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  17.07.2009, 10:38    

Neues Autoreich: Wie Porsche und VW zusammenpassen

Höhere Margen, gemeinsame Entwicklung, mehr Marktmacht: Aus dem Sportwagenbauer und Volkswagen soll ein neues Imperium entstehen, das vom Kleinwagen bis zum Lkw alles bietet. Profitieren werden beide Seiten. FTD.de erklärt warum.

von Heimo Fischer (Stuttgart)
Die Eigentümerfamilien von Porsche feilen an einer Integration ihres Sportwagenbauers mit dem Volkswagenkonzern. Derzeit läuft die Einigung darauf hinaus, dass die Familien 49 Prozent an den Wolfsburger Konzern verkaufen. Damit käme VW -Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch  seinem Ziel nahe, Porsche  als zehnte Marke in den Konzern einzugliedern. VW hätte dann alles im Sortiment: vom kleinen Stadtwagen über teure Sportautos bis hin zum Lkw. Der Konzern würde sich weiter wie ein Krake in der Autobranche ausbreiten.
Schon in den vergangenen Jahren hat sich VW ein beachtliches Portfolio zusammengestellt. Dazu gehören neben Audi, Skoda und Seat auch so exotische Namen wie Bugatti oder Lamborghini. "Die Marke Porsche würde einen echten Zuwachs darstellen", sagt Frank Schwope, Analyst bei der NordLB.
Die Strategie der vielen Marken zahlt sich für VW in der Krise aus. Während Konkurrenten wie Toyota , Honda  oder Mazda  derzeit bei jedem verkauften Fahrzeug mehr als ein Zehntel des Kaufpreises drauflegen müssen, ist VW als einer der wenigen Massenhersteller noch im schwarzen Bereich und erwirtschaftete im ersten Quartal eine positive Umsatzrendite.
Mit Porsche würde zwar die Zahl der produzierten Fahrzeuge bei VW kaum steigen. Der Sportwagenbauer stellt gerade einmal 100.000 Autos pro Jahr her. Gemessen an den mehr als sechs Millionen Wagen von VW fällt das kaum ins Gewicht.
Kursinformationen und Charts
  Volkswagen 94 EUR  [-1.6 -1,67%
  Porsche 51 EUR  [-0.94 -1,81%
Auf der Einnahmeseite sähe es dagegen interessanter aus: Bei Porsche liegt der Verkaufspreis wesentlich höher als bei VW. Das erklärt, warum Volkswagen zwar 60-mal so viele Autos verkauft wie Porsche, aber nur zehnmal so viel Umsatz macht. Vor allem aber sind bei Luxuswagen wie Porsche die Margen viel höher als bei den Kleinwagen von VW, sagt Christoph Stürmer, Autoexperte bei Global Insight.
Bislang machen alle Beteiligten klar, dass es bis zu einem integrierten Konzern von VW und Porsche noch ein langer Weg sein dürfte. VW würde zwar gern mit Porsche unter ein gemeinsames Konzerndach schlüpfen. Doch für die Wolfsburger steht fest, dass die Schwaben bis dahin ihre Schulden in den Griff bekommen müssen.
Die Porsche-Holding hält bereits 51 Prozent an VW. Unternehmenschef Wendelin Wiedeking  hat dafür hohe Kredite aufgenommen. Die Nettoverbindlichkeiten betragen 10 Mrd. Euro. Daher versucht er händeringend, dem Emirat Katar einen Einstieg bei Porsche schmackhaft zu machen oder die Familien zu einer Kapitalerhöhung zu bewegen.
Ferdinand Piech und Wendelin Wiedeking   Ferdinand Piech und Wendelin Wiedeking
VW will aber zunächst nur die Sportwagensparte von Porsche unter das Konzerndach holen. Damit blieben die Schulden bei der Porsche-Holding in Stuttgart. Von dem Kaufpreis könnte diese einen Teil ihrer Verbindlichkeiten bedienen.
Eine Zusammenarbeit mit Porsche ist aber in jedem Fall sinnvoll. "Die Unternehmen könnten mehr Wagen auf gemeinsamen Plattformen bauen", sagt Stefan Bratzel vom Center of Automotive in Bergisch Gladbach. Bereits heute sind der Geländewagen VW Touareg und der Porsche Cayenne zum Teil baugleich. Porsche kann jedoch einen höheren Preis verlangen. Im Vertrieb und in der Entwicklung umweltfreundlicher Antriebe würde Porsche von VW profitieren.
Bilderserie Bilderserie: Wiedeking - Am Ende der Fahnenstange
Eine Gefahr könnte lediglich für die Marke Porsche entstehen. Sie würde zwischen dem Audi-Sportwagen R8 und dem noch teureren Lamborghini stehen. "Im Luxusbereich wäre VW dann sehr stark aufgestellt", so Bratzel.
Eine Zusammenarbeit setzt allerdings voraus, dass die Unternehmenskultur stimmt. Porsche und VW stehen sich derzeit eher feindselig gegenüber. "Eine Integration muss allen Beteiligten erlauben, ihr Gesicht zu wahren", sagt Stürmer. Eine Machtübernahme von VW in Stuttgart wäre daher ausgeschlossen. Sicher werde die Porsche-Holding als VW-Mehrheitseigner in Stuttgart bleiben, heißt es in Industriekreisen. Die Sportwagensparte ebenfalls, obwohl sie eines Tages komplett VW gehören könnte.
Alle Geschäftseinheiten müssten selbstständig bleiben und mit Verträgen über mögliche Kooperationen entscheiden. Mitglieder der Eigentümerfamilien Porsche und Piëch würden mehr Sitze in den Aufsichtsräten von VW und deren Tochtergesellschaften erhalten. Als Ankeraktionäre würden die Familien VW vor einer feindlichen Übernahme schützen. Bis nach Wolfsburg durchregieren könnten sie nicht, denn das im VW-Gesetz verbriefte Vetorecht des Landes Niedersachsen würde weiter bestehen. Das hat Ministerpräsident Christian Wulff  (CDU) klargestellt.
04:11:27 Kursinformationen und Charts
Name aktuell % absolut  
Volkswagen 94 EUR   -1,67%  -1.6
Porsche 51 EUR   -1,81%  -0.94
  • Aus der FTD vom 17.07.2009
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