Opel, die tun was - könnte der alte Ford -Werbespruch anerkennend auf Opel umgemünzt werden. Denn immerhin macht sich das Management nun ernsthaft Gedanken, wie der angeschlagene Autobauer so umgekrempelt werden kann, dass er wieder in die Gewinnzone fährt. Konkret wird darüber nachgedacht, die Produktion des Astra aus Rüsselsheim abzuziehen und das Auto künftig in preisgünstigeren Regionen herstellen zu lassen.
Das Mittel zum gut gemeinten Ziel ist allerdings untauglich: Mit solchen kleinen Sparaktionen werden Opel und die Konzernmutter General Motors (GM) die Probleme nicht in den Griff bekommen. Solange keine echte Strategie zu erkennen ist, wird die Verunsicherung unter den Mitarbeitern nur konzernintern herumgeschoben - und attraktivere Modelle sind damit auch nicht entwickelt und gebaut.
Künftig könnte der Astra den Plänen nach nur noch in zwei Fabriken gefertigt werden, im polnischen Gliwice und im britischen Ellesmere Port. Vor allem die britischen Beschäftigten dürfte das freuen, weil ihr Standort von Schließung bedroht ist. Für sie wäre das ein Hoffnungsschimmer in schwieriger Zeit.
Allerdings auf Kosten der deutschen Standorte: Eine Verlagerung nach England und Polen wäre nämlich vor allem den günstigeren Produktionskosten dort geschuldet, womit sich die Frage nach der Zukunft des Werks in Rüsselsheim - und indirekt auch in Bochum - stellt. Kein Wunder, dass die Belegschaft in Rüsselsheim sogar bereit ist, weitere Zugeständnisse an die Unternehmensführung zu machen, etwa bei der Arbeitszeit oder der Entlohnung, nur um die Produktion dort zu halten.
Doch was nutzen ein paar Lohnkompromisse, wenn das Unternehmen strukturell schwächelt? Die Probleme Opels wären durch Zugeständnisse der Mitarbeiter oder kleinere Produktionsverlagerungen nicht angegangen. Schon gar nicht, weil in Rüsselsheim ohnehin nur ein geringer Teil der Astra-Modelle entsteht. Opel braucht vielmehr Modelle, die Anklang bei den Käufern finden. Der Astra ist zwar Opels meistverkauftes Modell. Längst sind aber die Zeiten vorbei, als Opel damit den VW Golf das Fürchten lehrte. Das gilt erst recht für andere Modelle: In Rüsselsheim wurden im vergangenen Jahr rund 150.000 Autos vom Typ Insignia produziert. Marktführer ist aber auch der nicht; an den Erfolg des Vectra und des Omega konnte er nie so recht anknüpfen.
Ein weiteres Problem: Opel ist nach wie vor auf wichtigen Wachstumsmärkten kaum vertreten, auf denen man Geld verdienen könnte, wenn es schon nicht mehr in Europa klappt - zum Beispiel in China. Solange Opel und GM diese Nachteile nicht abstellen, kann der Astra ruhig in Rüsselsheim weiter vom Band laufen.