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Merken   Drucken   20.10.2005, 21:49 Schriftgröße: AAA

Exklusiv: Axa verzichtet auf Kündigungen bis 2012  

Der Kölner Axa-Konzern hat seiner Belegschaft weit reichende Zugeständnisse bei Arbeitszeiten und Flexibilität abgerungen, die spürbare Kostensenkung bringen sollen. Im Gegenzug verzichtet der Konzern bis 2012 auf betriebsbedingte Kündigungen. von Herbert Fromme und Nina Luttmer, Köln
Zentrale der Axa Deutschland in Köln   Zentrale der Axa Deutschland in Köln
Auch Standortschließungen soll es nicht geben. "Nur durch die hohe Flexibilisierung können wir auch die Serviceversprechen an unsere Kunden einlösen", sagte Axa-Personalvorstand Frank Heberger der Financial Times Deutschland.
Die Mitarbeiter müssen sich darauf einstellen, künftig zeitlich und regional deutlich flexibler eingesetzt zu werden. So will der zum französischen Axa-Konzern gehörende Versicherer in zweieinhalb Jahren 380 Arbeitsplätze abbauen. Weitere 300 Arbeitsplätze sollen in die Billiglohnländer Indien und Lettland verlagert werden. In fünf Jahren hat Axa Deutschland die Zahl der Vollzeitstellen bereits von 10.000 auf 7000 verringert. Einschließlich der Teilzeitstellen kommt das Unternehmen auf eine Belegschaft von 7900 Mitarbeitern.
Jahrelang hatte der Versicherer Marktanteile verloren und schlechtere Ergebnisse als die Konkurrenz erwirtschaftet. 2004 musste der Konzern einen Verlust von 68 Mio. Euro melden, im Wesentlichen aus Altlasten der Aktienkrise. Für 2005 erwartet das Management aber ein positives Ergebnis.
Schwaches Wachstum
Unzufrieden zeigte sich der Pariser Konzernchef Henri de Castries mit dem schwachen Wachstum. Deutschlandchef Claus-Michael Dill musste im September gehen, er wurde durch Eugène Teysen ersetzt. Teysen soll den mageren Zuwachs von zuletzt 0,7 Prozent kräftig steigern.
Die Axa ist nicht allein mit ihrer Kostensenkung. Fast alle Versicherer einschließlich des Marktführers Allianz haben ähnliche Programme bereits aufgelegt oder in Vorbereitung. "Wachstum geht nur über die Verdrängung von Konkurrenten", sagte Heberger. Allein deshalb müsse ein Konzern, der Marktanteile gewinnen wolle, kostengünstiger sein. In Deutschland strebe die Axa einen Platz unter den ersten drei Gesellschaften bei der Profitabilität an. Allerdings sei die Struktur des Konzerns mit seinen 15 verschiedenen Standorten unterschiedlichster Größe derzeit "suboptimal".
Der Konzernbetriebsrat hat den neuen Regeln bereits einstimmig zugestimmt. "Der Weg dahin war allerdings schwierig", berichtete Betriebsrat Herbert Mayer.
Zyklische Arbeitszeit
Die Angestellten der Axa werden künftig keine gleichmäßige 38-Stunden-Woche mehr haben. Zwar bleibe es über das Jahr verteilt bei durchschnittlich 38 Stunden, sagte Heberger. "Es wird aber Zyklen geben, in denen die Mitarbeiter mehr arbeiten, dafür anschließend weniger." Dadurch wolle die Axa ihren Kunden auch in Stoßzeiten einen verlässlichen Service bieten.
Der Konzern hat künftig das Recht, Mitarbeiter für bis zu drei Monate in andere Abteilungen zu versetzen. "Zu einem befristeten Ortswechsel wird es für Mitarbeiter aber nur selten kommen und dann auch nur mit einer maximalen Fahrtzeit von zwei Stunden pro Tag", sagte Heberger weiter.
Bei Problemen des Konzerns kann es künftig zu einer zeitlich limitierten Arbeitszeitverringerung der Gesamtbelegschaft oder eines Teils der Mitarbeiter kommen. Das sei möglich, falls die Verwaltungskosten der Axa zu einem gegebenen Zeitpunkt mehr als fünf Prozent über dem festgelegten Planwert liegen, sagte Heberger. Angestellte könnten dann entweder für maximal sechs Monate 20 Prozent weniger arbeiten und verdienen, oder aber für maximal zwölf Monate zehn Prozent.
"Anschließend bekommen die Mitarbeiter aber eine Sperrfrist für 18 Monate, in der sie auf jeden Fall voll arbeiten können", sagte Heberger der Financial Times Deutschland. Dieses Zeitmodell beruhe auf einer Öffnungsklausel des Tarifvertrags. Die Arbeitsplatzgarantie bis 2012 ist laut Heberger Einschränkungen unterworfen: Axa sei nicht daran gebunden, falls es massive Änderungen bei Prämien, Kosten oder Gewinnen gebe. "Sollte es zu einer Fusion mit einem Unternehmen mit mehr als 2000 Mitarbeitern kommen, muss ebenfalls neu verhandelt werden."
  • FTD.de, 20.10.2005
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