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  05.11.2009, 17:48    

Geplatzte Übernahme: Warum Magna ohne Opel besser fährt

FAQ Es sollte der große Coup für den Zulieferer werden. Dann machte GM alles zunichte. Doch die geplatzte Opel-Übernahme könnte sich für Magna als Glücksfall herausstellen. FTD.de zeigt, warum Opel für die kanadisch-österreichische Firma nur Last gewesen wäre.

von Gregor Haake 
Für den kanadisch-österreichischen Zulieferer ist der geplatzte Deal nur auf den ersten Blick eine schwere Niederlage. Der Konzern kann das Scheitern durchaus auch mit einem lachenden Auge sehen. Die Risiken der Opel-Sanierung waren unkalkulierbar - und bei den Kunden aus der Autoindustrie machte sich bereits große Verärgerung breit.
Viele Autohersteller nahmen die geplante Opel-Übernahme vor allem als Aufkeimen unliebsamer Konkurrenz wahr. Volkswagen drohte sogar mehrmals offen mit dem Entzug von Aufträgen. Zudem hätte es Opel Magna  erschwert, sich um das schwächelnde Kerngeschäft zu kümmern. Denn der Konzern hat genug eigene Probleme.
Frank Stronachs Traum von der eigenen Automarke ist zwar geplatzt. "Das Leben geht aber weiter", sagte der Gründer des Autozulieferers trocken. Er ließ offen, ob er einen neuen Versuch starten wird, bei einem Autobauer einzusteigen.
Schadensersatzansprüche gegen die Opel-Mutter General Motors, die ihre Tochter nun doch behalten will, werden in seinem Umfeld ausgeschlossen. Magna könne es sich nicht leisten, seinen größten Kunden zu verärgern. "Wir werden GM und Opel weiterhin unterstützen", sagte Co-Chef Siegfried Wolf.
Schon vor zwei Jahren war das Unternehmen beim Versuch gescheitert, einen Autohersteller zu übernehmen. In der Bieterschlacht um Chrysler verlor Magna gegen den US-Finanzinvestor Cerberus. Als der US-Hersteller im Frühjahr Insolvenz anmeldete, stellte sich die vermeintliche Niederlage für Magna als Glück heraus. Das könnte sich im Fall Opel wiederholen.
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  Magna International 33,08 EUR  [-0.57 -1,69%
Die Probleme der Rüsselsheimer hätten nach Ansicht von Analysten nämlich auch den Zulieferer an den Rand des Abgrunds gebracht. "Magna wurde von einem abenteuerlichem Trip zurückgeholt", sagte Autoexperte Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. Es sei vermessen gewesen, in die Liga von VW  und Toyota  vorstoßen zu wollen, ohne je ein eigenes Auto entwickelt zu haben. "Das wäre vielleicht noch mit einem Hersteller wie Porsche  möglich gewesen, aber nicht mit Opel."
Auch das Opel-Treuhandmitglied Dirk Pfeil (FDP) sagte, Magna wäre mit der Opel-Übernahme "glatt überfordert" gewesen. Der Zulieferer kämpfe mit eigenen wirtschaftlichen Problemen. "Magna hätte ungeheure Schwierigkeiten gehabt, Opel zu sanieren."
Magna hat sich bislang erfolgreich als unabhängiger Zulieferer positioniert. Bei der Übernahme von Opel hätte der Konzern den Absprung wichtiger Kunden riskiert. Vor Kurzem stornierte bereits der von Fiat  kontrollierte US-Autobauer Chrysler einen Großauftrag.
Volkswagen drohte mit ähnlichen Schritten. VW-Chef Martin Winterkorn  sagte jüngst, die Vergabe von Zulieferaufträgen "genau zu überdenken". Die Autohersteller befürchteten, gemeinsam mit Magna entwickelte Technologie später in Opel-Modellen zu finden.
VW-Chef Martin Winterkorn drohte Magna mit Auftragsentzug   VW-Chef Martin Winterkorn drohte Magna mit Auftragsentzug
