Über mangelnde Vorschusslorbeeren kann sich Mario Greco nicht beklagen. Erst seit August ist der 53-Jährige Vorstandschef des drittgrößten europäischen Versicherungskonzerns Generali . Und schon jetzt wird er von allen Seiten gelobt. Er sei nach Mario Draghi und Mario Monti der dritte italienische "Super-Mario", sagt beispielsweise Davide Serra, der den Hedge-Fonds Algebris verwaltet: "Greco bei Generali, das ist wie Draghi bei der Europäischen Zentralbank und Monti in der Regierung." Seit Grecos Antritt hält Algebris wieder Generali-Aktien.
Um seinem Ruf als Spitzenmanager gerecht zu werden, krempelt Greco den 1831 in Triest gegründeten Versicherer gründlich um. Nachdem er bereits die Position des Finanz- und Strategiechefs neu besetzt hatte, stellte er jetzt die künftige Organisationsstruktur vor. Die Stoßrichtung ist eindeutig: Greco reißt mehr Macht an sich als sein Vorgänger. Zudem sollen sich die einzelnen Einheiten besser abstimmen, indem ein neues zentrales Gremium geschaffen wird. Das Unternehmen soll schneller werden und sich stärker auf das Kerngeschäft Versicherung konzentrieren.
Ein Wandel ist dringend geboten. Unter dem langjährigen Chef Giovanni Perissinotto verlor Generali den Anschluss an die Erzrivalen Allianz und Axa . 2011 halbierte sich der Nettogewinn und fiel auf den tiefsten Stand seit 2002, die Dividende wurde gekappt. Ende Mai erreichte der Aktienkurs den tiefsten Stand seit fast zwei Jahrzehnten. Anteilseigner um Leonardo Del Vecchio, Gründer des Brillenkonzerns Luxottica, rebellierten im Frühjahr und gewannen für ihren Aufstand auch den Großaktionär Mediobanca , der über 13 Prozent hält. Anfang Juni wurde Perissinotto entlassen - und Greco vom Schweizer Konkurrenten Zurich verpflichtet. Er soll dafür sorgen, dass der Aktienkurs schnell steigt.
Mit dem nun verkündeten Umbau endet die Zeit des Führungsduos an der Spitze, das seit 2002 Bestand hatte. Greco wird alleiniger Chef. Sergio Balbinot, 54, der an der Seite Perissinottos das internationale Geschäft betreut und quasi als ein Co-Chef fungiert hatte, scheidet aus dem Verwaltungsrat aus und übernimmt die neue Rolle des Chief Insurance Officer. Balbinot ist damit für das weltweite Versicherungsgeschäft zuständig.
In dem neuen zehnköpfigen Group Management Committee werden neben Greco und Vize Balbinot Finanzchef Alberto Minali sowie die Verantwortlichen für die wichtigsten Märkte Italien, Deutschland und Frankreich vertreten sein. Für Deutschland wird Dietmar Meister einrücken, für Italien Raffaele Agrusti und für Frankreich Claude Tendil.
Derzeit durchleuchtet Greco den gesamten Konzern. Am 9. November wird er zum ersten Mal die Quartalszahlen vorstellen. Es wird erwartet, dass er bei dieser Gelegenheit auch ankündigen wird, wann eine neue Strategie präsentiert wird. Generali will sich von Beteiligungen trennen, um die Kapitalbasis zu stärken. Zur Disposition stehen unter anderem die US-Lebensrückversicherung sowie die Privatbank BSI in Lugano.
Generali braucht das Geld. Der Versicherer muss bis 2014 den tschechischen Partner Petr Kellner für rund 2,7 Mrd. Euro aus der gemeinsamen Gesellschaft PPF Holding herauskaufen. Kellner hat das Recht, seine Anteile anzudienen.