Neuer Vorstand "Nutzfahrzeuge":VW-Manager übernehmen Regie bei MAN
VW-Patriarch Piëch treibt die personelle Besetzung der neu zu gründenden LKW-Sparte voran. Hochkarätige Führungskräfte aus Tochterfirmen und der Zentrale bekommen neue Aufgaben in Kooperationsprojekten. von Margret Hucko, Hamburg,
Martin Scheele, Hamburg
und Angela MaierMünchen
Volkswagen zieht für die noch zu gründende Lkw-Sparte hochkarätige Manager zusammen. So verantwortet der VW-Manager Thomas Kaarz seit August beim Lkw-Bauer MAN internationale Großprojekte. Er soll etwa die Arbeitsgruppen von MAN und dem Rivalen Scania für die gemeinsamen Kooperationsprojekte koordinieren und die Strippen beim Gemeinschaftsunternehmen von MAN und Rheinmetall bei gepanzerten Lkw ziehen.
Ulf Berkenhagen
VW schafft im Oktober ein neues Vorstandsressort "Nutzfahrzeuge" unter der Leitung von Ex-Produktionschef Jochem Heizmann, der MAN und Scania enger zusammenführen soll. VW hält die Mehrheit an Scania und ist mit einem Anteil von knapp 30 Prozent Hauptaktionär von MAN. Aufgrund von starken Rivalitäten zwischen den beiden Marken blieben Synergien ungenutzt. Deshalb besetzt VW nun die Schlüsselpositionen mit Vertrauten und übernimmt so zunehmend die Regie im operativen Geschäft - vorerst auch ohne Übernahme von MAN.
Zunächst installierte VW-Patriarch Ferdinand Piëch Mitte 2009 mit Jörg Schwitalla einen separaten Personalvorstand in der MAN-Holding. Auch der Ende 2009 ernannte Controlling-Vorstand der Nutzfahrzeugsparte, Karl Gadesmann, gilt als enger Vertrauter von Piëch, der zudem den MAN-Aufsichtsrat führt. Noch in diesem Jahr soll der Einkaufschef der VW-Premiummarke Audi, Ulf Berkenhagen, 49, einen Posten im Lkw-Geschäft in der Wolfsburger Konzernzentrale erhalten. Weder VW, Audi, MAN noch Scania wollten sich äußern.
Zudem wildert VW für sein Vorhaben bei der Konkurrenz. So ist der Produktionsvorstand des Lkw-Zulieferers Schmitz Cargobull, Oliver Schubert, 43, für einen Topposten in der VW-Nutzfahrzeugsparte im Gespräch. Der Ingenieur war einst bei MAN und Porsche beschäftigt.
Mit Auslaufen seines Vertrags im März 2011 verlässt er Schmitz Cargobull, bestätigte die Firma aus dem münsterländischen Horstmar entsprechende FTD-Informationen. Schubert ist der Dienstjüngste im sechsköpfigen Vorstand. Seine Aufgaben teilen sich dann die Vorstandsmitglieder Jörg Ebert und Josef Buddenkotte.
Europas Marktführer für Lkw-Auflieger hatte zur Verwunderung von Experten ausgerechnet in der größten Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg seinen Vorstand vergrößert. Im Geschäftsjahr 2009/10 machte die Familienfirma hohe Verluste, der Umsatz belief sich auf 660 Mio. Euro - über 50 Prozent weniger als im Vorjahr. Einst plante das Unternehmen kühn sogar einen Umsatz um die 4 Mrd. Euro. Mittlerweile ist Schmitz Cargobull wieder verhalten optimistisch, was die Auftragslage angeht. Auf die betriebsbedingte Kündigung von 411 Beschäftigten wird verzichtet.
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