Der Hurrikan Katrina verwüstete die Südstaaten der USA und hinterlässt seine Spuren in den Versicherungsbilanzen
Gleichzeitig erwarten die Gesellschaften, dass wegen des Hurrikans die Preise für Rückversicherungsschutz nicht weiter sinken. Swiss Re, der zweitgrößte Rückversicherer der Welt, erhöhte am Montag die Schadenschätzung von 500 Mio. auf 1,2 Mrd. $
Swiss-Re-Chef John Coomber sagte, das Ziel einer Gewinnsteigerung von zehn Prozent werde Swiss Re 2005 verpassen. Eine Zahl zum Jahresergebnis wollte er nicht nennen. "Wir werden Ende des Jahres mehr wissen." Dann stehe fest, welche weiteren Schäden es gebe und in welchem Ausmaß Mittel aus den Schwankungsrückstellungen eingesetzt werden. "Für niedrigere Preise ist kein Raum", sagte Jacques Aigrain, der Coomber zum Jahreswechsel ablöst. 2004 hatte das Unternehmen 2,5 Mrd. Schweizer Franken verdient. An der geplanten Erhöhung der Dividende von 1,60 auf 2,50 Franken für 2005 hält Swiss Re fest.
Auch Hannover Rück, weltweit Nummer vier am Markt, überprüft seine Schätzungen. Bisher erwartet das Unternehmen eine Belastung von 250 Mio. Euro. Sollte sich herausstellen, dass der Schaden deutlich höher liegt, könnte auch die gerade erst nach unten revidierte Gewinnerwartung von mindestens 309 Mio. Euro für 2005 unter Druck geraten, sagte Vorstandschef Wilhelm Zeller. "Für diese Annahme gibt es aber im Moment keinen Grund." Wegen "Katrina" hatte die Hannover Rück bereits ihre ursprüngliche Gewinnerwartung von 430 bis 470 Mio. Euro für 2005 auf 309 Mio. Euro - das entspräche dem Gewinn 2004 - abgesenkt.
Der Weltmarktführer Münchener Rück hatte am 10 bis 14 Tagen vorliegen werden, die bisherige Schätzung von 400 Mio. Euro aber deutlich zu niedrig sei.
Der versicherte Schaden aus "Katrina" wird inzwischen von den Experten des Risikomodellierungsunternehmens Risk Management Solutions auf 40 Mrd. bis 60 Mrd. $ geschätzt. Das wäre der teuerste Versicherungsschaden der Geschichte. Experten betonten aber, dass alle Schätzungen nur grob und vorläufig seien.
Höhere Preise in Sicht
In Monte Carlo deuten sich in den Verhandlungen zwischen Erstversicherern, die mit Endkunden Geschäfte machen, und den Rückversicherern deutliche Preiserhöhungen vor allem für Sturm- und andere Katastrophendeckungen an. Die Hannover Rück beispielsweise hält im Geschäft mit US-Energierisiken im Golf von Mexiko Erhöhungen der Raten um 30 bis 70 Prozent für wahrscheinlich.
Allerdings gehen in anderen Marktbereichen die Preise weiter zurück - beispielsweise in der US-Gebäudeversicherung außerhalb der von Hurrikans bedrohten Gebiete.
Der Londoner Versicherungsmarkt Lloyd's hat noch keine Schadenschätzung abgegeben. "Natürlich sind wir betroffen, die USA sind einer unserer wichtigsten Märkte", sagte Lloyd's-Chairman Lord Peter Levene der FTD. Die Preise würden sicherlich nicht sinken. "Ob sie steigen oder stabil bleiben, wird sich am Ende des Jahres zeigen."
Wie die Chefs von Swiss Re und Hannover Rück betonte auch Levene, dass "Katrina" die finanzielle Stabilität der Versicherer nicht beeinträchtige. "Wir hatten 2004 vier Stürme in kürzester Zeit und haben das gut verkraftet." Auch "Katrina" werde das Unternehmen verkraften. "Zehn solcher Schäden in zehn Wochen, das wäre ein Problem."
Neugründungen: Profiteure
Auch "Katrina" könnte zu einer Welle von Neugründungen von Rückversicherungsgesellschaften führen - wie es schon nach dem Hurrikan "Andrew" 1992 und den Anschlägen auf das World Trade Center 2001 der Fall war. Meist unter der sachkundigen Führung von großen Versicherungsmaklern gründeten damals Investoren milliardenschwere neue Rückversicherer, um an dem erwarteten Boom zu verdienen. Aus Steuer- und Aufsichtsgründen haben die Firmen ihren Sitz auf Bermuda. So entstanden große Gesellschaften wie Ace, XL oder Axis, die noch heute bestehen. Andere Unternehmen verschwanden nach kurzer Zeit wieder.
Jetzt werden wieder höhere Preise erwartet. Manager berichteten in Monte Carlo von Anrufen durch Headhunter, die Personal für Bermuda-Neugründungen suchten. Auch die Expertise von Gesellschaften ist gesucht. "Wir haben Anrufe aus dem Kapitalmarkt bekommen", sagte Hannover-Rück-Chef Wilhelm Zeller. Er wollte sich nicht festlegen, ob die Hannover Rück sich an einer Neugründung beteiligen würde. "Wir würden alles genau prüfen, was für unser Unternehmen Sinn macht", sagte der Vorstandschef.