschinen entstehen. Das belegen auch die Prototypen der diesjährigen IAA Nutzfahrzeuge. "Gerade in diesem Bereich sind aber im Moment die meisten Innovationen zu erwarten", sagt Spoiler-Hersteller Schmitt.
Nicht alle Umbauten in Deutschland zulässig
Leider sind nicht alle aerodynamischen Umbauten erlaubt. Fahrzeughersteller MAN stellte dieses Jahr die Studie eines Bionik-Trucks vor, der 25 Prozent weniger Kraftstoff verbrauchen könnte. "Das wäre eine drastische Reduzierung, die mit konventionellen Mitteln nicht zu erreichen ist", sagt Stephan Kolb, Aerodynamik-Experte bei MAN Nutzfahrzeuge.
Dafür müsste das Führerhaus allerdings um 70 Zentimeter verlängert und der Auflieger um 50 Zentimeter erhöht werden. Pate stand der Buckelwal. Während Transportunternehmer ähnliche Lastwagen aber in Großbritannien schon länger erfolgreich einsetzen können, sind sie in Deutschland aufgrund ihrer Maße nicht zulässig. An den behördlichen Beschränkungen scheiterte im letzten Jahr bereits der Versuch, unter dem Begriff "Gigaliner" 25-Meter-Züge auf die Strasse zu bringen. Deren Kraftstoffeinsparung gegenüber kürzeren Lastern beträgt der Technologieberatung Invensity zufolge bis zu 30 Prozent.
Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Deutschen Automobilindustrie, will das Thema "längere Fahrzeugkombinationen" deshalb auf der Tagesordnung halten. "Alle Erfahrungen in den anderen europäischen Ländern belegen, dass die negativen Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit in keiner Weise eingetreten sind. Daher sind wir davon überzeugt, dass es durchaus sinnvoll ist, einen neuen Anlauf zu nehmen", sagt Wissmann.

Teil 2: Gewicht und der Rollwiderstand sind ebenso wichtig

  • FTD.de, 30.10.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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