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Der Countdown läuft. Im Autodrama um die Zukunft von Volkswagen und Porsche hat der vorläufig letzte Akt begonnen. Dass die Nerven blank liegen, zeigen auch die Reaktionen auf Spekulationen über die Zukunft von Konzernchef Wendelin Wiedeking. Der Sportwagenbauer wies Meldungen als falsch und konstruiert zurück, dass Wiedeking das Unternehmen verlasse. "Das ist falsch und das ist Mobbing", sagte ein Sprecher am Mittwoch in Stuttgart und sprach von einer gezielten Falschmeldung. "Wendelin Wiedeking ist im Amt und bleibt im Amt."
Die "WirtschaftsWoche" hatte berichtet, der Manager würde das Unternehmen verlassen. Schon in Kürze werde über den Nachfolger entschieden. Kommissarisch solle ein Konzernmanager für das Amt gewonnen werden, der sowohl bei Porsche als auch bei VW Führungsaufgaben hatte.
"Das ist ein ganz hartes Dementi", sagte der Porsche-Sprecher. "Hier wird ein Medienkrieg geführt." Der Sprecher betonte, dass es auch noch keine Einigung der Familien Porsche und Piëch über die Zukunft des Sportwagenbauers und VW gegeben habe.
Derzeit gibt es mehr Fragen als Antworten: Übernimmt VW die Hälfte von Porsche oder schafft Wendelin Wiedeking mit einem milliardenschweren Einstieg des reichen Wüstenstaats Katar und einer Kapitalerhöhung den Befreiungsschlag - und rettet damit seinen Posten? Auch eine Kampfabstimmung auf der Aufsichtsratssitzung von Porsche am 23. Juli scheint möglich.
Mit dem offenbar gefassten Plan einer fast kompletten Entschuldung in der Tasche bietet Porsche dem VW-Konzern die Stirn. Einen Tag vor dem Treffen der wichtigsten Köpfe bei der Feier zum 100-jährigen Jubiläum der VW-Marke Audi zeigte Porsche erneut, dass sich das Unternehmen nicht kampflos als zehnte Marke in den größten europäischen Autobauer einverleiben lassen will.
Ob der am Mittwoch bekanntgewordene Plan zum 10 Mrd. Euro schweren Befreiungsschlag mittels Kapitalerhöhung und Weitergabe von VW-Aktienoptionen gelingt, ist aber ungewiss. Denn auch der mächtige VW-Aufsichtsratschef und Porsche-Miteigner Ferdinand Piëch müssten dabei mitziehen. Ihm dürfte der Porsche-Plan jedoch gegen den Strich gehen.
Entscheidungen werden spätestens auf den Aufsichtsratssitzungen am 23. Juli erwartet, bei denen beide Firmen getrennt über die gemeinsame Zukunft beraten werden. Auf der vorläufigen Tagesordnung für das Treffen der VW-Kontrolleure tauchen die Namen Porsche und Katar zwar nicht auf. Dennnoch wird die Diskussion dazu beim Thema "Bericht des Vorstands" erwartet. Dass sich der traditionell in Wolfsburg tagende VW-Kontrollrat diesmal in Stuttgart trifft, ist nach Meinung aus Gewerkschaftskreisen aber noch kein Indiz dafür, dass VW in dem seit Monaten tobenden Machtkampf die Oberhand gewinnt.
Porsche will sich nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters unter anderem über eine 5 Mrd. Euro schwere Kapitalspritze seiner Altaktionäre und des Emirats Katar seiner Schulden nahezu völlig entledigen. Dabei werde Katar allein Stammaktien übernehmen, die Altaktionäre auch nicht stimmberechtigte Vorzugsaktien, wie zwei mit der Situation vertraute Personen aus dem Porsche-Umfeld Reuters sagten. Zusammen mit der Weitergabe des VW-Aktienoptionspakets an das arabische Emirat sollen insgesamt rund 10 Mrd. Euro in die Kasse gespült werden.
Der Netto-Schuldenstand liegt nach Informationen der FTD derzeit sogar bei mehr als 10 Mrd. Euro. Aus Unternehmenskreisen verlautete, dies liege an Steuerzahlungen von Anfang des Jahres und habe nichts mit Kosten für die VW-Optionen zu tun. Per Ende Januar hatte er noch 9 Mrd. Euro betragen. Porsche wollte sich dazu nicht äußern.
Auch die Nachrichtenagentur dpa berichtete, Porsche arbeitet mit Hochdruck an einer Teilentschuldung mit Hilfe der Eigentümerfamilien. Verhandelt werde über eine Kapitalerhöhung in Höhe von bis zu 5 Mrd. Euro, die mit Hilfe der Familien Porsche und Piëch realisiert werden solle. Außerdem soll das Emirat Katar durch einen Kauf von Anteilen Milliarden in die Kassen spülen. Insgesamt 7 Mrd. Euro bieten die Scheichs demnach für den Kauf von Stammaktien und VW-Optionen.
Porsche-Miteigentümer Ferdinand Piëch strebt allerdings eine Integration des Sportwagenbauers in den VW-Konzern an. Ob er die Katar-Pläne durchwinkt, ist ungewiss. Die allein stimmberechtigten Familien Porsche und Piëch streiten seit Monaten über Wege zur Entschuldung des Konzerns und welche Rolle VW dabei spielen soll.
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