Junge Leute für den Versicherungsvertrieb zu begeistern, ist gar nicht so einfach
Doch junge Leute für den Versicherungsvertrieb zu begeistern, ist gar nicht so einfach. Zum einen hat die Branche mit gewaltigen Imageproblemen zu kämpfen, nicht zuletzt durch die Negativschlagzeilen über Lustreisen beim Versicherer Ergo und Meldungen über Provisionsexzesse und Falschberatungen.
Dünnes Reservoir
"Das Ansehen von Versicherungsvertretern ist mittlerweile schlechter als das von Straßenkehrern", sagt Ralph Meinhold, Inhaber der MKK Personalberatung, die sich auf Vertriebspersonal für Versicherer spezialisiert hat. Allenfalls könnte sich der Nachwuchs mit dem Beruf des Maklers anfreunden, der mit einer Vielzahl von Versicherern zusammenarbeitet. "Ein-Firmen-Vertreter haben es immer schwerer", sagt Meinhold. Die Kunden verglichen viel über das Internet. "Wenn man dann nur die Produkte eines Versicherers bieten kann, hat man ein Problem."
Erschwerend kommt hinzu, dass die Zahl an potentiellen Nachwuchskräften durch den demografischen Wandel sinkt. "Die Jahrgänge werden immer dünner", sagt Ralf Götz, Direktor und Chefvolkswirt bei der DVAG. "Der Kampf um Talente hat zugenommen." Das Unternehmen, das zu knapp 40 Prozent dem Versicherer Generali gehört, zählt neben AWD, MLP und OVB zu den größten Finanzvertrieben Deutschlands.
Solidere Ausbildung, fixes Gehalt
Die Finanzvertriebe, aber auch die Versicherer müssen sich ins Zeug legen, um für junge Menschen attraktiv zu werden. Entsprechend rechnen auch über 60 Prozent der rund 250 Fach- und Führungskräfte aus der deutschsprachigen Assekuranz, die die Universität St. Gallen im Auftrag des Deutschen Rings Kranken befragt hat, für die nächsten zwölf Monate mit einem steigenden Aufwand für Rekrutierung und Ausbildung im Vertrieb.
Auch die DVAG hat die Ausbildungswege überarbeitet. "Früher haben wir eher auf Quereinsteiger gesetzt", sagt Götz. Doch rudimentär ausgebildete Nebenberufler haben das Image von Finanzvertrieben gründlich verdorben. Inzwischen will die DVAG verstärkt junge Schulabsolventen für sich gewinnen. Der Vertrieb bietet ihnen eine dreijährige Ausbildung zum Kaufmann beziehungsweise Kauffrau für Versicherungen und Finanzen mit einer fixen Vergütung an. "Die Nachwuchskräfte sind anspruchsvoller geworden", sagt er. "Sie streben nach mehr Professionalität."