Frank Ellenbürger ist Vorstandsmitglied bei der Unternehmensberatung KPMG Deutschland.
Als Reaktion auf die Finanzkrise hat das International Accounting Standards Board (IASB) Mitte Juli Vorschläge gemacht, wie Finanzinstrumente zukünftig bilanziert werden sollen. Die neuen Regeln sollen auch auf die Versicherungsbranche angewandt werden. Wenn das in der jetzt vorliegenden Form geschieht, hätte das weitreichende negative Folgen - auch über den Sektor hinaus.
Die Branche hat mit Recht darauf hingewiesen, dass sie sich dann gezwungen sähe, deutlich weniger in Aktien zu investieren. Damit könnte die Versicherungswirtschaft als Risikokapitalgeber letztlich wegfallen. Die als Antwort auf die Krise eingeführten Bilanzierungsregeln würden die Finanzmärkte schwächen.
Der Vorschlag des Londoner Standardsetzers zielt auf eine Vereinfachung bei der "Klassifizierung und Bewertung von Finanzinstrumenten" (IAS 39) ab. Die neue Version sieht vor, dass in größerem Maße als bisher nach den jeweiligen Zeitwerten der Finanzinstrumente bilanziert wird. Lediglich ein eng begrenzter Bestand an festverzinslichen Titeln kann weiterhin zu Anschaffungskosten bilanziert werden. Wie welches Instrument im Einzelnen bilanziert wird, wird anhand einer Mixtur von Kriterien bestimmt. Dabei wird sowohl die Art des jeweiligen Instruments als auch die Absicht des Investors bewertet.
Es ist fraglich, ob die in erster Linie für Banken konzipierten Regeln wirklich auch für die Versicherer mit ihrem langfristigen Geschäftsmodell Sinn ergeben. Die Bilanzen müssen es den Versicherern weiterhin ermöglichen, Investoren ihr Geschäft zu erklären.