Welch eine Genugtuung. Endlich triumphiert das kleine Österreich über die Piefkes. Und das auch noch im Autobau - einer Disziplin, die den Deutschen so wichtig ist wie der Fußball. "Wir sind Opel", titelte die Wiener "Presse". Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner überbrachte Magna-Gründer Frank Stronach die Glückwünsche der Regierung. Der Zuschlag für Opel sei eine "Auszeichnung für das österreichische Unternehmertum", sagte der Minister. Und das Boulevardblatt "Österreich" setzte nach: "Wir kleinen Ösis haben es den Deutschen gezeigt. Erstmals übernehmen wir einen deutschen Großkonzern". Die Übernahme zeige, warum die "Ösis" in der Krise viel besser seien als die Piefkes.
Was in Wien allerdings vergessen wird: Magna hat seinen Sitz in Kanada und notiert an der Börse in Toronto. Der gebürtige Österreicher Stronach musste nach Kanada auswandern. Sein Unternehmen hätte er in der Heimat nie aufbauen können, hatte Stronach kritisiert. Österreich sei ein "überverwalteter Funktionärsstaat".
Magna kämpft zudem selbst mit Auslastungsproblemen. In Österreich sind Mitarbeiter in Kurzarbeit, ein Teil der Belegschaft akzeptiert einen Lohnverzicht. Im ersten Quartal wurden bei Magna Steyr 72 Prozent weniger Pkw gefertigt als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Und nach 2010 endet die Produktion des BMW X3, dem wichtigsten Volumenbringer.
Zudem ist die Opel-Übernahme für Magna nicht ungefährlich. Der Konzern konkurriert künftig mit Autobauern, die er bislang beliefert. Da Zulieferer meist wichtige Entwicklungsgeheimnisse ihrer Kunden kennen, sind diese wenig begeistert von Magnas Plänen.
Dem Vernehmen nach prüfen mehrere Kunden ihre Geschäftsbeziehungen zu Magna. Und am Wochenende warnte VW-Aufsichtsratspräsident Ferdinand Piëch: "Magna ist unser Zulieferer. Da haben wir keine Freude, wenn er Konkurrent wird." Der Autoexperte Willi Diez hält es für möglich, dass einige Magna-Kunden demnächst anderswo kaufen. Mit einer Informationskampagne will der Konzern seine Kunden nun beruhigen.