23.10.2009, 07:00
Konkurrenz für die Bahn: Linienbusse rollen den deutschen Markt auf
Mit dem Linienbus von München nach Hamburg? Das verbietet ein uraltes deutsches Gesetz, das der Deutschen Bahn unliebsame Wettbewerber vom Hals halten soll. Doch nun öffnet die schwarz-gelbe Koalition den Markt - und das könnte dem Unternehmen sogar nützen.
von Corinna Kreiler
In den USA sind die Riesen als Greyhounds bekannt: Hochmoderne Linienbusse, die quer durchs Land fahren und die Passagiere an rund 3100 Ziele in den Vereinigten Staaten bringen. Auch in Großbritannien kann man statt der Eisenbahn problemlos einen Bus nehmen; in Deutschland ist das bisher nur auf ganz wenigen Strecken möglich. Warum eigentlich?
Seit den Dreißiger Jahren ist die Bahn per Gesetz weitgehend vor der Konkurrenz auf der Straße geschützt: Die Behörden müssen die Bahn fragen, ob sie auf einer bestimmten Strecke Einwände gegen Bus-Konkurrenz hat - die hat sie fast immer. Doch die schwarz-gelbe Koalition will den Markt nun liberalisieren, lautet ein Zwischenergebnis der Koalitionsverhandlungen. "In der Politik hat ein Umdenken eingesetzt", sagt Robert Malina, Geschäftsführer des Instituts für Verkehrswissenschaften der Uni Münster.
Da die Bahn ein Staatsbetrieb ist, war die Verkehrspolitik jahrzehntelang darauf ausgerichtet, unliebsame Konkurrenz von dem Unternehmen fernzuhalten. Besonders SPD und CDU sperrten sich in der Vergangenheit gegen die Marktöffnung, FDP und Grüne plädierten dafür: "Vollbesetzte Reisebusse schneiden in der Ökobilanz besser ab als die Bahn", sagt Experte Malina - das belegen Studien.
Die Bahn ist nicht nur Deutschlands größtes Zug- sondern auch das größte Busunternehmen der Republik
Wegen der strikten Gesetze gibt es hierzulande kein landesweites Fernbusliniennetz, die wenigen Verbindungen, die existieren, gehen häufig nach Berlin - ein Relikt aus der DDR-Zeit. Die Busanbindung entstand während der Deutschen Teilung, als es nur wenige Bahnen in in den Westen fuhren.
Entsprechend wenige Betreiber bieten derzeit innerdeutsche Linienbusfahrten an. Was nur wenige wissen: Deutschlands größtes Busunternehmen ist die Bahn. Mit hundertprozentigen Töchtern wie der Autokraft oder Beteiligungen an der Berlin Linien Bus hat der Konzern unbemerkt die Hoheit über zahlreiche Omnibusse auf deutschen Autobahnen.
Die Marktöffnung ist für die Deutsche Bahn demnach Risiko und Chance zugleich: Sollte sie sich groß im Busgeschäft engagieren, würde sie sich zwar selbst Konkurrenz machen. "Andererseits könnte sie auch Kunden im Unternehmen halten, die sonst auf das günstigere Verkehrsmittel umsteigen würden", sagt Verkehrsexperte Malina. Und auf manchen Strecken könnte sich das für die Bahn sogar rechnen: Auf Ost-West-Achsen beispielsweise hat das Unternehmen sein Angebot an Zügen mangels Nachfrage drastisch ausgedünnt - mit Bussen ließe sich laut dem Experten schon mit 40 Passagieren pro Fahrt profitabel wirtschaften.
Engagement der Bahn wäre nur schwer zu rechtfertigenOb die Deutsche Bahn sich künftig verstärkt auf Busse kapriziert, ist ungewiss: Das Unternehmen wollte sich auf Anfrage von FTD.de nicht dazu äußern. "Die Bahn hat die Marktliberalisierung jahrelang torpediert, da wäre es nur schwer zu rechtfertigen, wenn sie jetzt selbst groß einsteigt", sagt Malina. Andererseits stünden die Chancen gut: Das Unternehmen ist bereits etabliert und würde über ausreichend Finanzkraft verfügen, um seine Kapazitäten rasch auszuweiten.
Da Busse der Bahn in punkto Geschwindigkeit nicht den Rang ablaufen können, wird sich der Kampf um die Kundschaft vor allem auf eines konzentrieren: den Preis. Bereits jetzt bietet die Ex-Bahn-Tochter Deutsche Touring eine Fahrt von Hamburg nach Mannheim für 9 Euro an - die Konzession hat sie der ehemaligen Mutter vor Gericht abgerungen.
Teil 2: Zügiger Ausbau des Netzes geplant
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FTD.de, 23.10.2009
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