FTD.de » Unternehmen » Industrie » Autoindustrie » GM-Chef zieht Insolvenz-Drohung gegen Opel zurück

Merken   Drucken   10.11.2009, 23:30 Schriftgröße: AAA

Sanierung des Autobauers: GM-Chef zieht Insolvenz-Drohung gegen Opel zurück  

Die Beschäftigten waren wütend, die deutsche Politik sauer, als General Motors verkündete, die europäische Tochter zu behalten. Jetzt startet die Spitze des US-Konzerns eine Charmeoffensive: Der Chef persönlich entschuldigt sich für das Desaster. von Thomas Schmoll  und Gregor Haake 
General-Motors-Chef Fritz Henderson hat seine Drohung zurückgenommen, Opel in die Insolvenz zu schicken, wenn die Beschäftigten nicht zu Zugeständnissen bei der Sanierung bereit sind. "Eine Insolvenz ist nicht notwendig und auch nicht wahrscheinlich", sagte Henderson der ARD. Die Opel-Sanierung kann nur gelingen, wenn die Mitarbeiter zu Abstrichen beim Gehalt bereit sind. Dem Zulieferer Magna , der die GM-Tochter kaufen wollte, hatten sie das zugesagt. Nachdem Beschäftigten angekündigt hatten, ihren Beitrag zurückzuziehen, hatte Henderson mit Insolvenz gedroht. Opel verbrennt jeden Monat etwa 300 Mio. Euro.
Der GM-Chef entschuldigte sich in einem Fernsehinterview ausdrücklich für das Agieren des Konzerns in den vergangenen Wochen. In den "Tagesthemen" sagte Henderson: "Das bedauern wir sehr, wenn wir daran denken, wie der Prozess in den letzten paar Wochen abgelaufen ist. Das bedauern wir zutiefst. Es war nicht die Absicht, jemanden zu überraschen, obwohl wir wissen, dass wir das doch getan haben."
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte das Vorgehen der Amerikaner am Dienstag scharf kritisiert und unmissverständlich klar gemacht, dass sie sich - ebenso wie die Opelaner - getäuscht fühlte. "General Motors war über Monate hinweg nicht in der Lage, seiner Verantwortung als Mutterkonzern von Opel auch nur annähernd gerecht zu werden", sagte sie.
Laut Henderson ist GM "ungeheuer dankbar" für die Unterstützung, die der deutsche Staat seit Ende Mai mit der Bereitstellung eines Überbrückungskredits geleistet habe. "Denn ansonsten wären wir heute nicht hier." GM will sich um weitere Hilfen auch in anderen europäischen Ländern mit Opel-Standorten bemühen und bis Ende November auch die noch verbliebenen 600 Millionen Euro aus dem Überbrückungskredit zurückzahlen. "Das Ziel ist jetzt nicht, Regierungen gegeneinander auszuspielen", sagte Henderson.
Der US-Konzern hatte den Verkauf an ein Konsortium um Magna und die russische Sberbank in der vergangenen Woche überraschend gestoppt und will Opel selbst sanieren. Dazu soll in Europa jeder fünfte Arbeitsplatz gestrichen werden.

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