Wenn man sarkastisch sein will, könnte man sagen: Endlich trifft General Motors mal den Geschmack seiner Kunden. Im Zuge des Insolvenzverfahrens hat sich der Konzern im Sommer von seinen Marken Pontiac und Saturn verabschiedet. Und was machen die Autofahrer? Geben den Managern indirekt recht: Zu Tausenden vegetieren die verbliebenen Neuwagen auf den Höfen der Händler vor sich hin. Da hilft nicht einmal die staatliche Abwrackprämie.
Da die 14.500 Restekisten dort aber nicht ewig stehen können, hat sich GM-Chef Ed Whitacre nun ein verlockendes Angebot ausgedacht. Um die letzten Pontiacs und Saturns vom Hof zu kriegen, bietet er seinen Händlern einen Bonus, der sämtliche Abwrackprämien und Rabattaktionen dieses Jahres in den Schatten stellt: 7000 $ für jeden Wagen, den die Händler dem Konzern abnehmen, um ihn danach mit einem entsprechend kräftigen Abschlag weiterzuverkaufen. Der Preis für den billigsten Pontiac würde sich fast halbieren.
Die Sache hat freilich einen Haken: Das Angebot ist bis zum 4. Januar 2010 befristet, dauert also gerade mal eine Woche. Der Grund für diese Befristung liegt auf der Hand: Just am 4. Januar endet in Amerika offiziell die Verkaufsperiode für den Dezember. Und eine Woche später beginnt in Detroit die wohl wichtigste Automesse der Welt.
Vor der versammelten Autowelt will Whitacre dann Erfolge präsentieren - und die werden an Absatzzahlen gemessen. Da trifft es sich gut, wenn Pontiac und Saturn ihrer Konzernmutter noch einen letzten Dienst erweisen. Schließlich ist es dem größten Autobauer Amerikas bislang nicht gelungen, den stetigen Absturz der Marktanteile umzukehren. Selbst von der Abwrackprämie, mit der das Weiße Haus die Nachfrage nach Neuwagen im Sommer angeheizt hatte, profitierte GM kaum.
Die angestrebte Jahresendrally hat natürlich ihren Preis: Sollten die Vertragshändler tatsächlich sämtliche Pontiacs und Saturns aufkaufen, müsste Whitacre Prämien von insgesamt gut 100 Mio. $ ausschütten. Für ein Unternehmen, das im Frühjahr noch kurz vor der Pleite stand, wäre das ein teurer Marketinggag. Andererseits: Die Rechnung zahlt am Ende ohnehin der Steuerzahler, der GM bereits mit mehr als 50 Mrd. $ am Leben hält.
Selbstverständlich garantiert der Konzern den Kunden für die sterbenden Marken weiterhin den vollen Service: Alle Ersatzteile würden vorgehalten. Das tut auch not, denn der Restwert eines gebrauchten Pontiacs oder Saturns dürfte schon bald gegen null gehen. Eines fernen Tages wird dann auch der letzte Pontiac seinen Geist aufgeben. Doch dann ist Ed Whitacre schon lange nicht mehr im Amt.