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  19.10.2009, 17:47    

Unzufriedene Kunden: Boykott reißt niederländische Bank in die Pleite

Stinksauer hatte eine Kundenvereinigung zum Geldabzug beim niederländischen Institut DSB aufgerufen. Mit Erfolg: Zwei Wochen später bleibt der Zentralbank nur noch die Abwicklung.

Die niederländische Privatbank DSB ist pleite, nachdem Kunden massenweise Geld abgezogen haben. Letzte Versuche zur Rettung des Finanzunternehmens mit rund 400.000 Kunden scheiterten am Sonntag. Am Montag erklärte ein Gericht in Amsterdam den Bankrott der Bank des prominenten Unternehmers und Sportförderers Dirk Scheringa.
Er bedauere die Folgen des Zusammenbruchs für die Sparer sowie für die mehr als 1700 Beschäftigten, sagte Scheringa. Der Ansturm auf Konten bei der DSB-Bank begann, nachdem am 1. Oktober eine Vereinigung verärgerter Kunden öffentlich dazu aufrief, dort deponierte Gelder abzuziehen.
Die DSB war mit Aktiva von rund 8 Mrd. Euro eine der kleineren europäischen Privatbanken. Sie hatte aber in den Niederlanden einen beachtlichen Kundenkreis im Segment zinsgünstiger Hypotheken. Beschwerden von Kunden hatten vor einigen Wochen die akute Krise der Bank ausgelöst. Sie fühlten sich durch Quergeschäfte wie der obligatorischen Verbindung ihrer Hausbaukredite mit ihrer Meinung nach zu teuren Lebensversicherungen übervorteilt.
Mehrere tausend Kunden der DSB-Bank werden nach niederländischen Medienberichten durch den Gerichtsbeschluss nun teils erhebliche Summen einbüßen. Garantiert sind lediglich Einlagen bis zur Maximalhöhe von 100.000 Euro. Um diese Gelder auszahlen zu können, werden die am System der Bankensicherung beteiligten Kreditininstitute von der Niederländischen Zentralbank zur Kasse gebeten. Insgesamt müssen nach Branchenangaben etwa 3,25 Mrd. Euro aufgebracht werden, wobei der Marktführer Rabobank den Löwenanteil bereitstellen soll. Beteiligt sind neben anderen Instituten auch die Banken ABN Amro und ING.
Die DSB-Bank war am 12. Oktober durch Gerichtsbeschluss unter die Kontrolle der Zentralbank gestellt worden, nachdem Kunden bei einem Run auf das Scheringa-Unternehmen innerhalb weniger Tage mehr als 600 Mio. Euro abgehoben hatten.
Die Zentralbank sperrte alle Konten und setzte dem DSB-Eigentümer jeweils tageweise verlängerte Fristen, um einen Investor zu finden und einen tragfähigen Rettungsplan vorzulegen. Zuletzt verhandelte Scheringa mit einer US-Investorengruppe, dem Vernehmen nach mit dem texanischen Investitionsfonds Lone Star.
Ein Deal scheiterte jedoch Sonntagabend - unter anderem an der Weigerung des Finanzministers Wouter Bos, rund 100 Mio. Euro als staatliche Kapitalspritze bereitzustellen. Die Regierung in Den Haag hatte staatliche Garantien und Gelder für die DSB von Anfang an ausgeschlossen. Die Bank sei nicht als Folge der Finanzkrise, sondern durch eigene Fehler in Schwierigkeiten geraten, hatte er zuvor mitgeteilt.
Von der Pleite ist auch der niederländische Fußballmeister AZ Alkmaar betroffen, dessen Hauptsponsor die DSB-Bank war. Während die Fußballer jedoch auch über andere Finanzierungsquellen verfügen, könnte das niederländische Eisschnelllauf-Team DSB nun ebenso pleite sein wie die Bank.
  • dpa, 19.10.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland
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