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Merken   Drucken   12.01.2010, 20:40 Schriftgröße: AAA

Prekäre Töchter: Autobauer lassen Marken in Serie sterben

Die großen Autohersteller orientieren sich neu - und Marken mit schwachen Verkäufen werden zur bedrohten Art. So stellt Daimler-Chef Zetsche das Schicksal der Luxusmarke Maybach infrage. Auch Töchter anderer Konzerne könnten vor dem Aus stehen. von Margret Hucko, Detroit
Daimler-Chef Dieter Zetsche hat noch nicht über die Zukunft der Luxusmarke Maybach entschieden. "Es gibt noch keine langfristige Entscheidung über die Zukunft der Marke", sagte der Manager am Dienstag am Rande der Detroit Motor Show. Das Thema habe keine Priorität für ihn.
Zetsches Aussage reiht sich in eine Serie von zögerlichen Bemerkungen aus seinem Mund über die hinter den Erwartungen liegende Marke. Sie gilt nur durch einen entschiedenen Strategiewechsel als rettbar. Die Alternative wäre das Ende von Maybach unter dem Daimler-Dach.
Damit würde Zetsche  den Schlussstrich unter den missglückten Einstieg in das oberste Luxussegment ziehen. Erst vor acht Jahren hatte Daimler  die 1941 eingestellte Autolegende mit einer riesigen Marketingkampagne wiederbelebt. In den vergangenen Jahren hat Maybach aber nie auch nur annähernd die Absatzzahlen des Konkurrenten Rolls-Royce erreicht. Die schillernde Automarke der Queen gehört seit zehn Jahren zu BMW .
Motorshow in Detroit Highlights von Audi und Ford
Wirtschaftlich habe Maybach für Daimler keine große Bedeutung erlangt, sagte Marktbeobachter Christoph Stürmer von Global Insight. Bei einer Einstellung würde der Konzern in erster Linie die Investitionen verlieren, die die Markteinführung vor acht Jahren gekostet hat. Diese belaufen sich nach Schätzungen auf eine dreistellige Millionensumme.
Weitere große Extraausgaben für Maybach kann sich Zetsche derzeit nicht leisten. Der schärfer gewordene Konkurrenzkampf zwingt ihn, Kosten kräftig zu senken. Zugleich muss er in die Entwicklung neuer Technologien investieren, um Rückstände aufzuholen.
Im vergangenen Jahr hat die Luxuslinie der Mercedes-Benz-Gruppe nur 200 Autos weltweit verkauft, Rolls-Royce dagegen 900. Auch die Prognose für 2010 fällt bescheiden aus: Global Insight sagt für die britische BMW-Tochter einen Absatz von 2400 Exklusivmodellen voraus - auch aufgrund der Markteinführung des neuen Ghost. Für Maybach rechnet der Marktbeobachter nur mit 300 Fahrzeugen. Selbst in der Hochphase, direkt nach Markenstart im Jahr 2003, hat Mercedes' Nobeltochter nicht mehr als 702 Limousinen verkauft. Von da an ging es stetig abwärts.
Weltweit verkaufte Maybach   Weltweit verkaufte Maybach
Eines der gravierenden Probleme Maybachs ist die geringe Abgrenzung zur Mutter Mercedes. Kritiker bezeichnen die 400.000 Euro und mehr kostenden Maybach-Modelle als aufgeblasene S-Klassen. Die Produktion der Maybach-Modelle findet tatsächlich am Standort Sindelfingen statt - zum Großteil durch Mitarbeiter der S- und CL-Klasse-Produktion. Falls Mercedes sich langfristig doch entscheide, Maybach zu behalten, müsste der Hersteller "die Marke nachschärfen", so Stürmer. Ein Verkauf dürfte schwerfallen, da der Name Maybach historisch mit Mercedes verbunden ist. Wilhelm Maybach war ein Weggefährte des Firmengründers Gottlieb Daimler.
Das Aus für Automarken ist derzeit ein Trend. In Europa und den USA zeichnet sich ein nie da gewesenes Markensterben ab. Voriges Jahr gab etwa General Motors bekannt, die sportliche Tochter Pontiac und Saturn abzuwickeln, weiterhin ungewiss ist die Zukunft von Saab. Da GM hohe Preisvorstellungen hat, fällt der Verkauf von Saab schwer.

Teil 2: Unrentable Marken binden Ressourcen

  • Aus der FTD vom 13.01.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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