Der weltweit drittgrößte Rückversicherer Hannover Rück hat im ersten Quartal 2012 261 Mio. Euro verdient, fünf Mal soviel wie die 52 Mio. Euro im Vorjahr. 2011 war von schweren Katastrophen gekennzeichnet, vor allem den Erdbeben in Japan und Neuseeland, 2012 ist es dagegen bislang eher ruhig bei den Naturereignissen. Der Umsatz stieg um 11,7 Prozent auf 3,51 Mrd. Euro. Preiserhöhungen in den USA, Australien, Japan und anderen von schweren Schäden betroffenen Ländern halfen dabei kräftig mit. In Deutschland gab es vor allem in der Autoversicherung höhere Raten.
Allerdings ist die Aussagekraft von Quartalszahlen bei Versicherern und Rückversicherern eher gering, denn ihr Geschäftsmodell ist auf den langfristigen Risikoausgleich angelegt. Dennoch zeigte sich Unternehmenschef Ulrich Wallin mit dem "außerordentlich guten Ergebnis" sehr zufrieden. Eine Prognose für das volle Jahr will das Unternehmen aber nicht abgeben - schließlich steht Mehrheitsbesitzer Talanx möglicherweise kurz vor einem Börsengang. Da können Aussagen über die künftige Entwicklung eines Unternehmens rechtlich problematisch sein. "Wir haben uns entschlossen, keine Vorhersage zu machen", sagte Finanzchef Roland Vogel. "Wir erwarten aber ein gutes Geschäftsjahr."
Hoch zufrieden ist Vogel mit dem Kapitalanlageergebnis von 357 Mio. Euro nach 316 Mio. Euro, das entspricht einer Durchschnittsrendite auf Jahresbasis von 5 Prozent. In Aktien ist Hannover Rück kaum engagiert. "Das wird sich erst ändern, wenn die Volatilität der Märkte reduziert ist", sagte Vogel. "Ich erwarte nicht, dass wir 2012 wieder groß einsteigen."
Kommt es zu einer raschen Zinserhöhung, muss die Hannover Rück auf ihre festverzinslichen Anleihen abschreiben. Ein Prozentpunkt Zinserhöhung - 100 Basispunkte im Finanzjargon - machen 800 Mio. Euro aus. "Wir haben zurzeit stille Reserven von 1,3 Mrd. Euro", sagte Vogel. Die müsse man dagegen rechnen. Außerdem halte der Rückversicherer viele Papiere bis zur Endfälligkeit, sodass Wertverluste nicht unbedingt ins Ergebnis gingen.
Für das vor Italien verunglückte Kreuzfahrtschiff Costa Concordia muss die Hannover Rück 90 Mio. Euro zahlen, davon erstatten andere Rückversicherer ihr 45 Mio. Euro. Nach Angaben des Unternehmens kostet "der größte Transportschaden, den wir je gesehen haben" den gesamten Markt rund 1 Mrd. Dollar (0,8 Mrd. Euro).
Entspannung gibt es für den Rückversicherer in der Rückdeckung von Lebensversicherungsrisiken. In den USA hatte es in den vergangenen Jahren eine überdurchschnittliche Suizidquote bei gut verdienenden Amerikanern gegeben, die durch die Finanzkrise gebeutelt waren. "Da lag die Sterblichkeit über unseren Annahmen", sagte Vogel. 2012 habe sich das Bild wieder geändert. "Im ersten Quartal sind die Todesfälle, die wir erwartet haben, so nicht eingetreten."
Auf der heutigen Hauptversammlung will das Unternehmen seine Rechtsform von einer Aktiengesellschaft zu einer Societas Europaea ändern. Damit würde auch die Verlegung des Sitzes in ein anderes EU-Land erleichtert, hatte das Unternehmen schon 2011 diesen Schritt begründet.