Beim Gang ins Ausland müssen Mittelständler die Deckung von Haftpflichtrisiken völlig neu organisieren
Gerade Haftpflichtrisiken können für einen Mittelständler existenzbedrohende Ausmaße annehmen, wenn kein ausreichender Versicherungsschutz besteht. Produktrückrufe gehören zu den größten Bedrohungen für Unternehmen im Ausland. "Mangelhafte oder fehlende Instruktionen, Gebrauchsanweisungen oder Warnhinweise können in den USA zu extrem hohen Entschädigungssummen führen", sagt Sebastian Kadritzke, Sprecher des international tätigen Industrieversicherers XL Insurance.
Aber auch in Europa können die Kosten für einen Rückruf in der Automobilbranche schnell in die Millionen gehen, etwa wenn die Elektronik an einem Teil schadhaft ist und die Funktionsfähigkeit des Autos beeinträchtigt. Das liege an den verschärften europäischen Regeln, vor allem dem Produktsicherheitsgesetz. Es ermächtige Behörden, unsichere Waren aus dem Verkehr zu ziehen, sagt Reinhard Riehl, Leiter der Haftpflichtsparte beim Makler Südvers. "Das rechtliche Umfeld ist schärfer geworden."
Einige Unternehmen reagieren auf die strengeren Regelungen. "Qualitätsmängel bei der Herstellung sind gerade in den Billigstlohnländern Asiens zum Problem geworden", sagt Riehl. "Viele Firmen schließen ihre Produktionsstätten und siedeln sie in geografisch näher gelegenen Regionen Osteuropas an, wo sie die Produktionsbedingungen besser kontrollieren können."
Ein nicht zu unterschätzendes Risiko sind Arbeitsunfälle. Erleidet ein Mitarbeiter im Betrieb oder auf dem Weg zur Arbeit einen Unfall, ist er in Deutschland über die Berufsgenossenschaften abgesichert. In vielen anderen Ländern muss der Arbeitgeber für seine Angestellten dafür eine Arbeiterunfallversicherung abschließen, die unabhängig vom Verschulden dem Betroffenen eine Entschädigung zahlt.
In Großbritannien, den USA oder Frankreich sind solche Policen Pflicht. Riehl rät aber, auch in Ländern eine Versicherung abzuschließen, in denen die Arbeiterhaftpflicht nicht vorgeschrieben ist. "Als ausländische Firma ist man gerade in Schwellenländern Begehrlichkeiten ausgesetzt", sagt Riehl. "Davor sollten sich Unternehmen schützen."