Die erste Automesse des Jahres ist gleichzeitig die wichtigste. In Detroit sucht die Branche Wege aus der Krise.
Natürlich kommt die Revolution aus Frankreich. Eine Umwälzung, die mehr Freiheit und Gleichheit bringen soll - mehr Bewegungsfreiheit und individuelle Mobilität für Großstädter, die kein eigenes Auto mehr besitzen.
Der Autohersteller Peugeot stellt mit dem Projekt "µ" sein eigenes Kerngeschäft infrage: nämlich Autos bauen, Autos verkaufen. "µ", gesprochen "Mü" und von den Franzosen Mu (www.mu.peugeot.fr) geschrieben, ist ein neuartiges Mobilitätskonzept, das ab Sommer auch in Berlin erprobt werden soll.
Peugeot-Händler, die daran teilnehmen, verkaufen dann nicht mehr ausschließlich Autos, sondern vermieten auch welche, außerdem Fahrräder und Motorroller der Marke mit dem Löwen-Logo. "Wir wollen Dienstleistungen mit der gleichen Rigorosität entwickeln wie Fahrzeuge", sagt PSA-Chef Philippe Varin. Sein Unternehmen müsse vom Autobauer zum Mobilitätsanbieter werden.
Hinter dieser Strategie steckt die Sorge, dass junge Menschen in Ballungsräumen seltener als früher ein eigenes Auto besitzen werden. Nach einer Untersuchung der amerikanischen Marktforschungsfirma J.D. Power fährt die sogenannte Generation Young mehr auf Computerchats ab als auf Chrysler und Co.
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In Frankreich hat Peugeot sein Baby bereits in Paris, Brest, Nantes, Rennes und Lyon eingeführt. Europaweit steigt der Versuchsballon in den Metropolen Berlin, London, Rom, Madrid sowie Amsterdam bis Mitte des Jahres. "Das geht in die richtige Richtung", glaubt Andreas Knie, Mobilitätsforscher am Wissenschaftszentrum in Berlin. "Autohersteller dürfen sich nicht mehr nur mit Autos beschäftigen, sondern mit der Vernetzung von Verkehrsbedürfnissen." Das Peugeot-Projekt hat allerdings einen großen Nachteil: Die Entleihstationen sind die Autohäuser. Und die liegen oft außerhalb des Zentrums. "Langfristig wollen wir das natürlich ändern", so ein Unternehmenssprecher. "Aber jetzt geht es uns darum, Mu möglichst schnell zu starten." Peugeot steht nämlich mit seiner Idee nicht allein. Bereits 2008 ging auch Car2go an den Start, ein Carsharing-Projekt von Daimler mit der Stadt Ulm: keine Grundgebühr, keine Kaution, für maximal 49 Euro am Tag gibt es einen trendigen Smart. Nach einer einmaligen Anmeldung im Ulmer Bürgerbüro stehen den Nutzern 200 weiße Smarts zur Verfügung, die spontan überall im Stadtgebiet ausgeliehen werden können. Ein Kartenlesegerät an der Windschutzscheibe zeigt an, ob das Fahrzeug frei, besetzt oder reserviert ist. Vorbuchungen sind über Handy oder Internet möglich. Für Thomas Weber, Forschungschef bei Daimler, ist Car2go ein wichtiger Baustein zur nachhaltigen Mobilität.
Teil 2: Grenzen zwischen Individualverkehr und öffentlichen Verkehrsmitteln werden durchlässiger