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  29.01.2010, 11:00    

Schlammschlacht: Wenn Berater Berater kritisieren

Verbraucherschützer geißeln gern die mangelnde Qualität in der Finanzberatung. Eine branchennahe Studie eines Hamburger Wirtschaftsforschungsinstituts will belegen, dass die Arbeit der Verbraucherzentralen selbst schlecht ist. von Martin Reim 
Der Finanzberater namens F. Hai zündet sich genüsslich eine Zigarre an. Er hat soeben einem unbedarften Pärchen überteuerte Produkte verkauft, um eine dicke Provision zu kassieren. Dieses Video hat die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg vor einigen Monaten ins Netz gestellt. Es soll illustrieren, dass viele Finanzvermittler angeblich schlecht beraten. Daraufhin hagelte es Proteste aus der Branche. Einer der Vorwürfe: Die Verbraucherschützer wollten auf diese Weise mehr Geld vom Staat herausschlagen - für ihre eigenen Beratungen, deren Qualität nur unzureichend gesichert sei.
Nun ist eine Studie erschienen, die genau diese Qualität untersucht. Sie liegt der FTD vor, die Ergebnisse klingen ernüchternd: Die Vorgehensweise der Verbraucherzentralen in fünf getesteten Städten sei "deutschlandweit uneinheitlich". 90 Minuten für ein Gespräch zur Altersvorsorge seien im Vergleich zur Höhe der Gebühren von bis zu 150 Euro kurz. Die persönlichen Umstände der Kunden würden mangelhaft aufgenommen. Die Güte der Tipps schwanke von "schlecht bis ausgezeichnet". Uneingeschränkt positiv wird lediglich die "freundliche und vertrauenswürdige Art der Berater" bewertet.
Die Finanzberater halten sich gegenseitig schlechte Arbeit vor   Die Finanzberater halten sich gegenseitig schlechte Arbeit vor
Nun könnte man das Papier rasch beiseite tun. Auftraggeber ist das Hamburger Institut für Management- und Wirtschaftsforschung, das erstens reichlich unbekannt ist und zweitens zum Gutteil von Aufträgen aus der Finanzindustrie lebt. Studienleiter Jörg Forthmann arbeitet hauptberuflich bei der PR-Agentur Faktenkontor, deren Kundenliste sich wie ein Who's who der Finanzbranche liest. Außerdem fußt die Studie auf gerade einmal zehn verdeckten Tests, also zwei pro Stadt.
Allerdings sind manche Ergebnisse tatsächlich krass: So erfragte ein Münchner Berater weder die Zahl der Kinder, Vermögensverhältnisse, Verbindlichkeiten, Erfahrungen in der Geldanlage noch die Risikobereitschaft. In Berlin war weder die Versorgungslücke Thema des Gesprächs, noch persönliche Ziele oder eventuelles Vorwissen.
Den Verbraucherschützern sind solche Missstände nicht unbekannt. Sie haben - unabhängig von der Studie - bereits vor einigen Wochen reagiert. Der Verbraucherzentrale Bundesverband empfahl seinen 16 Mitgliedern, ab April für jedes Gespräch eine Kombination aus Checkliste und Protokoll zu verwenden. "Der Berater soll es unterschreiben und an den Kunden weitergeben", sagt Wolfgang Schuldzinski von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. In seinem Bundesland sei dies bereits seit Jahren Praxis.
Mit der Aktion will der Verband unter anderem seinen Kritikern bei den Banken den Wind aus den Segeln nehmen. Die Geldhäuser müssen seit Jahresanfang Beratungsprotokolle anfertigen. Sie werfen nun den Verbraucherschützern vor, sich nicht an die Standards zu halten, die sie selbst gefordert haben. Ein Unterschied bleibt allerdings: Die Verbraucherzentralen verkaufen keine Produkte, sondern geben höchstens Tipps. Deshalb müssen sie auch weiterhin nicht über offene und versteckte Provisionen informieren.
  • Aus der FTD vom 29.01.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland
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