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17.08.2008, 18:10
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Die Talfahrt von MLP
Vor ein paar Jahren war der Finanzdienstleister MLP ein gefeierter Börsenstar. Durch unsaubere Bilanzen und fragwürdige Methoden geriet das Unternehmen ins Zwielicht. Jetzt muss es sich gegen die Übernahme durch den Konkurrenten AWD zur Wehr setzen.
von Herbert Fromme (Köln) und Nina Klöckner (Hamburg)
Uwe Schroeder-Wildberg ist eigentlich ein gelassener Mensch. Der promovierte Betriebswirt ist kein Verkäufertyp, er ist eher ein kühler Analytiker. Und so bleibt der Chef des Finanzdienstleisters
MLP selbst in kniffligen Situationen ruhig. Nur eines treibt dem 43-Jährigen die Zornesröte ins Gesicht: Wenn seine Firma mit einer Organisation verglichen wird, die eine "sektenähnliche Struktur" hat und gegen ihre Außendienstmitarbeiter "psychologische Druckmittel, vergleichbar mit denen von sektenählichen Vereinigungen", anwendet.
Die Wiesbadener Anwältin Heidrun Jakobs hat das ausgerechnet vor dem Arbeitsgericht in Ulm getan. Die Reaktion folgte prompt. Per einstweilige Verfügung wurde der streitbaren Juristin, die eine Reihe ehemaligen MLP-Mitarbeiter gegen ihren früheren Arbeitgeber vertritt, diese Äußerung untersagt. Doch der Triumph in der Wieslocher MLP-Zentrale war nur von kurzer Dauer. Am 20. Juni 2008 hob das Landgericht Wiesbaden die einstweilige Verfügung auf und wies die Klage gegen Jakobs ab.
Der Streit ist symptomatisch. Noch vor ein paar Jahren war MLP der Star in der Branche, ein Überflieger, der es bis in den
Dax schaffte und von allen hofiert und gefeiert wurde. Inzwischen ist der Lack ab. Der Ruf ist ramponiert, die Aktie dümpelt vor sich hin. Ende vergangener Woche folgte die größte Demütigung: Ausgerechnet
Carsten Maschmeyer , der Chef des großen Rivalen
AWD , kaufte sich 27 Prozent von MLP und reichte sie an den AWD-Hauptaktionär
Swiss Life weiter. Er will AWD und MLP zusammenspannen. Der vorläufige Tiefpunkt eines beispiellosen Absturzes.
Kursinformationen und Charts
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MLP
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5,409 EUR |
[0.209] |
+4,02% |
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DAX
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6788,8 |
[40.04] |
+0,59% |
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Die Geschäftsidee der Finanzvertriebe ist simpel. Die Lebens- und Krankenversicherer sind ständig auf der Suche nach neuen Kunden, dafür geben sie unglaublich viel Geld aus - mehr als 7,5 Mrd. Euro jährlich an Abschlusskosten. Gleichzeitig gibt es immer mehr Menschen, die sich nur ungern mit dem Thema Versicherung beschäftigen. Hier kommen die Vertriebe ins Spiel. Denn die Verlockung, die lästigen Angelegenheiten einem Profi zu übergeben, ist groß.
"Wir sind in wenigen Jahren dreimal umgezogen. Da ist es ganz toll, dass ich den MLP-Mann anrufe und der bei den Versicherungen alles regelt", berichtet Karsten C., seit 1990 MLP-Kunde. Sein Vertreter ist immer noch derselbe, der ihn damals in der Kölner Uni angesprochen hat, auch wenn der MLP-Mann inzwischen ebenfalls mehrfach Wohn- und Arbeitsort gewechselt hat.
Carsten Maschmeyer, Vorstandsvorsitzender der AWD Holding
Damit die Finanzvertriebe reibungslos funktionieren, brauchen sie Leitfiguren wie Reinfried Pohl bei der Deutschen Vermögensberatung (DVAG), Carsten Maschmeyer bei AWD oder Manfred Lautenschläger, den Gründer von MLP - alles Manager, die den Traum der Vertreter vom Reichtum repräsentieren und Geschick darin haben, junge Menschen für sich und ihre Verkaufsidee zu gewinnen.
Denn die wichtigste Voraussetzung für jeden Finanzvertrieb sind gute Verkäufer. Doch die sind nicht leicht zu finden. Und noch schwerer langfristig an ein Unternehmen zu binden. Der Anteil der Provision, der an die freien Handelsvertreter ausgezahlt wird, reicht dafür kaum aus - schließlich wird auf jeder Ebene der Struktur davon etwas abgezwackt. Also haben sie sich bei MLP und später bei AWD etwas Besonderes ausgedacht: Aktien am eigenen Unternehmen sollen den Traum vom Reichtum für die Vertriebler wahr machen. 1988 geht das Wieslocher Unternehmen an die Börse. Mit viel Selbstbewusstsein und einer guten Geschichte für den Kapitalmarkt.
Teil 2: Der Rasante Aufstieg
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Aus der FTD vom 18.08.2008
© 2008 Financial Times Deutschland,
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