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Merken   Drucken   31.10.2005, 10:28 Schriftgröße: AAA

Rückversicherer müssen mehr zahlen  

Versicherer und Rückversicherer mit globalem Geschäftsfeld haben es nach den Hurrikans "Katrina", "Rita" und "Wilma" sehr viel schwerer, weltweit gültige Schutzdeckungen gegen hohe Sturmschäden einzukaufen. Das wird nach Auffassung des französischen Rückversicherers Axa Re zu Preiserhöhungen auf dem Weltmarkt führen. von Herbert Fromme, Baden-Baden
Der Hurrikan "Katrina" hat hohe Schäden verursacht: die ...   Der Hurrikan "Katrina" hat hohe Schäden verursacht: die schwer beschädigte Fassade des Hyatt Hotels in New Orleans
"Die großen Anbieter im so genannten Retromarkt haben angekündigt, keine Weltdeckungen mehr anzubieten. Sie bestehen nach ,Katrina‘ auf separaten Verträgen für die USA und den Rest der Welt", sagte Axa-Re-Chef Hans-Peter Gerhardt. "Die Folge werden deutliche Preiserhöhungen sein, wenn man als Rückversicherer denselben Retro-Deckungsumfang wie vorher kaufen will", sagte Gerhardt im FTD-Interview. Im Retromarkt handeln die Rückversicherer untereinander, es handelt sich um die Rückversicherung der Rückversicherer.
Gerhardt glaubt, dass die Verknappung und Verteuerung des Retroschutzes sich sehr bald auf die Preise auswirken wird, die Erstversicherer für ihre Schutzdeckungen zahlen. "Das gilt auf jeden Fall für Versicherer, die global tätig sind. Und das sind fast alle großen Anbieter auf die eine oder andere Weise." Europa könne sich eben nicht aus dem Weltmarkt verabschieden. "Wenn ein Rückversicherer keine Retro-Weltdeckungen mehr erhält, macht es wenig Sinn für ihn, seinerseits Weltdeckungen zu verkaufen", sagte Gerhardt. Billiger werde es dadurch für die Kunden auf keinen Fall. Auch Hoffnungen, dass neu gegründete Gesellschaften auf Bermuda durch die von ihnen angebotene zusätzliche Kapazität die Preise unten halten, hält Gerhardt für illusorisch.
Retro-Gesellschaften gefordert
Die Nahrungskette in der Assekuranz beginnt bei Erstversicherern wie Allianz oder Zürich, die direkt mit den Endkunden - Privatleuten oder Unternehmen - Versicherungsverträge abschließen. Gegen Großschäden, die im Extremfall zum Ruin führen können, schützen sie sich durch das so genannte Zedieren von Risiken bei Rückversicherern.
Aber auch diese Großhändler der Risikoabsicherung brauchen für die größten Katastrophen ihrerseits Schutz, wenn sie ihre Unternehmen nicht gefährden wollen. Andernfalls müssten sie ein hohes Eigenkapital vorhalten, für das sie keine vernünftige Rendite erzielen können. Sie retrozedieren deshalb einen Teil der Risiken an Spezialisten.
Durch den Hurrikan "Katrina", dessen versicherter Schaden auf bis zu 60 Mrd. $ geschätzt wird, wurden die Retro-Gesellschaften ernsthaft gefordert. Größter Anbieter der Welt ist die von Ajit Jain geführte Berkshire Hathaway Re, die zum Reich des US-Milliardärs Warren Buffett gehört. Das Unternehmen erwartet, bis zu fünf Prozent aller versicherten Schäden aus "Katrina" und anderen Stürmen tragen zu müssen, das wären bis zu 3 Mrd. $. Möglicherweise fällt die Rechnung noch höher aus. Neben Berkshire sind der Londoner Versicherungsmarkt Lloyd's, das zu General Electric gehörende GE Insurance Solutions und Rückversicherer wie die Bermuda-Gesellschaft PX Re bekannte Anbieter.
Bei großen Endkunden vor allem aus der Industrie werde die Preisverhärtung in der Rückversicherung mit einer Verzögerung von drei bis sechs Monaten zu höheren Preisen für ihren eigenen Versicherungsschutz führen, sagte Gerhardt.
  • Aus der FTD vom 31.10.2005
    © 2005 Financial Times Deutschland,
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