Die Serienproduktion des ersten russischen Elektroautos Yo-Mobil wird um zwei Jahre verschoben, wie die beteiligten Partner mitteilten, und beginnt nun frühestens Ende 2014. Experten zweifeln sogar an der Zukunftsfähigkeit des Projekts von Milliardär Michail Prochorow.
Für die ehrgeizigen Pläne bedeutet das einen herben Rückschlag. Noch vor gut einem Jahr hatte sich Prochorow gegenüber dem damaligen Premier und heutigen Präsidenten Wladimir Putin optimistisch über die Aussichten des Fahrzeugs geäußert. "Das Yo-Mobil soll einige Stereotypen einreißen", sage der Milliardär. Es sei der Beweis dafür, dass Russen gute und umweltfreundliche Autos bauen könnten. Für Russlands Autobauer, die in den vergangenen Jahren viel Terrain an ausländische Hersteller verloren haben, war das eine wichtige Botschaft.
Vorgesehen ist ein Stadtauto mit zwei Elektromotoren. Diese sollen über einen gas- oder benzinbetriebenen Stromgenerator und einen Zwischenspeicher in Gang gesetzt werden. Die Konstrukteure versprechen einen Treibstoffverbrauch von 3,5 Litern auf 100 Kilometern.
Noch hat Prochorow freilich den Beweis für die hohe Automobilbaukunst der Russen nicht erbracht. Eigentlich sollte der Kleinwagen bereits Ende 2012 in Serienproduktion gehen, doch nun hat das Sankt Petersburger Unternehmen Jarowit Motors als technischer Partner den Start um zwei Jahre verschoben. Die Schuld liege bei anderen, versicherte Generaldirektor Andrej Birjukow. "Uns hat unser amerikanischer Partner, der Zulieferer für Karosserien, im Stich gelassen. Deshalb wurde im Vorstand die Entscheidung über den neuen Zeitplan für die Produktion getroffen", sagte Birjukow - und gab seinen Rücktritt bekannt. Der Nachfolger, der bisherige Chefkonstrukteur Andrej Ginsburg, will im nächsten Jahr einen fahrfähigen Prototypen vorstellen.
Doch der russische Automobilexperte Oleg Dazkiw ist kritisch: Innerhalb von zwei Jahren habe etwa Volkswagen sein Werk in Kaluga hochgezogen. Mit Blick auf die bereits beim Yo-Mobil verstrichene Zeit sagte Dazkiw: "Die zwei Jahre zeugen davon, dass derzeit nichts da ist außer PR, Absichtserklärungen und verpulvertem Geld. Das erinnert alles sehr an Potemkinsche Dörfer."
Ohnehin ist Prochorow schon seit Längerem auf der Suche nach einem Co-Investor. Die Kosten, um das Auto zur Serienreife zu führen, werden auf 200 Mio. Euro geschätzt. Prochorows Onexim-Gruppe will aber wohl nur 50 Mio. Euro zuschießen. Mit der Verzögerung könnte das Yo-Mobil als erstes Elektrofahrzeug in Russland vom Lada-Hersteller Awtowas überholt werden. Der Konzern präsentiert derzeit auf der Moskauer Motorshow mit dem El Lada seine Vorstellung von einem umweltfreundlichen Elektroauto.