Der Versicherer Allianz und der Autohersteller VW wollen gemeinsam in der Autoversicherung angreifen. Die beiden Unternehmen planen, Anfang nächsten Jahres einen neuen Kfz-Versicherer zu gründen. Das Unternehmen mit Sitz in Braunschweig soll ab Anfang April 2013 "maßgeschneiderte und preisattraktive" Kfz-Versicherungen an VW-Kunden verkaufen.
An dem Gemeinschaftsunternehmen wird die Allianz 51 Prozent der Stimmrechte und 49 Prozent der Kapitalanteile halten und VW umgekehrt 49 Prozent der Stimmrechte und 51 Prozent der Kapitalanteile. Damit gehört das Unternehmen zum Konsolidierungskreis der Allianz, was dem Versicherer Vorteile im Konkurrenzkampf mit dem Erzrivalen HUK-Coburg verschaffen dürfte. Sonst wäre die Allianz endgültig die Nummer zwei im deutschen Markt, verglichen mit der HUK-Coburg. Schon heute haben die Coburger mehr Fahrzeuge versichert als die Münchener, während nach Prämien die Allianz noch vorne liegt. Wäre das VW-Geschäft nicht mehr in den Allianz-Zahlen enthalten, wäre der blaue Riese weit abgeschlagen. Die beiden Partner wollen bis 2018 rund 400 Mio. Euro in den neuen Versicherer investieren.
VW-Händler vermitteln schon seit 60 Jahren Autokäufern Kfz-Policen der Allianz. VW war anfangs nur als Rückversicherer an den Risiken beteiligt, seit Anfang 2011 ist der Autobauer auch selbst als Garantieversicherer aktiv. "Jetzt gehen wir zusätzlich auch bei der Kfz-Versicherung in die Eigentragung", sagt Frank Witter, Vorstandsvorsitzender von Volkswagen Financial Services. "Damit gehen wir unseren Weg zum Erstversicherer konsequent und einen ganz entscheidenden Schritt weiter." VW unternimmt den Schritt zu einem Zeitpunkt, an dem die Preise in der Autoversicherung deutlich anziehen und die Gewinnaussichten besser werden. Die Verluste der vergangenen Jahre hatte Partner Allianz allein getragen.
Das neue Gemeinschaftsunternehmen soll den Absatz von Policen über VW-Autohäuser ankurbeln. Bisher schließen rund 20 Prozent der VW-Kunden gleich beim Autokauf ab. "Wir wollen die Penetrationsrate in Deutschland in den kommenden fünf Jahren auf mehr als 40 Prozent verdoppeln", sagt Witter. Für den Autohersteller ist die Kooperation mit dem Versicherer ein wichtiges Instrument um Kunden durch Paketangebote zu binden - und die Fahrzeuge im Schadenfall in die eigenen Vertragswerkstätten zu lenken. Denn dazu verpflichten sich die Kunden, wenn sie eine Allianz-Police über einen VW-Händler abschließen. Damit wehrt sich die Autobranche auch gegen die Versuche von Autoversicherern wie der HUK-Coburg, über eigene Werkstattnetze für Reparaturen den Aufwand zu senken. Diese Netze sind den Herstellern ein Dorn im Auge.
Bisher hat die Allianz rund 700.000 Verträge an Privatkunden über VW verkauft, pro Jahr kommen rund 150.000 Neuverträge hinzu. Zusammen mit den Geschäftskunden sind es mehr als eine Million Verträge. "In den nächsten drei bis fünf Jahren wollen wir auf rund 300.000 Neuabschlüsse pro Jahr und 1,2 Millionen Bestandspolicen kommen", sagt Karsten Crede, der bei der Allianz für die Kooperation mit Autoherstellern zuständig ist. Bei der Schaden-/Kostenquote in dem Geschäft peilt der Versicherer 98 Prozent der Beiträge an.
Für Versicherer sind Kooperationen mit Autoherstellern ein zweischneidiges Schwert. Zum einen bringen sie viel Volumen, zum anderen krankt das Geschäft aber oft an der Profitabilität. Die Vertragswerkstätten sind oft teurer als eine Reparatur in freien Werkstätten. Zudem bieten die Autofirmen Komplettpakete für Neuwagenangebote an, bei denen auch Fahrer mit schlechtem Risiko günstig an Versicherungsschutz kommen.
Der neue Versicherer von Allianz und VW ist auch eine klare Kampfansage an andere Autoversicherer. Das Gemeinschaftsunternehmen soll eine besonders günstige Basisabdeckung im Bereich Kasko und Haftpflicht anbieten, die der Kunde bei Bedarf um Zusatzelemente aufstocken kann wie ein Anrecht auf einen Mietwagen bei Reparaturen, eine Zusatzdeckung bei Tierschäden und eine Neuwert-Entschädigung bei Totalschäden.