Die Führung des Gothaer-Konzerns setzt den Umbau der Gruppe fort - weg von einer Gesellschaft mit durchschnittlichem Kundenmix aus Privatkunden und Gewerbe hin zu einem Spezialisten für Industrie- und Geschäftskunden. Außerdem sucht das Unternehmen durch internationale Expansion Auswege aus der Stagnation im Heimatmarkt. Nach Polen und Rumänien sieht sich Vorstandschef Werner Görg jetzt in der Türkei um.
Zur Strategie gehört der Rückzug aus der klassischen privaten Lebensversicherung. 2005 erzielte der Gothaer-Konzern noch 42 Prozent seines Lebens-Neugeschäfts in diesem Segment, 2012 sind es nur acht Prozent. Stattdessen verkauft die Gothaer jetzt fondsgebundene Policen, auf die jetzt ein Anteil von 36 Prozent statt 18 Prozent entfällt. Das Unternehmen versichert mehr biometrische Risiken wie Sterblichkeit und Berufsunfähigkeit, die jetzt 12 Prozent statt neun Prozent ausmachen, und setzt auf die betriebliche Altersversorgung, deren Anteil von 31 Prozent auf 44 Prozent stieg.
"Das führt zu Substanzausbau und Entlastung unseres Risikokapitals", sagte Görg mit Blick auf die neuen Eigenkapitalvorschriften Solvency II.
Für 2012 meldete er ein Prämienwachstum von 2,9 Prozent auf 4,2 Mrd. Euro, fast das Doppelte des Marktes, für den 1,5 Prozent erwartet werden. Der Überschuss liege 2012 bei 150 Mio. Euro, 3,4 Prozent mehr als im Vorjahr.
"Bei den Kapitalanlagen haben wir 2012 das beste Jahr seit 2004", sagte Finanzchef Jürgen Meisch. Das Ergebnis soll um 10,8 Prozent auf über 1 Mrd. Euro steigen. Die Gothaer hatte schon vor Jahren die Laufzeit ihrer durchschnittlichen Investitionen gesenkt, weil Meisch mit einem baldigen inflationären Schub rechnete. Der trat zwar nicht ein, aber die Laufzeit der Kapitalanlagen von 5,5 Jahren in der Lebensversicherung und 6,5 Jahren in der Krankenversicherung habe dem Ergebnis nicht geschadet, sagte Meisch. In den kommenden Jahren will die Gothaer 500 Mio. Euro in Windparks und Solaranlagen investieren.
Der Konzern werde die Überschussbeteiligung in der Lebensversicherung für 2013 absenken, aber nicht so stark wie manche Konkurrenten, sagte Görg. 2012 lag die Gothaer mit 3,8 Prozent leicht unter dem Marktschnitt von 3,9 Prozent, "2013 werden wir gut im Marktschnitt liegen."
Görg verteidigte die hohen Provisionen von vier Prozent, die die Gothaer in der betrieblichen Altersversorgung an den Makler Pfaffelhuber zahlt, der die betriebliche Altersversorgung für 71.000 Krankenhausmitarbeiter im Rahmen des Dachverbands der Unterstützungskassen für deutsche Krankenhäuser (DUK) vermittelt. Üblich sind in der betrieblichen Altersversorgung zwei Prozent. Die Gothaer zahle die vier Prozent, wenn der Makler den Arbeitnehmer umfangreich beraten müsse und darüber hinaus Dienstleistungen erbringe, sagte Görg zur Begründung der doppelten Provision. Außerdem entspreche das den Vorgaben der Krankenhäuser in ihren Ausschreibungen.
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