Die Preise für die Versicherung von Industrieanlagen bleiben niedrig
Stattdessen verteidigen sie ihre Kundenbasis - und erhöhen trotz aller Rhetorik über dringend nötige Anpassungen die Preise nicht. Sie wissen genau, dass es sehr viel teurer sein kann, die Kunden später zurückzugewinnen. Neben den etablierten Adressen
Axa , Chartis (früher
AIG ),
Chubb und
Zurich sind auch Newcomer unterwegs, die bislang im großen Konzerngeschäft keine bedeutende Rolle spielten. Ausländische Anbieter haben sich etabliert, gute Beispiele sind Mitsui Sumitomo aus Japan und Mapfre aus Spanien. Im Inland verfolgt die R+V einen intelligenten Expansionskurs bei Industriekunden, die öffentlich-rechtlichen Versicherer widmen diesem Geschäftsfeld neue Aufmerksamkeit. Und mittelgroße Versicherer suchen sich Nischen; so gehört die Gothaer zu den führenden Anbietern von Deckungen für Erzeuger alternativer Energie.
"Kapital gibt es genug", sagt Gregor Köhler von der
Bayer -Tochter Pallas. "Solange die Zinsen so niedrig sind, macht es für viele Investoren Sinn, Millionen in Versicherungsgeschäfte zu pumpen." Das gelte besonders für Bermuda und die USA, wirke sich indirekt aber auch in Europa aus.
Doch auch die Kaufzurückhaltung spielt eine Rolle für die Preisschwäche. Kunden haben in der Finanzkrise die Ausgaben für Versicherungsschutz dramatisch gestutzt. Mit geringeren Deckungen und höheren Selbstbehalten senkten sie die Ausgaben für Versicherungen. So mancher Finanzchef sieht gar nicht ein, warum sich das jetzt ändern sollte. Klar, bei umsatzabhängigen Verträgen steigen die Prämien mit dem wieder anziehenden Geschäft. Das gilt für viele Haftpflicht- und Transportverträge. Aber in anderen Bereichen wird das Konzept Versicherung light beibehalten.
Nach Ansicht von DVS-Vorsteher Sigulla wird hier oft zu kurz gedacht. "Versicherung ist Teil der Unternehmensfinanzierung", argumentiert er. Durch eine Police transferiere ein Unternehmen seine Risiken auf die Bilanz des Versicherers. "Damit setzt es bei sich Risikokapital frei." Erhöht ein Unternehmen die Selbstbehalte, muss es dafür eigentlich Risikokapital hinterlegen, sagt Sigulla. "Wenn es einen Selbstbehalt von 100 Mio. Euro vereinbart, braucht es, je nach Schadenerwartung, bis zu 30 Mio. Euro Risikokapital." Schließlich wird eine abgebrannte Fabrik oder ein Produkthaftpflichtschaden dann aus eigenen Mitteln finanziert. "Und diese 30 Mio. Euro müssen intern verzinst werden", sagt Sigulla.