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Merken   Drucken   18.07.2007, 11:00 Schriftgröße: AAA

Risikomanagement: Bedarf an Beratern wächst

Die Nachfrage nach Beratung für Schadenvorsorge steigt seit Jahren. Kunden engagieren vor allem Wirtschaftsprüfer und Makler. Ganz übernehmen können Externe die Krisenvorsorge allerdings nicht.
von Carolin Wedekind

Für die meisten Unternehmen gehört zur Schadenvorsorge mehr als der Abschluss von Versicherungen. Was aber gutes Risikomanagement ausmacht, wissen nicht alle. Etwa 230 Beraterfirmen in Deutschland bieten ihnen Unterstützung an. Der Markt ist sehr zersplittert, denn die Anbieter kommen aus unterschiedlichen Branchen.

Wer Hilfe für sein Risikomanagement sucht, hat die Wahl zwischen sehr verschiedenen Angeboten. Neben vielen Versicherungsmaklern und Wirtschaftsprüfern wollen auch Banken, Unternehmensberater und Versicherer in Sachen Schadenvorsorge beraten. Für Kunden macht das die Beraterbranche schwer überschaubar. "Der Markt ist noch sehr fragmentiert, aber es bewegt sich etwas", sagt Felix Hufeld, Deutschlandchef des Versicherungsmaklers Marsh.

Das deutsche Marktvolumen für Beratungsleistungen im Risikomanagement schätzen Experten auf 40 bis 50 Mio. Euro. Genaue Zahlen gibt es wegen der Unübersichtlichkeit des Markts nicht. Die Anbieter definieren Risikomanagement unterschiedlich und offerieren sehr verschiedene Dienstleistungen.

Wirtschaftsprüfer gefragt

Die Nachfrage nach Beratung wächst seit Jahren. Neue Gesetze verlangen von Unternehmen bessere Vorsorge. "Aber auch die Firmen selbst zeigen immer mehr Interesse an aktivem Risikomanagement", sagt Hufeld. Er geht davon aus, dass sich größtenteils Wirtschaftsprüfer und Makler als gefragteste Berater durchsetzen werden.

Frank Roselieb vom Kieler Institut für Krisenforschung sieht das ähnlich. Bedeutung hätten vor allem die vier größten Wirtschaftsprüfer Deloitte, Ernst & Young, KPMG und PwC. Daneben gebe es noch sehr viele kleine Beraterfirmen. "Gerade Kleinstberater sind meist die Besten", sagt Roselieb. Viele von ihnen haben sich auf bestimmte Branchen wie Tourismus, Bau oder Gesundheitswesen spezialisiert. "Oft waren die Berater früher selbst in der jeweiligen Branche und bringen viel Wissen mit", sagt Roselieb.

Wirtschaftsprüfer sind als Berater außerhalb ihrer Prüfungsmandate gefragt, weil sie durch die gesetzlich vorgeschriebene Jahresabschlussprüfung viel über die Risiken der einzelnen Branchen wissen. "Ein Wirtschaftsprüfer hat üblicherweise einen breiten Erfahrungshorizont", sagt Oliver Engels vom Wirtschaftsprüfer KPMG. "Wir unterstützen Unternehmen dabei, wie sie selbst zu Entscheidungen über das für sie geeignete System kommen."

Interne Lösungen fördern

Laut Engels bevorzugen vor allem große Unternehmen die vier führenden Prüfer als Berater. Manche Kunden würden sich für Wirtschaftsprüfer entscheiden, weil sie bei Versicherungsmaklern fürchten, dass Schäden nur versichert und nicht verhindert werden. Marsh-Chef Hufeld kann dies nicht bestätigen. Als Berater hilft der Makler seinen Kunden, Notfallpläne für den Fall einer Krise zu erstellen. "Manchmal geht es um ganz pragmatische Dinge. Einem Kunden mit vielen Hochwasserschäden haben wir beispielsweise geraten, sich mobile Dämme anzuschaffen", sagt Hufeld.

Ganz übernehmen können Externe die Krisenvorsorge nicht. "Am wichtigsten sind die eigenen Risikomanager", sagt Roselieb. Berater könnten Wissen von außen bringen und beim Aufbau des Risikomanagement-Systems helfen, wüssten aber nie so viel über ein Unternehmen wie die Firma selbst. Außerdem sei nicht nur die Einführung eines Systems wichtig. "Risikomanagement ist eine Daueraufgabe. An einer internen Lösung kommt man deshalb nicht vorbei", sagt Roselieb. Engels von KPMG hält trotzdem regelmäßige Beratung für wichtig. "Die Unternehmen kennen natürlich ihre Risiken, nehmen sie aber oft nicht als solche wahr." Sinnvolle Hinweise kämen deshalb für Unternehmen häufig von außen.

  • FTD.de, 18.07.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland
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