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Merken   Drucken   16.07.2009, 18:58 Schriftgröße: AAA

Trotz Rücktrittsgerüchten: Wiedeking fühlt sich bei Porsche pudelwohl

Der Poker zwischen den Autobauern ist so gut wie entschieden. Nach FTD-Informationen gibt es eine interne Vereinbarung zur Bildung eines Konzerns unter einem Dach - eine Niederlage für Porsche-Chef Wiedeking. Der aber gibt sich nach außen unbeirrt.
von Kristina Spiller, Sven Clausen, Martin Scheele, Gregor Haake (Hamburg) und Heimo Fischer (Stuttgart)

Nach Informationen der Financial Times Deutschland haben sich die Porsche-Eigner grundsätzlich auf ein Modell für einen integrierten Konzern geeinigt. Danach soll Volkswagen  rund 49 Prozent des Sportwagenbauers erhalten. Ein formaler Beschluss fehlt aber noch. Das Konzept entspricht den Plänen des VW-Aufsichtsratschefs Ferdinand Piëch, der zugleich Miteigentümer von Porsche  ist.

Porsches Vorstandschef Wendelin Wiedeking  ist somit gescheitert mit dem Versuch, die Macht bei VW zu übernehmen. FTD-Informationen zufolge bereitet sich der Manager bereits auf einen Rückzug vor. Dazu hat er den renommierten Arbeitsrechtler Jobst-Hubertus Bauer von der Stuttgarter Kanzlei Gleiss Lutz als Berater angeheuert. Bislang gibt es jedoch keine Gespräche zwischen Porsche und Wiedeking über ein Ausscheiden.

Ferdinand Piëch, Aufsichtsratsvorsitzender bei Volkswagen   Ferdinand Piëch, Aufsichtsratsvorsitzender bei Volkswagen

Ein Porsche-Sprecher dementierte die Verpflichtung Bauers. Zur Verständigung der Eignerfamilien sagte er: "Uns ist nicht bekannt, dass es eine grundsätzliche Einigung gibt."

Wiedeking selbst gibt sich nach außen unbeirrt: "Ich bin glücklicher Vorstandschef und fühle mich in der Rolle pudelwohl", sagte er am Rande eines Festakts zum 100. Geburtstag von Audi in Ingolstadt. Sein Vertrag laufe bis 2012 und er wolle ihn erfüllen.

Wiedeking sagte zum Ringen über das künftige Verhältnis zu Volkswagen, man werde sehen, wie die Eigentümer entschieden. "Der integrierte Konzern ist unser aller Ziel." Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff sagte, er sehe den Machtkampf zwischen Porsche und Volkswagen als beendet an.

Ein Rückzug Wiedekings käme einem Zeitenwechsel für Porsche gleich. Der 56-Jährige hatte das Unternehmen Anfang der 90er-Jahre vor dem Zusammenbruch gerettet und zum profitabelsten Autobauer der Welt gemacht. Mit der angestrebten VW-Übernahme verhob sich der Manager jedoch: Zwar halten die Stuttgarter rund 51 Prozent der Aktien - allerdings zahlten sie dafür mit einer Verschuldung von rund 10 Mrd. Euro. Nach einem Bericht der "Wirtschaftswoche" ist der Abschied Wiedekings bereits fix. "Das ist falsch, und das ist Mobbing", sagte der Porsche-Sprecher dazu.

Allerdings berichteten auch am Donnerstag mehrere Medien, Wiedeking und sein Finanzchef Holger Härter hätten bei Porsche keine Zukunft mehr. Vize-Aufsichtsratschef Uwe Hück machte jedoch erneut deutlich, dass der Porsche-Chef sicher im Sattel sitze. "Wiedeking ist im Amt und bleibt bis zum Ende seiner Amtszeit 2012."

Der Gewinner heißt VW   Der Gewinner heißt VW

Die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch sollen sich zudem darauf verständigt haben, den neuen Gemeinschaftskonzern für einen externen Investor zu öffnen. Das Emirat Katar plant, den Schwaben Optionen auf 20 Prozent an VW abzunehmen. Die Araber wären neben den Familien sowie dem Land Niedersachsen der dritte Machtfaktor im integrierten VW-Porsche-Konzern. Die für die Optionen hinterlegten VW-Aktien seien 5 Mrd. Euro wert. Das Geld fließe aber nicht Porsche zu, sondern Banken. Die Schwaben könnten sich nur der Gebühren für die Optionen entledigen, die monatlich einen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag ausmachten. Darüber hinaus werde erwogen, Katar ein zusätzliches Investment zu ermöglichen.

Die Zukunft von Porsche ist laut Hück jedoch weiter offen."Wolfgang Porsche und Hans Michel Piëch haben mir das Wort gegeben, dass es noch keine Entscheidung gibt", sagte Hück. "Es wird auch nicht diese Woche entschieden." Die Familien Porsche und Piëch hätten ihm versprochen, keine Entscheidung gegen die Belegschaft zu treffen. Hück machte zudem deutlich, für die Belegschaft kämpfen zu wollen "Ich bin Thai-Boxer und immer für einen Kampf offen", sagte er: "Ich gehe über zwölf Runden."

Teil 2: Welche Optionen es noch gibt

  • Aus der FTD vom 17.07.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland
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