Tarifverhandlungen:VW bietet ein Lohnplus von fast drei Prozent an
In der zweiten Runde der Tarifverhandlungen macht die Arbeitgeberseite des Wolfsburger Autobauers ein konkretes Angebot. Die IG Metall sieht Nachbesserungsbedarf.
In den Tarifverhandlungen für seine rund 100.000 Beschäftigten in Deutschland hat der Volkswagen-Konzern der Gewerkschaft ein erstes Angebot unterbreitet. Der Wolfsburger Autobauer schlug am Freitag vor, die Tariflöhne ab 1. Juni um 2,9 Prozent anzuheben. Für die Monate Februar bis Mai sei eine Einmalzahlung von 300 Euro geplant.
Damit habe die Offerte ein Volumen von dreieinhalb Prozent. Die IG Metall erklärte, der Vorschlag weise "in die richtige Richtung". Die vorgeschlagene Tariflaufzeit von 23 Monaten sei aber zu lang. Auch die angebotene Lohnerhöhung müsse höher ausfallen, bevor über einen Kompromiss gesprochen werde, sagte IG-Metall-Bezirkschef Hartmut Meine.
Die Gewerkschaft fordert einen Lohnaufschlag von sechs Prozent und begründet das mit der guten Geschäftsentwicklung bei Europas größtem Autobauer. Volkswagen solle bedenken, dass der Erfolg nur mit motivierten Beschäftigten zu erreichen sei. "Nur mit einem ordentlich geölten Motor kann man dauerhaft an der Spitze fahren", sagte Meine. Volkswagen will Weltmarktführer Toyota in den nächsten Jahren überholen.
Am 7. Februar soll in dritter Runde weiterverhandelt werden. Den Forderungen der Gewerkschaft hält VW entgegen, dass die Belegschaft bereits durch eine Gewinnbeteiligung von den guten Geschäften profitiere. Die hatte sich die IG Metall im Sanierungstarifvertrag 2006 im Gegenzug zu Arbeitszeitverlängerungen ohne Lohnausgleich zusagen lassen. Seither schüttet der Autobauer zehn Prozent des operativen Ergebnisses der Marke VW an die Beschäftigten aus.
Die Tarifgehälter sollen nach dem Willen des Managements dagegen möglichst moderat steigen, damit das Unternehmen nicht auch in Krisenzeiten hohe Löhne zahlen muss. Neben der guten Konjunktur dürfe die Wettbewerbsfähigkeit von Volkswagen nicht außer acht gelassen werden, forderte VW-Verhandlungsführer Jochen Schumm. Der aktuelle Tarifvertrag läuft Ende Januar aus.
Der Tarifvertrag wird auch für das Wolfsburger Stammwerk gelten
Volkswagen profitiert derzeit von der hohen Nachfrage aus China und den USA und fährt in Deutschland Sonderschichten. Wegen Probleme der Zulieferer muss die Arbeit im Stammwerk Wolfsburg allerdings kurzzeitig ausgesetzt werden.
Auch für das laufende Jahr ist der Vorstand zuversichtlich. Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch hatte kürzlich gesagt, Volkswagen befinde sich in einer Phase erheblichen Wachstums. Er rechne für 2011 mit einem "robusten Jahr". Wie hoch der Gewinn im vergangenen Jahr exakt ausgefallen ist, steht noch nicht fest. Das will der Aufsichtsrat am 25. Februar veröffentlichen.
Die Gewerkschaft verhandelt bei Volkswagen traditionell einen Haustarifvertrag für die Beschäftigten in den sechs westdeutschen VW-Werken aus. Der angestrebte Abschluss soll auch für die Mitarbeiter der konzerneigenen Finanztochter gelten.
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