Volkswagen wollte sich am Donnerstag nicht zu der neuen Entwicklung äußern. Branchenkenner gehen allerdings davon aus, dass der Grund für einen möglichen Auftragsentzug nun weggefallen ist. Es gehe ein Aufatmen durch die Automobilbranche, sagte ein Marktkenner FTD.de. Die Wahrung der Unabhängigkeit Magnas ist darum auch der entscheidende Pluspunkt des gescheiterten Deals.
Mit der Befreiung von der Last, Opel sanieren zu müssen, wird Magna nun nicht mehr vom Kerngeschäft abgelenkt - nämlich der Entwicklung neuer Autotechnik. "Ich glaube, der Markt war besorgt, dass Magna Geld in den Autobauer hätte versenken müssen und davon abgebracht worden wäre, Marktanteile als Zulieferer zu gewinnen und die Konsolidierung des Markts voranzubringen", sagt ein Magna-Kenner. Schließlich kommen auf die Zulieferer große Aufgaben zu - vor allem bei der Entwicklung von modernen Antriebstechniken etwa für Elektroautos.
Erleichterung bei Anlegern
Zudem dürften die Anleger nun auch wieder besserer Stimmung sein. Schon am Mittwoch schoss die Magna-Aktien um über acht Prozent in die Höhe. Für die "Wachstumsstory" war Opel aus Sicht von Analysten ohnehin nicht unabdingbar. "Gerade im Fahrzeugbau hat Magna zuletzt wichtige Aufträge gewonnen, wie etwa die Produktion des X1 von BMW", sagte Analyst Christian Müller vom Marktforschungsinstitut Global Insight.
Magna kämpft mit großen eigenen Problemen und leidet wie die gesamte Branche unter dem Einbruch der Weltkonjunktur. Im ersten Halbjahr 2009 summierte sich der Verlust auf 405 Mio. $. Im Vorjahreszeitraum hatte der Konzern noch 434 Mio $ verdient. Der Umsatz schrumpfte um 45 Prozent auf 7,3 Mrd. $. Bei der Europatochter Magna Steyr sind Tausende Mitarbeiter in Kurzarbeit.
Magna will das gesparte Geld zunächst für Zukäufe von Rivalen ausgeben. Im Frühjahr übernahm der Konzern das Europageschäft des insolventen Konkurrenten Cadence mit Werken in Tschechien und Ungarn. Vor Kurzem wurde eine Partnerschaft mit dem indischen Autozulieferer Krishna Group gegründet.
Der Zulieferer dürfte nun zur ursprünglichen Strategie zurückkehren, über kleine bis mittlere Zukäufe zu wachsen. "Magna gehört zu den zehn Zulieferern weltweit, die die Finanzkraft und Erfahrung haben, die in den nächsten Jahren auf den Markt kommenden Gelegenheiten zu nutzen, um Rivalen mit einem Umsatzvolumen von einer halben bis 3 Mrd. Euro zu kaufen", sagte Jan Dannenberg von der Managementberatung Oliver Wyman. "Zuliefergrößen wie Faurecia oder Visteon  wollen sich von Teilen trennen - das könnte auch für Magna interessant sein."
Magna kann sich nun wieder auf das Kerngeschäft konzentrieren   Magna kann sich nun wieder auf das Kerngeschäft konzentrieren
Seine Osteuropa-Pläne muss der Konzern aber wohl abspecken. "Mit Hilfe von Opel hätte Magna den russischen Markt schneller aufrollen können", unterstrich Dannenberg. "Das wird jetzt länger dauern, bis sie mit ihrer Antriebsstrang- und Fahrwerkstechnik dort in der Breite punkten können." Vor allem der fehlende Partner Sberbank werde sich schmerzlich bemerkbar machen, sagte Experte Müller von Global Insight. Die russische Regierung hatte gehofft, die marode Autoindustrie in dem Land mit Hilfe von Opel zu sanieren.
  • FTD.de, 05.11.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland
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