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Merken   Drucken   26.01.2009, 17:19 Schriftgröße: AAA

Schaeffler und Conti: Kommunikations-Chaos um Staatshilfe

Nach den milliardenschweren Rettungsaktionen für Banken werden Staatshilfen für Unternehmen in der öffentlichen Meinung unbeliebter. Das spüren offenbar auch die Akteure in dem Schauspiel "Schaeffler und Conti betteln um Steuergeld". Es gab ein Kommunikations-Chaos.
von Annette Berger (Hamburg)

Klar war an diesem Montag einzig die Sprache der Börse: Die Continental-Aktie  fiel zeitweise um knapp 28 Prozent. Hintergrund des Kurssturzes war das Kuddelmuddel um Staatshilfen. Denn am Wochenende war bekannt geworden, dass der Autozulieferer Continental und sein fränkischer Hauptaktionär Schaeffler mit Bayern und Niedersachsen über Finanzspritzen von je einer halben Mrd. Euro verhandeln. Eine Nachricht, die nicht gerade das Vertrauen in die Firmen schürte. Was dann folgte, war ein Durcheinander von Stellungnahmen aller betroffenen Akteure.

Beide Unternehmen können das Geld gut gebrauchen, denn sie sind mit insgesamt rund 22 Mrd. Euro horrend verschuldet: Schaeffler wegen des Conti-Kaufs, Continental wegen der Übernahme der Siemens-Autozuliefertochter VDO im Jahr 2007.

Doch damit ist es auch schon fast vorbei mit den Fakten. Denn wie weit die Gespräche über staatliche Hilfen bereits vorangeschritten sind, das war partout nicht herauszufinden. Die Länder Bayern und Niedersachsen bestätigten lediglich Gespräche mit beiden Unternehmen, betonten aber, es gebe keine Zusagen.

Bilderserie Bilderserie: Was Conti und Schaeffler herstellen

Der Landesregierung in Hannover geht es darum, die Arbeitsplätze in der Region zu halten. In der Reifensparte von Conti arbeiten rund 70.000 der insgesamt 145.000 Beschäftigten im Konzern. Würde Schaeffler die Sparte zur Finanzierung der Conti-Übernahme verkaufen, könnte ein Investor diesen Firmenteil verlagern.

Dennoch, das Thema Staatshilfen fasste man in Niedersachsen am Montag mit spitzen Fingern an: Der Chef der Landes-CDU betonte am Morgen, es sei gar nichts entschieden. "Es gibt zur Zeit keine Überlegungen belastbarer Art", sagte David McAllister der Nachrichtenagentur Reuters.

Und sein Parteifreund, Ministerpräsident Christian Wulff, ließ sich ebenfalls kaum etwas entlocken - auch nicht zu etwaigen Gesprächen zwischen Niedersachsen und Bayern. Dem "Hit-Radio Antenne Niedersachsen" sagte Wulff: "Da ist viel Fantasie, Spekulation und Wunschdenken im Raum. Ich denke, man muss die nächsten Wochen mal abwarten, welche Konzepte entwickelt werden, um diese große Gruppe, wo es um 200.000 Arbeitsplätze geht, auch wirklich fit für die Zukunft zu machen." Der Koalitionspartner in Hannover, die FDP, verweigerte eine Stellungnahme. Es seien keine Details bekannt, hieß es.

Besser wusste es anscheinend die Bundesregierung - zumindest streckenweise. Denn die teilte schon recht früh an diesem Montag mit, die Verhandlungen über Staatshilfen von Bayern und Niedersachsen für Schaeffler und Conti seien in einem fortgeschrittenen Stadium. Das wollten aber wiederum die Niedersachsen nicht so stehen lassen.

Aus Hannover heißt es: "dummes Zeug".

Die Landesregierung in Hannover dementierte die Aussage aus Berlin ein wenig später mit einer norddeutsch-deftigen Formulierung: Ein Sprecher Wulffs sagte, die Aussage des Vize-Regierungssprechers in Berlin sei "dummes Zeug". Und schließlich gab auch die Regierung in Berlin die Parole aus, man wisse nicht, in welchem Stadium sich die Gespräche befänden.

Dann meldete dpa, dass Bund und Länder bei einem Spitzentreffen in Berlin über mögliche Hilfen für die Autozulieferer beraten wollen. Am Donnerstag solle es ein Treffen Wulffs mit seinen Amtskollegen Horst Seehofer  (CSU), Günther Oettinger (CDU) und Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) in Berlin geben.

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Und die betroffenen Firmen? Zunächst wollten sie am liebsten schweigen, dann wagte sich Conti aus der Deckung. Der künftige Aufsichtsratschef ließ sich am Nachmittag mit der Einschätzung zitieren, die Übernahme sei nicht gefährdet. "Es ist keineswegs so, dass wir die Probleme nicht in den Griff bekommen können", fügte Rolf Koerfer  hinzu. Ein wenig später ließ Continental über einen Sprecher verlauten, man habe keine staatliche Unterstützung nötig. Mit den Banken habe sich Conti einen stabilen Finanzrahmen gesichert. "Wir verfügen über eine Liquidität von 3,5 Mrd. Euro aus Barmitteln und ungenutzten Kreditlinien", betonte er.

Teil 2: Warum Wulff das Geld nicht einfach verteilen kann

  • FTD.de, 26.01.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland
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