FTD.de » Unternehmen » Versicherungen » Munich Re setzt der Industrie Frist

Merken   Drucken   25.11.2011, 11:25 Schriftgröße: AAA

Thailand-Überschwemmung: Munich Re setzt der Industrie Frist

Nach der Flut in Asien will der Rückversicherer genauer über die Zulieferketten seiner Industriekunden Bescheid wissen. Den Unternehmen, die nicht für mehr Transparenz sorgen, wird Munich Re den Versicherungsschutz gegen indirekte Betriebsunterbrechung aufkündigen. von Herbert Fromme 
Thorsten Jeworrek will mehr über die Lieferketten von Munich ...   Thorsten Jeworrek will mehr über die Lieferketten von Munich Re-Kunden erfahren
Der Rückversicherer Munich Re  will in 18 Monaten keine Risiken aus der indirekten Betriebsunterbrechung mehr abdecken, wenn die betreffenden Industrieunternehmen ihre Zulieferketten nicht offengelegt haben. Die Überflutung von sieben Industrieparks in Thailand hat bei dem weltgrößten Rückversicherer die Alarmglocken schellen lassen. "Für uns ist es zwingend, innerhalb von maximal 18 Monaten unsere Risiken genau quantifizieren zu können", sagte Vorstand Torsten Jeworrek der FTD.
Die indirekte Betriebsunterbrechung zahlt dann, wenn ein Sachschaden bei Zulieferern zum Stillstand der Produktion führt - wie der Mangel an Festplatten eines Herstellers, dessen Anlage in der Flut steckt, für Probleme bei Computerherstellern sorgt.
Für den Rückversicherer besteht die Gefahr, von sehr hohen Forderungen aus indirekten Schäden nach Naturkatastrophen überrascht zu werden - weil er keinen Überblick hat, welche der von ihm direkt oder indirekt abgesicherten Firmen von Lieferanten etwa aus Thailand abhängen.
Die Industriekunden sind irritiert. "Wir können den in der Fristsetzung liegenden Vorwurf nicht nachvollziehen", sagte Philipp Andreae, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Versicherungs-Schutzverbands (DVS). Der DVS ist die Interessenvertretung der Industrie in Versicherungsfragen. Die Kunden wollten kooperieren, aber der Informationshunger der Assekuranz müsse ein vertretbares Maß haben. Es gebe Fragen, bei denen man nicht erkennen könne, warum sie bei der Bewertung des Risikos einen wirklichen Nutzen haben, sagte Andreae. "Das geht in die falsche Richtung."
Jeworrek hatte bereits im September mit Blick auf das Japan-Erdbeben Einblick in die Lieferantenbücher der Industrie gefordert. Jetzt setzt der weltgrößte Rückversicherer erstmals eine Frist und droht mit Rückzug der Deckung. "Wir haben nach unseren Äußerungen im September eher wenig Widerhall gefunden", sagte er.
"Solche Aufstellungen sind auch im Interesse der Industrieunternehmen selbst." Das Argument, es gebe schließlich eine günstige Versicherung, ziehe nicht. "Sie sind ihren Aktionären und ihren Kunden gegenüber verpflichtet, lieferfähig zu sein."
In Thailand kämen Konzentrationen kritischer Industrien wie Halbleiterhersteller, Festplattenproduzenten und Autoteilewerke zusammen mit der Gefahr schwerer Fluten, sagte Jeworrek. Ähnliche Konzentrationen hat Munich Re in anderen Regionen ausgemacht, darunter Kalifornien mit seinen Erdbebenrisiken.
In Thailand selbst sei Munich Re nicht hoch engagiert, doch könnten die Folgeschäden eine beträchtliche Höhe erreichen. "Da gibt es Maschinen für die Halbleiterproduktion, die selbst nicht zerstört wurden durch die Flut. Aber weil der Strom ausgefallen ist, gibt es keine Klimaanlagen, und selbst in nur schwach überfluteten Anlagen steigt die Luftfeuchtigkeit stark an." Das reiche für schwere Defekte an den Anlagen - mit entsprechend langem Produktionsausfall.
  • Aus der FTD vom 25.11.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
FTD-Versicherungsmonitor
FTD-Versicherungsmonitor

Der FTD-Versicherungsmonitor hat alle wichtigen Namen und Nachrichten auf dem Radar und bündelt die wichtigsten Informationen aus verschiedenen Quellen. So erhalten Sie einen exzellenten Überblick über die Assekuranz, analytisch kommentiert von FTD-Versicherungskorrespondent Herbert Fromme.

Jetzt kostenlos abonnieren
Tweets von FTD.de Unternehmens-News

Weitere Tweets von FTD.de

  14.02. Pleiten, Pech und Pannen Kennen Sie Skandalbanken und Bankenskandale?

Finanzinstitute legen Wert auf Seriösität - werden aber immer wieder von Skandalen umrankt. Manche Bank legte eine spektakuläre Pleite hin. Kennen Sie sich aus in der schrägen Welt der Hochfinanz?

Deutsche-Bank-Chef Hilmar Kopper sorgte 1994 für das Unwort des Jahres, als er die Schulden an Kleinunternehmen, die der Pleitier Jürgen Schneider angehäuft hatte, verbal abtat. Mit welchem Naturprodukt verglich er sie?

Pleiten, Pech und Pannen: Kennen Sie Skandalbanken und Bankenskandale?

Alle Tests

Tools für Unternehmer
 
Gründung Finanzierung Steuern Firmenwert Vorlagen
Verträge und Vorlagen Sie benötigen Dokumente und nützliche Arbeitshilfen für Ihren Geschäftsalltag? Wählen Sie aus fast 5.000 rechtssicheren und aktuellen Verträgen, Vorlagen, Checklisten, Rechentabellen oder Ratgebern. mehr

Newsletter:   Eilmeldungen Unternehmen

Autobauer unterschreibt milliardenschwere Übernahme? Mit uns wissen Sie es, bevor die Tinte trocken ist.

Beispiel   |   Datenschutz
  • Automarkt: PSA und GM taugen nicht als Fusionspartner

    Die Autobauer beschnüffeln einander aus Kostengründen. Eine gemeinsame Perspektive haben sie jedoch nicht. Die ohnehin krisengeschüttelte GM-Tochter Opel könnte durch eine Fusion noch stärker ausgezehrt werden. mehr

  •  
  • blättern
  Bilderserie Markenranking Deutschlands wertvollste Händler

Bilderserie

  22.02. Wirtschaft Der Streik am Frankfurter Flughafen wird am Mittwochabend ausgesetzt
Wirtschaft: Der Streik am Frankfurter Flughafen wird am ...

Die Betreiber des Flughafens Fraport und die Gewerkschaft der Vorfeld-Kontrolleure haben sich auf Gespräche geeinigt mehr

 



markets
  DAX 6851,73  [7.86 +0,11%
  Dow Jones 12938,67  [-27.02 -0,21%
  Nasdaq Composite 2933,17  [-15.4 -0,52%
  Euro Stoxx 50 2520,45  [1.45 +0,06%
VERSICHERUNGEN

mehr Versicherungen

INDUSTRIE

mehr Industrie

FINANZDIENSTLEISTER

mehr Finanzdienstleister

HANDEL+DIENSTLEISTER

mehr Handel+Dienstleister

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote