Der Hamburger Versicherungsmakler Clausius Marine ist insolvent. Das Amtsgericht Hamburg hat den Anwalt Michael Kuleisa zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Weder Kuleisa noch die Geschäftsführer Hubertus Clausius und Thomas Keller wollten Stellung nehmen.
Dass Clausius Marine ausgerechnet jetzt pleitegeht, könnte Folgen für die gesamte Zunft der Versicherungsmakler haben. Die EU-Kommission hat gerade den Entwurf für eine neue Richtlinie für die Versicherungsvermittler vorgelegt. Dabei geht es um mehr Transparenzpflichten, aber auch um Rechte bei Inkasso und Schadenabwicklung. Die Makler müssen fürchten, dass die Insolvenz Brüssel in der Absicht bestärken wird, die Branche strenger zu regulieren.
Clausius Marine war als Spezialmakler in der Versicherung von Seeschiffen tätig. Der heute 77-jährige Hubertus Clausius fuhr lange Jahre als Kapitän zur See. Bei vielen Reedern ist er gut angesehen: Er gilt als Mann der Schifffahrt, der für seine Kunden viel gegen die Schlipsträger der Versicherungswirtschaft durchgesetzt hat. "Er ist ein echter Unternehmer", sagte ein Insider der FTD. Clausius Marine gibt es seit 2008, Vorläuferfirmen seit 1969.
In unternehmensnahen Kreisen hieß es, Clausius Marine sei ein Opfer der Schifffahrtskrise geworden - die durch fallende Mietpreise für Schiffe gebeutelten Eigner hätten Prämien immer später gezahlt. Versicherer sehen das als Schutzbehauptung: "Die Banken sorgen dafür, dass die Reeder ihre Versicherungsprämien auf jeden Fall bezahlen", sagte ein Assekuranzmanager. "Sonst gibt es ein zusätzliches Risiko für das Schiff, das ihnen als Sicherheit dient."
Die Versicherer glauben an andere Ursachen für den Zusammenbruch. Wie viele Makler in dem Spezialmarkt Seeversicherung übernahm Clausius weitreichende Funktionen für die Versicherer, etwa das Einziehen der Prämien sowie Schadenabrechnung und -auszahlung. Das sind Millionensummen. "Mehrere Versicherer haben in der jüngsten Vergangenheit ihre Geschäftsbeziehungen mit Clausius Marine beendet, da mussten die Konten glattgestellt werden", sagte ein Versicherer. Das habe den Makler womöglich überfordert.
Das Unternehmen veröffentlicht keine Zahlen außer den Pflichtangaben im Bundesanzeiger. Dort wird für 2010 ein kleiner Bilanzgewinn von 24.000 Euro gemeldet - bei Verpflichtungen von 27 Mio. Euro, das meiste davon fällig im September 2012.
Da es keine veröffentlichten Umsatzzahlen gibt, kommen aus der Branche ganz unterschiedliche Angaben zum vermittelten Prämienvolumen. Es wird auf zwischen 20 Mio. Euro und 60 Mio. Euro geschätzt. Das würde das Unternehmen zu einem führenden Anbieter in dem Spezialsegment machen und auf mehrere Hundert betroffene Schiffe hindeuten.
Clausius arbeitete vor allem mit ausländischen Versicherern zusammen, darunter Gesellschaften aus Asien. Seit einigen Jahren vermittelte er auch für deutsche Konzerne wie den Marktführer Allianz. Das Unternehmen wollte sich zu dem Fall nicht äußern.
Für viele Reeder stellt sich die Frage, ob sie trotz Pleite versichert sind - wenn sie ihre Prämie an Clausius Marine gezahlt haben. Bei den meisten sei das der Fall, hieß es in der Assekuranz. Geld verlieren könnten Reeder dennoch, wenn einzelne Versicherer die Zahlung nicht anerkennen oder eine Schadenzahlung an Clausius geleistet haben, die der Makler noch nicht weitergeleitet hat.