Nach Auffassung des europäischen Verbandes der Versicherungsvereine AMICE besteht die Gefahr, dass die unter dem Stichwort Solvency II geplanten neuen Vorschriften für das Eigenkapital der Assekuranz zu einer Konsolidierungswelle führen. "Europas gegenseitige und genossenschaftliche Versicherer appellieren daher an die Kommission, die Angebotsvielfalt und den gesunden Wettbewerb in der Versicherungsbranche zu erhalten", sagte AMICE-Präsident Asmo Kalpala anlässlich einer Veranstaltung im finnischen Espoo. Die Interessen der Konsumenten an einem stärkeren Verbrauchersschutz und an größerer Auswahl müssten besser ausbalanciert werden.
Mit der Richtlinie Solvency II will die EU dafür sorgen, dass die Assekuranz mehr Risikomanagement betreibt. Übernommene Risiken und Verpflichtungen sollen stärker als heute mit Eigenkapital unterlegt werden. Außerdem soll die Kontrolle darüber ausgeweitet werden. Der Verband fürchtet eine rasante Marktkonsolidierung, weil kleinere Versicherer mit den geplanten Richtlinien überfordert sein könnten. "Unverhältnismäßige Organisationsvorschriften sowie Berichts- und Offenlegungsvorschriften stellen kleinere Versicherer vor immense Probleme. Überzogene Kapitalanforderungen treffen Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit besonders hart", sagte Kalpala. Übervorsichtige und unangemessene Regelungen erhöhten den Kapitalbedarf der Unternehmen und verteuerten ihre Finanzierung.
Manche Versicherungsvereine könnten sich gezwungen sehen, ihre Rechtsform aufzugeben oder gar die Geschäftstätigkeit einzustellen, fürchtet der Verband. Versicherungsvereine haben eingeschränktere Möglichkeiten der Kapitalaufnahme als börsennotierte Aktiengesellschaften. Deshalb wären Vereine vom Konsolidierungsdruck besonders betroffen.