Milliardenschwere institutionelle Anleger fordern von der Bundesregierung die Ausgabe 50-jähriger Anleihen. Langfristig orientierte Investoren bräuchten Staatspapiere aus der Euro-Zone, die über die bislang gängige maximale Laufzeit von 30 Jahren hinausgingen, sagte Allianz -Vorstand Oliver Bäte am Donnerstag auf der Schmalenbach-Tagung zum Thema "Fremdkapital - Rating, Kapitalmarkt und Finanzierungsstrategien"in Köln. Die Allianz ist mit einem Anlagevolumen von 1600 Mrd. Euro einer der weltgrößten Vermögensverwalter.
Ähnlich äußerte sich Reiner Back, Anleihechef bei Meag, dem Portfoliomanager des weltgrößten Rückversicherers Munich Re . "Grundsätzlich sind wir an solchen Papieren interessiert und könnten uns auch vorstellen zu investieren", hatte Back erst kürzlich der FTD gesagt. In den USA sind 50-jährige Staatsanleihen üblich.
Auch in Großbritannien gibt es eine entsprechende Tradition. Dort denkt das Schatzministerium darüber nach, neue 100-jährige Papiere oder sogar ewige Staatsanleihen zu begeben. In Mitteleuropa gelten solche Papiere hingegen bislang noch als Kuriosum. Jüngst allerdings sorgte die österreichische Bundesregierung für Aufsehen, als sie 50-jährige Papiere im Volumen von 2 Mrd. Euro am Kapitalmarkt unterbrachte.
Lebensversicherer, Pensionskassen oder auch Versorgungswerke benötigen diese langfristige Anlagen, weil sie ihrerseits langfristige Verpflichtungen gegenüber ihren Kunden zu erfüllen haben. Extreme Langläufer "leiden in einem Umfeld steigender Renditen weniger und entwickeln sich in einem Umfeld fallender Renditen besser als andere Anlagen mit gleicher Duration", sagte Back - die Duration zeigt an, wie lange das Kapital bei einer Anleihe gebunden ist. "Leider gibt uns die Politik solche Anlagemittel bislang nicht", sagte Bäte.
Die deutsche Finanzagentur, die das Schuldenmanagement des Bundes betreibt, steht extremen Langläufern allerdings skeptisch gegenüber, unter anderem wegen des angeblich geringen Bedarfs.