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Merken   Drucken   05.09.2011, 14:20 Schriftgröße: AAA

Günstige Arzneimittel: Krankenkassen verzwanzigfachen Überschuss

Rückläufige Krankenhausbesuche und billigere Medikamente bescheren den gesetzlichen Kassen ein Milliardenplus. Die Politik hat den größten Teil davon allerdings schon verplant - und weist Forderungen nach Beitragssenkungen zurück.
© Bild: 2009 ddp
Rückläufige Krankenhausbesuche und billigere Medikamente bescheren den gesetzlichen Kassen ein Milliardenplus. Die Politik hat den größten Teil davon allerdings schon verplant - und weist Forderungen nach Beitragssenkungen zurück.
Die gesetzlichen Krankenkassen haben ihren Überschuss dank der guten Konjunktur und der Einsparungen bei Medikamenten im zweiten Quartal stark ausweiten können. Im Vergleich zu den ersten drei Monaten wuchs das Plus um rund 950 Mio. Euro auf 2,4 Mrd. Euro, teilte das Gesundheitsministerium am Montag in Berlin mit. Das ist mehr als 20 Mal so viel wie vor einem Jahr. Damals lag der Überschuss zum Halbjahr lediglich bei 112 Mio. Euro.
Von Januar bis Juni standen den Einnahmen in Höhe von 91,7 Mrd. Euro Ausgaben im Umfang von 89,3 Mrd. Euro gegenüber. Die höchsten Überschüsse verbuchten die beiden großen Krankenkassenarten AOK und Ersatzkassen mit 971 respektive 954 Mio. Euro. Die Betriebskrankenkassen sind mit 221 Mio. Euro im Plus, die Innungskrankenkassen mit 156 Mio. und die Knappschaft-Bahn-See mit 98 Mio. Euro. Die positive Entwicklung gebe einer Reihe von Krankenkassen die Möglichkeit, Finanzreserven aufzubauen, teilte das Ministerium mit.
Grund sind vor allem die um 6,3 Prozent gesunkenen Ausgaben für Arzneimittel. Im Zuge eines Sparpakets der Bundesregierung müssen die Pharmahersteller seit August 2010 einen Preisabschlag von 16 Prozent hinnehmen. Erneut mehr zahlen mussten die Kassen dagegen für Krankenhausbehandlungen. Hier betrug der Anstieg 4,6 Prozent.
Auf das Gesamtjahr hochgerechnet betrage der Zuwachs damit 2,5 Mrd. Euro, teilte das Ressort von Minister Daniel Bahr (FDP) mit. Einer Faustformel zufolge macht das etwa 0,25 Beitragssatzpunkte aus. Für ambulante ärztliche Behandlungen mussten die Kassen 2,3 Prozent mehr aufwenden, für Früherkennungs 5,2 Prozent. Die Ausgaben für das Krankengeld stiegen erneut um 9,6 Prozent.
Das Ministerium betonte, die guten Zahlen im ersten Halbjahr ließen noch keine Rückschlüsse auf die Höhe des Überschusses zum Jahresende zu. So seien die Ausgaben in der ersten Jahreshälfte regelmäßig niedriger als in der zweiten. Im zweiten Halbjahr 2010 etwa seien rund 1,5 Mrd. Euro mehr ausgegeben worden als in den sechs Monaten davor. Das vergangene Jahr hatte die gesetzliche Krankenversicherung am Ende mit einem Minus von 445 Mio. Euro abgeschlossen.
Überschuss auch im Gesundheitsfonds Auch der Gesundheitsfonds, aus dem die Kassen ihr Geld nach einem bestimmten, festgelegten Schlüssel zugeteilt bekommen, fuhr zur Jahresmitte einen Überschuss von 460 Mio. Euro ein. Der Fonds speist sich aus Beitragseinnahmen und Steuerzuschüssen. Das Plus dürfte noch steigen, da zum Ende des Jahres die Einnahmen durch Weihnachtsgeldzahlungen höher sind.
Unter dem Strich erwarten die Experten des GKV-Schätzerkreises Ende 2011 eine Rücklage des Fonds von fast 7 Mrd. Euro. Davon ist der größte Teil jedoch verplant: 3 Mrd. werden für die gesetzliche Mindestreserve und 2 Mrd. Euro für den Sozialausgleich in den Jahren 2012 bis 2014 benötigt. Die übrigen 2 Mrd. sind noch nicht verplant und wecken Begehrlichkeiten: Kassen, Wirtschaftspolitiker und Arbeitgeber haben gefordert, den Beitragssatz von 15,5 Prozent zu senken.
  • Reuters, 05.09.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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